TÜV sagt reihenweise Führerscheinprüfungen ab

Stau bei Führerscheinprüfungen : Mangelhaft: Fahrlehrer klagen über TÜV

Fahrlehrer geben dem TÜV mangelhafte Noten. Weil der TÜV Rheinland in Aachen – zuständig für die Städteregion und darüber hinaus bis Düren, Heinsberg und Schleiden – seit Monaten etliche Termine für Führerscheinprüfungen ausfallen lässt, hagelt es heftige Kritik.

Ralf Dovermann ist stinksauer. Der Aachener Bezirksvorsitzende des Fahrlehrerverbandes Nordrhein stellt dem TÜV ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Durchgefallen. „Seit sechs Monaten ist es richtig schlimm, im Sommer war es besonders dramatisch. Immer wieder fallen Fahrprüfungstermine aus“, sagt er. Seit 1987 ist er Fahrlehrer, schult Anfänger auf dem Mofa, Motorrad, im Auto, Lkw und Omnibus. „So dramatisch wie in letzter Zeit war es noch nie. Der TÜV hat zu wenig Fahrerlaubnisprüfer – das geht alles zu Lasten der Fahrschüler und damit der Fahrschulen“, ärgert sich Dovermann, der in seinem Bezirk für rund 150 Fahrschulunternehmer spricht.

Verschiebungen und Absagen

„Die Verschiebung von Terminen kam ja schon häufiger vor, aber in letzter Zeit häufen sich auch die Totalabsagen“, sagt der Bezirksvorsitzende. Teilweise seien die Zustände beim TÜV Rheinland an der Hubert-Wienen-Straße chaotisch: „Letzte Woche erschien ein Prüfer zwar zur geplanten Prüfung, wunderte sich dann aber, dass – wie vorher angemeldet – eine Busführerscheinprüfung anstand. Dafür hatte er gar keine Lizenz“, wundert sich Dovermann. Auch dieser Termin musste dann abgesagt und später nachgeholt werden. „Das ist für alle immer wieder ein riesiges Ärgernis. Die Prüflinge nehmen sich ja oft extra frei zu ihrem Prüfungstag, bereiten sich mental auf die Prüfungssituation vor, sind angespannt – das kommt dann alles nochmal von Neuem.“ Dovermann habe seine Beschwerden und die Kritik aus dem Kollegenkreis mehrfach bei der Leitung des Aachener TÜVs vorgetragen. Die Bürokräfte tun dort ihr Bestes, können nichts für die Ausfälle – bekommen aber den Frust der Fahrlehrer ab. Geändert habe sich unterdessen nichts. „Offenbar gibt es einfach zu wenig Prüfer, und der Krankenstand scheint enorm hoch zu sein“, erklärt der Fahrlehrer.

Seit 45 Jahre im Kreis Düren

Stefan Wessel ist mit seiner Fahrschule an verschiedenen Standorten im Kreis Düren seit 45 Jahren vertreten. Er sagt, dass das häufige Absagen oder Verschieben von Fahrprüfungen ein bundesweites Problem sei – und das schon seit Jahren. „Als Fahrschule muss ich die Zahl an Prüflingen, die ich einplane, dem TÜV für ein bestimmtes Datum verbindlich zusagen. Nicht selten kommt es vor, dass der TÜV dann kurzfristig die Prüftermine wieder absagt oder verschiebt“, berichtet Wessel. Das stelle auch seine Fahrschule vor wirtschaftliche Herausforderungen. Schließlich müsse er seine Schüler punktgenau auf die Prüfungen vorbereiten. „Absagen oder Terminverschiebungen erschweren enorm das Koordinieren von internen Terminen. Auch wir müssen gucken, wie wir unsere Fahrlehrer wann und wo einsetzen“, sagt er.

Dass er seinen Schülern absagen müsse, sei lange Zeit bei jeder dritten oder vierten Prüfung vorgekommen, mittlerweile sogar fast bei jeder zweiten. Nicht zuletzt betreffe das nicht nur die wirtschaftliche und materielle Seite, „sondern bedeutet vor allem für die Schüler psychischen Stress“, sagt der Fahrlehrer. Der Zustand verschlimmere sich im Moment immer mehr, bedauert er.

Indes ist die Fahrschule Jacobs mit mehreren Standorten im Kreis Düren noch nicht so stark betroffen. „Bislang wurden Fahrprüfungen nur um zwei bis drei Tage verschoben“, sagt Inhaber Bino Jacobs. Er befürchte aber, dass sich die Situation auch auf seinen Fahrschulbetrieb auswirken könne.

Krankenstand enorm hoch

Die Rheinland-TÜV-Zentrale in Köln bestätigt das auf Anfrage unserer Zeitung. Der Krankenstand unter den insgesamt 14 Prüfern am Standort Aachen sei „leider überdurchschnittlich hoch“, teilt Wolfgang Partz, TÜV-Sprecher für den Fachbereich Mobilität, mit. Man bemühe sich bei Ausfällen natürlich um zeitnahe Nachholtermine, bekräftigt er. Zudem versuche man, Prüfer aus anderen Bereichen als Ersatzleute zu gewinnen. Partz beziffert die Prüfungstotalausfälle auf etwa 40 bei insgesamt bislang 20.250 Prüfungen im Jahr 2018. Dies wären bereits 750 mehr als im Vorjahr und gut 3000 Prüfungen mehr als im Jahr 2014. Wobei die Durchfallquoten in Aachen für alle Klassen seitdem zwar von 21,9 auf 24,6 Prozent gestiegen seien – aber immer noch unter dem NRW-Landesdurchschnitt (35 Prozent) lägen. Allerdings bezieht sich der Landesdurchschnitt in der Regel auf Autoführerschein-Prüfungen.

Übt heftige Kritik am TÜV: Ralf Dovermann, Aachener Bezirksvorsitzender des Fahrlehrerverbandes, ärgert sich mit vielen Kollegen über häufige Absagen und Verschiebungen von Führerscheinprüfungen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Eine zusätzliche Stelle

Der TÜV will nun Abhilfe in Aachen schaffen. Zum Jahresende soll eine einzige zusätzliche Stelle für einen Prüfer geschaffen werden. Dovermann spricht angesichts der angeblich 40 ausgefallenen Prüfungen „von der Spitze des Eisbergs“. Die Situation sei dramatisch und müsse unbedingt verbessert werden. Dass nur der TÜV Führerscheinprüfungen abnehmen darf, findet der Bezirkschef der hiesigen Fahrlehrer trotzdem richtig. „Das garantiert eine hohe Qualität der Prüfungen und gleichbleibend hohe Standards“, sagt er. Aber dies müsse eben auch für die Terminwahrnehmung gelten.

Auch in anderen Bundesländern hatte der TÜV dieses Jahr bereits wegen Fahrprüfungsstaus und fehlerhafter Terminvorgaben viel Kritik einstecken müssen. Beim TÜV Süd in Stuttgart mussten zuletzt Fahrlehrer aus Bayern aushelfen, um den massiven Stau bei Führerscheinprüfungen abzubauen. Dort hatte eine neue Software zur internen Terminplanung „Anlaufschwierigkeiten“, hieß es. Und auch beim TÜV Nord, der in Westfalen die einzige Behörde ist, die Fahrprüfungen abnimmt, würden zeitweise etwa ein Drittel aller Prüfungen abgesagt oder verschoben, beklagen Fahrlehrer. Dort hat man die Situation aber inzwischen im Griff. Für Aachen gilt das nicht: Es gebe einfach zu wenig Fahrerlaubnisprüfer. Die Noten für den TÜV bleiben also bis auf weiteres schlecht. Nachprüfung folgt.

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