Düren: Treffen der Kraftfahrer: Ernster Dialog in lockerer Runde

Düren : Treffen der Kraftfahrer: Ernster Dialog in lockerer Runde

Schnell ist beim Treffen es Kraftfahrerkreises Aachen-Düren deutlich geworden: Die verkehrsrechtliche Lage in Deutschland und ein Personalmangel bei der Polizei führen zu erheblichen Missständen im Kraftverkehr.

Bei der vierteljährlichen Veranstaltung im Restaurant „Truck Stop“ (Gewerbegebiet Im Großen Tal) haben sich Lkw- und Busfahrer aus der Region sowie Vertreter der Polizei und des Bundesamts für Güterverkehr rege ausgetauscht. Diskutiert wurde über Bußgelder, Fahrzeugmanipulationen, Unfallursachen und Kontrollen.

Im kleinen Saal saßen mehr als ein Dutzend Personen an einem Tisch, die alle etwas gemeinsam haben: Sie arbeiten als Berufskraftfahrer, und sie sind unzufrieden mit den aktuellen Zuständen auf den deutschen Autobahnen. Ihnen gegenüber: Tom Fiala aus Linnich, Verkehrssicherheitsberater der Autobahnpolizei Köln und Hauptkommissar Johannes Holl, Leiter der Abteilung Schwerlastverkehr in Bensberg. Es war ein ernster Dialog, trotzdem von lockerer Natur — Organisator Wolfgang Schiffers hatte sich jedoch mehr Teilnehmer erhofft, lagen doch etliche weitere Anmeldungen im Vorhinein vor. Dennoch: Jeder brachte sich mit ein, stellte Fragen und berichtete von persönlichen Erlebnissen.

Für reichlich Diskussionsstoff sorgte vor allem das Thema Sicherheit. „Wir brauchen mehr Kontrollen“ lautet die allgemeine Meinung — sowohl von Polizei als auch von den Kraftfahrern. Nur durch vermehrte Fahrzeugkontrollen könne man die Sicherheit auf den Autobahnen erhöhen. Doch die Durchsetzung ist alles andere als einfach, berichteten die Experten der. „Es herrscht ein großer Mangel an Schwerlastkontrolleuren bei der Polizei. Diese Abteilung wurde über die Jahre hinweg kaputt gespart“, betonte Johannes Holl. Insbesondere versteckte Fahrzeugmanipulationen, die die Leistung von Fahrzeugen enorm erhöhen können, sorgen für reichlich Ärger. Holl: „Heutzutage sind Veränderungen an Soft- und Hardware für Laien kaum zu erkennen. Wir brauchen geschultes Personal.“

Wichtiger Punkt: Bußgelder

Ein weiterer Punkt der Veranstaltung: Bußgelder. Das Rechtssystem müsse nach Ansicht der Kraftfahrer in Bezug auf Strafen im Schwerlastverkehr deutlich überarbeitet werden. Die einzelnen Bußgelder seien „nicht verhältnismäßig“, und die Fahrer fordern generell härtere Strafen. So soll beispielsweise die Einhaltung der Ruhezeiten, ein Umdenken der Firmen und eine generell rücksichtsvollere Fahrweise der Fahrer gelingen. „In anderen Ländern ist man uns weit voraus: Für einen unabsichtlichen Überholverstoß im Ausland habe ich ein saftiges Bußgeld bekommen und musste den Führerschein abgeben“, erzählte Matthias Mertens aus Eschweiler, der die Kraftfahrertreffen mitorganisiert. Auch für die mittlerweile intensive Nutzung von Elektronik im Fahrzeug solle die Strafe härter ausfallen. „Ablenkung im Lkw durch Tablet-PCs, Smartphone und so weiter ist zurzeit die Hauptunfallursache“, betonte Tom Fiala von der Autobahnpolizei.

Auch wenn viele Fahrer mit der Vorgehensweise der Beamten auf der Autobahn nicht zufrieden seien, so waren sich die Anwesenden am Samstag in den meisten Punkten einig. „Ihre Kritik verstehen wir, doch meist sind uns die Hände gebunden. Es ist die Politik, die Veränderungen vornehmen muss“, reagierte Johannes Holl. Doch von den Politikern fühlten sich die Kraftfahrer eher ignoriert. Wolfgang Schiffers, Organisator des Treffens: „Auch Vertreter der Landesregierung waren eingeladen, leider ist jedoch niemand gekommen. Die Politik scheint uns nicht ernst zu nehmen.“ Auch Johannes Theodor, seit 30 Jahren Holztransporteur, bedauert die Zustände: „Die Kraftfahrerkreise existieren bundesweit, und es gibt auch Vertreter in der Gewerkschaft, doch der Einfluss ist gering. Nur mit Hilfe einer geschlossenen Fahrerschaft erreichen wir ein Umdenken der Politik.“

Das nächste Treffen ist am Samstag, 9. Juni, im „Truck Stop“.