Kreis Düren: Trockenheit trifft besonders die Drover Heide hart

Kreis Düren : Trockenheit trifft besonders die Drover Heide hart

Um diese Jahreszeit strömen normalerweise die Pflanzenexperten in die Drover Heide, um die Zwergbinsen zu sehen, die zu Tausenden blühen. Die Pflanzenart ist eine „echte Rarität in NRW“, sagt René Mause von der Biologischen Station. „Die Drover Heide ist ein Eldorado.“ In diesem heißen Sommer ist sie das Gegenteil.

Warum die nächsten beiden Wochen entscheidend für die Natur sind, und was die Trockenheit sonst noch so für Folgen hat, erklärt René Mause im Gespräch mit Carsten Rose.

Gibt es auch Gewinner dieses extremen Sommers?

Mause: Wir haben Heuschrecken- und Libellenarten in den Dürener Parks und am Bahnhof festgestellt, die seit zehn bis 15 Jahren nicht mehr dort waren. Die sind aus dem Süden eingewandert, wie zum Beispiel die Feuerlibelle.

Ist das gut für die Natur?

Mause: Das müssen wir jetzt beobachten und dokumentieren. Noch wissen wir nicht, ob sie die heimischen Arten verdrängen oder eventuell für finanziellen Schaden sorgen. Jetzt können wir uns erst einmal daran erfreuen, dass die neuen Arten da sind. Gerade bei den Insekten ist die Liste sehr lang.

An der Drover Heide können Sie sich als Biologe momentan wohl kaum erfreuen.

Mause: Das stimmt. Das Bild ist erschreckend, so etwas habe ich noch nie gesehen. Große Flächen, die jetzt eigentlich lila erblühen sollten, sind braun. Am 1. Juni hat es mit 25 Litern pro Quadratmeter zum letzten Mal richtig geregnet. Danach kamen vereinzelt maximal fünf Liter runter, die bringen aber nichts.

Sind die Heidepflanzen also abgestorben?

Mause: Das kann man jetzt noch nicht sagen. Vieles wird sicher tot sein. Die nächsten beiden Wochen werden entscheidend sein, wenn es weiter so trocken bleibt. Und dann müssen wird den Herbst abwarten, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Der September und der Oktober können ja auch noch „golden“ werden, also trocken.

Befürchten Sie das Schlimmste, wenn Sie auf die Heide blicken?

Mause: Nein. Im Boden könnte noch alles in Ordnung sein, selbst wenn die Pflanze oben abstirbt oder tot wirkt. Es wird jetzt spannend zu beobachten, ob die Knospen austreiben oder nicht.

Wie pflegen Sie die Heide normalerweise? Und welchen Einfluss hat die Trockenheit darauf?

Mause: Wir haben 160 Hektar Heidelandschaft. Heidepflanzen sterben nach 15, 20 Jahren ab. Pro Jahr erneuern wir zehn Hektar, so dass wir jede einzelne der Flächen nach 15 Jahren wieder erreichen. Wenn jetzt zum Beispiel 30 Hektar absterben, ändert sich der Rhythmus.

Gibt‘s bei den Tieren Verlierer des Sommers?

Mause: Ja, die Kröten zum Beispiel. Im Mai und Juni war der Niederschlag zwar unter dem Durchschnitt, aber gut. Das hat sich positiv auf die Populationen der Frösche ausgewirkt. Alle Kleingewässer in der Drover Heide werden mit Regenwasser gespeist, jetzt sind aber nur noch zehn bis 20 der ursprünglich rund 700 Kleingewässer übrig. Kaulquappen brauchen Monate oder Jahre um sich zu entwickeln, und da die Gewässer eben ausgetrocknet sind, wird sich die Froschpopulation dieses Jahr nicht so entwickeln wie sonst.

Ist Ihnen noch etwas Besonderes in diesem Sommer aufgefallen?

Mause: Der gute Frühling hatte für eine gute Vegetation gesorgt. Bis zum Sommer war es daher ein gutes Jahr für die Schmetterlinge. Die Population des Kohlweißlings war groß, das war fast schon unfassbar. Jetzt sieht man aber nur noch extrem wenige Tagfalter — es ist alles etwas aus den Fugen geraten.

Woran liegt es, dass es die Drover Heide diesen Sommer besonders hart getroffen hat?

Mause: Die Zülpicher Börde liegt sehr niedrig und im Schatten der Eifel. Sie hat seit jeher den niedrigsten Niederschlagswert in ganz NRW. Dieses Jahr lag der Wert noch mal weit unter dem Schnitt.

Kann so ein Sommer das Ökosystem nachhaltig durcheinanderbringen?

Mause: Ein Sommer ist nicht so schlimm, die Natur kann sich erholen. Aber wenn es drei oder vier Jahre so bleibt, sieht es anders aus. Vielleicht ist so ein heißer Sommer auch mal ein Wachrüttler, damit die Politik mehr für den Umweltschutz tut. Früher musste man nicht zehn bis 30 Jahre in die Zukunft schauen, heute sollte man das schon.