Über 10.000 Besucher bei den fünf Jazztagen in Düren

10.000 Besucher an fünf Tagen : Herz des Jazz pulsiert in Dürens City

Auch die Unwetterwarnung am Samstag konnte die Stimmung in Düren am Wochenende nicht trüben: Zahlreiche musikalische Highlights haben auch in diesem Jahr wieder unzählige Musikfans zu den Jazztagen in die Innenstadt gelockt.

Mit einer reichlich großen Prise Humor kündigte der Weltklassesaxophonist Bill Evans den Überraschungsgast am Freitagabend an. Als würde nun ein Comic-Superheld persönlich über den Dürener Marktplatz schweben. „Der Mann, der jetzt kommt, für den ist Bungee Jumping im Grand Canyon eine Kleinigkeit“, sagte Evans schmunzelnd. Dass es sich dabei um einen weiteren musikalischen Ausnahmekönner handelte, dürfte vor allen Dingen die zahlreichen Fans vor der Bühne gefreut haben.

Nils Landgren, den Jazzfans in Anspielung auf seine rote Posaune „Mister Red Horn“ nennen, lieferte sich mit Evans ein Duett, wie man es sich von zwei Musikern mit Weltformat erhofft. Weltklasse!

Für Evans und seine Band „The Spy Killers“ war Düren der Schlussakkord der Europa-Tournee. Als zusätzliche Note holte Jazztage-Programmgestalter Oliver Mark noch den Posaunisten Landgren mit ins Boot. Der Schwede, dessen Werdegang sich liest wie ein Jazz-Lexikon, arbeitete unter anderem mit Abba zusammen und präsentierte deren Hits vor einigen Jahren in Düren. Es war also ein Wiedersehen mit dem Publikum und auf der Bühne.

Bill Evans auf der Marktbühne bei den Dürener Jazztagen. Foto: ZVA/Patrick Nowicki

Nicht immer ergeben erlesene Zutaten am Ende ein ebenso erlesenes Gericht. Am Freitagabend war das Publikum jedoch Zeuge einer Symbiose, die nur möglich ist, wenn großartige Einzelkönner aufeinandertreffen und dabei harmonieren: Neben Evans und Landgren trommelte Wolfgang Haffner, was die Felle hergaben. Immer im geschmackvollen Einklang mit Bassist Gary Grainger. An den Tasten saß gewissermaßen ein Lokalmatador, den Evans als „junges Ausnahmetalent“ adelte: der Aachener Simon Oslender. Die Organisatoren des Planet Jazz Clubs Düren durften sich zufrieden die Hände reiben – auch angesichts des großen Andrangs vor der Bühne.

Ein Schlussakkord der besonderen Note: „Klaro!" in der Dürener Christuskirche am Sonntagabend. Foto: ZVA/Patrick Nowicki

Am Samstag sah es kurzzeitig so aus, als würde dieser Jazztag ins Wasser fallen. Graue Wolken über der Stadt, Platzregen und keine Menschenseele vor der Bühne auf dem Marktplatz. Über die Warn-App „NINA“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wurde kurz vor Beginn des Abendprogramms noch eine Unwetterwarnung verschickt. 30 Minuten später war die Welt zum Glück schon eine andere. Der Funk-Soul-Sound der Dürener und Jülicher Musiker „6aus49“ erwies sich als Volltreffer und wärmte die Herzen der langsam aber sicher eintrudelnden Zuschauer. Auch, wenn Freitagabend deutlich mehr los war, ließen sich die Dürener die Stimmung nicht verwässern.

Am Samstag spielte unter anderem die „Little Planet Band“ in Düren. Foto: ZVA/Stephan Johnen

Das Konzept des Planet Jazz Clubs ging auch am Samstagabend auf: Um die Bühne besser auszulasten und gleichzeitig eine größere musikalische Bandbreite zu präsentieren, wurden drei Konzerte gespielt. Nach „6aus49“ standen Emanuel Stanley und die „Little Planet Band“ auf der Bühne, die eine mitreißende Mischung aus Jazz, Funk, Soul und Weltmusik mitgebracht hatten. Höhepunkt des Abends war der Auftritt von „Azymuth“ – einer brasilianischen Fusion-Band aus Rio de Janeiro, die in ihrer Heimat Kultstatus genießt. Für die Musiker war Düren der Startpunkt einer Europatournee, die sie noch nach Helsinki, Warschau, St. Petersburg und Wien führen wird. Das Prinzip der Brasilianer: verrückte Samba! Keine Frage, es durfte getanzt werden.

Vertrieben die Wolken am Dürener Jazzhimmel: die Musiker der brasilianischen Band „Azymuth“. Foto: ZVA/Stephan Johnen

„Der Regen hat uns 50 Prozent der Zuschauer gekostet“, bilanzierte am Samstag Oliver Mark, Künstlerischer Leiter der Dürener Jazztage und 2. Vorsitzender des Vereins Planet Jazz Club Düren. Die deutlich intimere Atmosphäre der kleineren Bühne auf dem Marktplatz machte dieses Manko aber wett. Traditionell steht die Hauptbühne immer auf dem Kaiserplatz, wegen der angekündigten Umbauarbeiten musste sie aber auf den Marktplatz weichen – auch wenn auf dem Kaiserplatz bislang noch kein Handschlag getan worden ist. Da es wenig sinnvoll gewesen wäre, mit einer Bühne auf dem Marktplatz gegen die Kneipentour anzuspielen, fand diese auch nur in einem reduzierten Umfang statt.

Ein Urgestein der Kneipentour ist Bernie Fawcett, der erneut die Reise von Liverpool nach Düren antrat, um in „Harrys American Bar“ am E-Piano zu sitzen. „Honey & Wood“ statteten der Kneipe im Komm-Zentrum einen Besuch ab, vom „Postillion“ aus rockten „Sally & The Dodgers“ den Kölntorplatz. Jungen Jazz hatte das Trio „Amida Falls“ aus Köln mitgebracht, das im „Café International“ auftrat.

Die ganze Palette des Jazz bespielten auch andere Akteure auf den Bühnen: Die junge Band „Kwini“ heizte am Freitagabend mächtig ein. Am Sonntag war auf dem Marktplatz ein Hauch von New Orleans zu spüren, als das Jazzorchester „Muckefuck“ und die „Six8tyone Big Band“ aufspielte. Der gelungene Abschluss erfolgte gestern Abend in der Christuskirche: Das Duo Karolina Strassmayer (Saxophon) und Drori Mondlak (Schlagzeug) hatte bei „Klaro!“ mit David Friedmann (Vibraphon), Pianist Rainer Böhm und Bassist Josh Ginsburg großartige Mitmusiker um sich geschart. Ein Genuss!

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