Über 100 Seiten gebündelte Ideen für das Indeland

Zukunftslabor in Düren : Über 100 Seiten gebündelte Ideen für das Indeland

Da saßen sie nun im Dürener Dorint-Hotel, zahlreiche Verantwortliche, die den Strukturwandel in der Region mitgestalten, an manchen Stellen sogar noch anstoßen müssen. Ihnen flimmerten noch die Bilder des Wochenendes vor Augen.

Von der Fridays-for-Future-Demo in Aachen und den Protesten und Übergriffen am Hambacher Forst. Beim Zukunftslabor der Entwicklungsgesellschaft Indeland sollte eigentlich die Übergabe des überarbeiteten Fachbeitrags an die Bezirksregierung im Mittelpunkt stehen. Die Veranstaltung nutzte mancher jedoch dazu, die aktuellen Geschehnisse zu kommentieren.

Was die Proteste und die Veranstaltung am Montagmorgen verbindet: Man will die Energiewende nutzen, klimafreundlichere Technik zu installieren. Dass für eine saubere Umwelt junge Menschen auf die Straßen gehen, zollt dem Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) nach eigenen Worten Respekt ab. Weniger freundliche Worte richtet er an die sogenannten Aktivisten, die am Sonntag in die Tagebaue eindrangen. Apropos Aktivist: Mit diesem Wort könne Spelthahn im Zusammenhang mit Menschen, die andere Menschen verletzen, nichts anfangen. Dies habe für ihn nichts mit Aktivismus zu tun. „Es darf nie sein, dass Gewalt als Mittel zur politischen Auseinandersetzung genutzt wird“, sagte er.

15 Milliarden Euro sollen in den kommenden 20 Jahren in das Rheinische Revier fließen. Die Vertreter der Kommunen und Institutionen im Dorint machten keinen Hehl daraus, dass dieses Geld auch gebraucht wird. Man müsse nur schlüssige und gemeinsame Konzepte auf den Tisch legen, was angesichts der „enormen Komplexität“, wie es Landtagsabgeordenete Patricia Peill (CDU) formulierte, enorm schwierig sei. Was dazu erforderlich ist, zeigten die Teilnehmer der von Stephan Kaußen moderierten Podiumsdiskussion ‑ nämlich einen großen Schulterschluss: Neben Landrat Spelthahn waren dies Alexandra Landsberg von der Stabsstelle „Strukturwandel Rheinisches Revier“ am NRW-Wirtschaftsministerium, Ralph Sterck von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, Professorin Christiane Vaeßen vom Zweckverband Region Aachen und Reimar Molitor vom Verein „Region Köln/Bonn“.

Auf dem Podium saßen Reimar Molitor (v.l.), Alexandra Lausberg, Ralph Sterck, Christiane Vaeßen, Wolfgang Spelthahn und Moderator Stephan Kaußen. Foto: Patrick Nowicki

Zahlreiche Initiativen haben sich im Zuge des Strukturwandels gegründet. Dass die Indeland-Entwicklungsgesellschaft mit ihrem Fachbeitrag die Nase vorn hat, ist der Tatsache geschuldet, dass das Aus des Tagebaus Inden und des Kraftwerks Weisweiler im Jahr 2030 planmäßig verläuft. Erste Initiativen wurden vor 20 Jahren ergriffen und münden eben jetzt in den Beitrag, der von der Prognos AG zur Neuaufstellung des Regionalplans in Köln gefertigt wurde. Die vier Kernziele wurden schon vor Jahren formuliert und inzwischen konkretisiert.

Als Klammer dient die enge Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten in Aachen, Jülich und der Rheinschiene. „Wirtschaft und Wissenschaft müssen eine Brücke schlagen“, sagte Professor Harald Bolt vom Forschungszentrum Jülich und sprach davon, dass nun die große Chance bestehe, dass das Rheinische Revier Modellstandort werde. Dabei müsse der Strukturwandel dem Klimaschutz dienen. Auch Professor Bernhard Hoffschmidt vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt schlug in diese Kerbe: „Wir müssen Wege finden, die Investitionen in der Region zu halten.“ Dafür gebe der Fachbeitrag einige Möglichkeiten.

Das über 100 Seiten umfassende Werk liegt nun bei der Bezirksregierung in Köln, der Ball allerdings weiterhin in Düsseldorf und Berlin. Viele der Teilnehmer am Montag meinten, dass man auf die noch zu verabschiedenden Gesetze warte, damit die finanzielle Unterstützung gesichert sei. Verlässlichkeit und Orientierung seien wichtige Aspekte für die Betroffenen, teilte Indeland-Geschäftsführer Jens Bröker mit und betonte: „Die Sorge um eine gute Zukunft gehört nicht einem Einzelnen oder einer Gruppe, sie gehört uns allen!“

Mehr von Aachener Nachrichten