Düren: Treffen für Kraftfahrer aller Art beim „Truck Stop“

Düren : Treffen für Kraftfahrer aller Art beim „Truck Stop“

Am Samstag treffen Im Großen Tal etliche Kraftfahrer auf Polizisten. An Autobahnen stößt das bei Kontrollen nicht immer auf Gegenliebe — morgen am Restaurant „Truck Stop“ in dem Gewerbegebiet dagegen umso mehr. Dann wird es nicht darum gehen, Papiere zu zeigen, Frachten zu checken und Bußgelder zu verteilen. Nein, es geht um den Dialog, eine bessere Zusammenarbeit, um Transparenz — und natürlich darum zu erklären, wo der Schuh drückt.

„Die Polizei soll viel mehr kontrollieren, vor allem bei den Ruhezeiten“ — es mag zunächst absurd klingen, aber so lautet der Wunsch von Lkw-Fahrern wie Wolfgang Schiffers, 58, und Armin Haas, 46. Schiffers gehört zu den Organisatoren des Kraftfahrerkreises Aachen-Düren. Das ist — wie der Name schon sagt — ein freiwilliger Zusammenschluss von Kraftfahrern, der jedes Vierteljahr ein Treffen wie morgen organisiert.

Es ist dann das siebte (10 bis 13 Uhr, Am Langen Graben 26, Düren). Eingeladen sind nicht nur Lkw-Fahrer, sondern ebenso Busfahrer und alle anderen Berufskraftfahrer, „einfach alle Kollegen auf der Straße“, sagt Schiffers, der aus Eschweiler kommt. Er rollt seit 16 Jahren mit einem 40-Tonner durch Deutschland, Armin Haas aus Merzenich seit 1989.

Der Grund, warum beide mehr Kontrollen fordern, liegt auch daran, dass sie eben schon so lange unterwegs sind. In den vergangenen Jahren hat sich viel geändert, sagen sie. „Den Fahrern sitzt die Zeit immer mehr im Nacken, und deswegen missachten viele die Ruhezeiten am Wochenende. Das macht den Straßenverkehr gefährlich“, betonen Schiffers und Haas, die selbst froh darüber sind, nicht für einen Großspediteur fahren zu müssen, sondern für einen kleineren Spediteur (Schiffers), beziehungsweise ein Unternehmen (Haas), das seine Ware selbst ausfährt. Beide Arbeitgeber kommen aus Düren.

Vergleicht man die Forderungen der beiden Kraftfahrer mit einer Domino-Reihe, dann ist der Wunsch nach mehr Kontrollen nur der erste Stein, der die Kettenreaktion auslösen soll. Mehr Kontrollen und mehr erfasste Verstöße sollen dazu führen, dass die Unternehmen ihre Geschäftspolitik überdenken. „Die Fahrer verstoßen doch nicht gegen die Ruhezeiten, weil sie es wollen“, sagt Schiffers deutlich.

„Sie machen es aus Zeitdruck. Die Lieferung soll schneller gehen, die Kosten aber sinken. Die Fahrer sind sprichwörtlich das fünfte Rad am Wagen.“ Fahrer sollten nach Ansicht von Schiffers und Haas von den Spediteuren öfter — gerade am Wochenende — nach Hause geschickt werden. Sie sollen nicht mehr wochenlang auf den Straßen verbringen. Haas bringt es auf den Punkt: „Das ganze Geschäft muss wieder menschlicher werden.“

Als ungerecht empfinden sie es, dass bei Verstößen gegen Ruhezeiten sowohl das Unternehmen (1000 Euro) als auch der Fahrer (500 Euro) Strafe zahlen müssen. In Belgien ist das anders, sagt Haas, dort wird nur das Unternehmen belangt, das in der Regel ja für den Zeitdruck verantwortlich sei. „In Deutschland sollte es auch so gehandhabt werden.“

Der Kraftfahrerkreis alleine ist ein zahnloser Tiger. Er kann Forderungen nennen, hat jedoch keinen Einfluss. „Wir können nur hoffen, dass sich Verdi um unsere Anliegen kümmert. Das ist die einzige Gewerkschaft für uns“, betont Schiffers.

Gutes Konzept nötig

Die Verkehrsführung an sich ist natürlich auch ein Thema für jeden Kraftfahrer. Mit Blick auf die im Bau befindlichen Dürener Ostumgehung B56n sagt Armin Haas, dass diese den Verkehr deutlich entlasten wird. Aber er schränkt direkt ein: „Die Stadt muss sich ein gutes Konzept überlegen, wie sie die auswärtigen Fahrer darauf vorbereitet.“ Denn aus Erfahrung weiß er: Ein Schild hilft in der Regel nicht, wenn das Navi etwas anderes vorgibt ...

„Solange Pakete nicht per E-Mail verschickt werden, gibt es keine Alternative“

Autobahnpolizist Tom Fiala aus Linnich nimmt regelmäßig an den Treffen des Kraftfahrerkreises Aachen-Düren teil, auch am Samstag. Aus mehreren Gründen betont er, warum diese Treffen immer wichtiger werden.

„Es geht vor allem um Transparenz, um die Zusammenarbeit zwischen den Kraftfahrern und Behörden wie uns, der Polizei“, sagt er. „Wir wollen auch immer über rechtliche Dinge aufklären. Wenn ein Lkw-Fahrer alle nötigen Papiere mitführen würde, müsste er seine Schlafkoje gegen eine Bibliothek tauschen — und gelesen hat er längst nicht alles.“

Kraftfahrerkreise seien für Fiala „wie eine Familie“. Eine, die immer wachsen wird: „Solange Pakete nicht per E-Mail verschickt werden, gibt es keine Alternative zu Lkw“, betont der Autobahnpolizist. „In Zeiten der Digitalisierung werden Lkw-Fahrer immer wichtiger.“ 120 Transportkilometer lege jeder Fahrer pro Tag und Einwohner zurück, zeigt Fiala auf.

Wenn der Polizistdarauf zu sprechen kommt, dass gefordert wird, mehr Güterverkehr von der Autobahn auf die Schiene zu legen, sagt er kopfschüttelnd: „Das klappt nicht. Wenn 50 Prozent mehr auf Schienen transportiert werden sollen, muss das Netz dafür um 100 Prozent ausgebaut werden.“ Er betont außerdem, dass Güterzüge im Fernverkehr im Schnitt sechs Kilometer pro Stunde zurücklegen würden — Lkw dagegen 57.