Düren: U3-Kinderbetreuung: Auflagen schwer zu erfüllen, Kosten hoch

Düren: U3-Kinderbetreuung: Auflagen schwer zu erfüllen, Kosten hoch

„Das ist nur zu schaffen, wenn sich alle Beteiligten gewaltig anstrengen”, sagt der Chef der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Düren, Johannes Veith.

Er ist einer der wenigen Dürener, die hinsichtlich der Kinderbetreuungsplätze den Durchblick haben. Das meint jedenfalls der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Thomas Floßdorf (CDU), und er hat wahrscheinlich Recht. Die Dürener Politiker, das Jugendamt, das Amt für Gebäudemanagement und die Träger von Kitas haben jedenfalls eine gewaltige Aufgabe zu meistern.

Ab 2013 haben alle Kinder, die ein Jahr und älter sind, einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Das müsste zu schaffen sein, könnte man meinen. Doch wer sich mit der Materie auskennt, dem kommen Zweifel.

Schon die Einrichtung der 120 Plätze für Düren in 2008 und die Zusage für 62 Plätze in 2009 sowie jetzt nachträglich für weitere 38 Plätze war alles andere als einfach. Zunächst schreibt das Landesjugendamt vor, wie die Räumlichkeiten auszusehen haben. Da müssen zusätzliche Gruppenräume her, außerdem ein Extra-Raum zum separaten Spielen, ein Mehrzweckraum für Bewegungsspiele muss vorhanden sein, und die vorgeschriebene Größe der Außenanlage ist einzuhalten.

Die ausgedehnten Bestimmungen der Hygiene mit zwölf Quadratmeter Sanitärbereich, Wickeltisch, Spezialduschen kommen noch hinzu. So ein Umbau, der 8000 bis 9000 Euro kostet, ist rein räumlich noch längst nicht für jede Kita möglich. Und: Kleine Kinder erfordern einen höheren Arbeitsaufwand als größere. Es muss also zusätzliches Personal eingestellt werden.

Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit: Es müssen bis 2013 immer zuerst die Kinder ab drei Jahren untergebracht werden, denn die haben einen Rechtsanspruch. U3-Kinder haben vorerst noch keinen Rechtsanspruch.

In Hoven beispielsweise, wo man zwei Gruppen mit U3-Kindern eingerichtet hatte, musste eine Gruppe wieder umgewandelt werden. Der Grund: Es hätten sonst nicht alle anspruchsberechtigten Kinder über drei einen Platz bekommen. „Eine Gruppe aufgelöst, aber jetzt sollen wir noch mal 38 Plätze zur Verfügung stellen”, seufzt Veith. Nicht einfach, zumal sich die katholische Kirche bei U3 derzeit sehr zurückhält.

Einen Segen, aber auch eine weitere Schwierigkeit stellt das Konjunkturprogramm II dar. An Zuschüssen von Bund und Land kommen da bis zu acht Millionen zusammen, die Düren für Schulen und Kitas ausgeben kann. Allerdings nur für Maßnahmen, die 2010, also nächstes Jahr, schon beginnen. „Es ist schwierig, und es muss auch noch sehr flott gehen”, sieht Veith erheblichen Umsetzungsdruck auf der Stadt lasten.

Viele hundert Seiten füllt das Konvolut, das die Bedingungen vom Konjunkturprogramm II beschreibt. Normalerweise würde man schon Wochen brauchen, um die Sache überhaupt in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen. Aber: Das Konjunkturprogramm will Arbeitsplätze schaffen, und zwar ziemlich schnell. Weil Beschlüsse bestimmte bürokratische Hürden nehmen, Ausschüsse und Ämter durchlaufen müssen, wird trotzdem alles viel Zeit brauchen.

Der Dürener Baudezernent hat schon verlauten lassen, er sehe lieber zwei, drei große Maßnahmen realisiert. Für viele Einzelmaßnahmen habe er sowieso kein Personal. Das empört den AWO-Chef, und er betont erneut, der Kraftakt sei zu meistern. Es müssten eben alle Beteiligten „eine enorme Anstrengung auf sich nehmen” und unbürokratisch und schnell Prioritäten festlegen. Und dann: „Wenn man uns drei, vier Millionen zur Verfügung stellt, fangen wir als AWO sofort an.”

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