Heimbach/Düren: Traumberuf Lokführer: Mit Manfred Wedler auf der Rurtalbahn

Heimbach/Düren: Traumberuf Lokführer: Mit Manfred Wedler auf der Rurtalbahn

Liest ein Lokführer während der Fahrt Bücher? Hört er Radio oder löst er gar Kreuzworträtsel? Nichts von alledem. Die Rurtalbahn ermöglichte es den „DN“, einmal im Führerhaus eines Regio-Shuttles auf der Strecke „Heimbach — Düren“ und wieder zurück mitzufahren und einen Lokführer zu begleiten.

Beim Regio-Shuttle handelt es sich um ein Gefährt, das an beiden Enden eine Führerkabine besitzt. 79 Sitzplätze und 40 Stehplätze stehen in einem derartigen Triebfahrzeug zur Verfügung. Leer wiegt es 45, voll besetzt rund 50 Tonnen.

Mit Zugführer Manfred Wedler waren die „DN“ in der Rurtalbahn unterwegs. Foto: Gudrun Klinkhammer

An einem Nachmittag geht es um 16.17 Uhr in Heimbach laut Fahrplan los. Lokführer Manfred Wedler geht zuvor auf dem Bahnsteig auf und ab. Er vertritt sich die Beine und schnappt frische Luft.

Immer wieder wirft er einen Blick auf seine Uhr, denn Pünktlichkeit steht weit oben auf der Prioritätenliste. An allererster Stelle steht allerdings die Sicherheit. Manfred Wedler: „Sicherheit geht vor Pünktlichkeit. Bei Nebel, Starkregen, Unwetter oder Schnee fahre ich auf Sicht und nicht auf Zeit.“

Neben derartigen Verzögerungen können auch Reisende die Fahrt in ein zeitliches Ungleichgewicht bringen. Steigt zum Beispiel eine ganze Wandergruppe auf einmal ein, dann wird die eingeplante Zeit für den Aufenthalt an einer Station auch schon mal ein wenig überschritten. Doch in der Regel passieren derartige Unregelmäßigkeiten auf der Strecke „Heimbach — Düren“ eher selten.

Manfred Wedler prüft jedes Mal, wenn der Zug die Richtung wechselt, zunächst die Bremsen. „Ohne eine solche Prüfung darf ich keinen Meter fahren“, sagt der Lokführer. Auf einem gefederten Sitz nimmt der 55-Jährige Platz und schlägt tatsächlich ein Buch vor sich auf. Es handelt sich um den „Buchfahrplan geschlossener Darstellung“, wie der Fachmann es nennt. Im Buchfahrplan steht alles exakt festgeschrieben, etwa auf welchem Teilstück welche Geschwindigkeit gefahren werden darf. Die Höchstgeschwindigkeit auf der idyllisch gelegenen Strecke „Heimbach — Düren“, die am Stausee Obermaubach und an der Burg Nideggen vorbeiführt, beträgt 70 Kilometer pro Stunde.

Manfred Wedler, der aus dem Harz stammt und seit zwölf Jahren in Hasenfeld lebt, geht seinem jetzigen Beruf seit acht Jahren nach. Ursprünglich ist er gelernter Uhrmachermeister, er sattelte aber um. Als Quereinsteiger absolvierte er zunächst eine neunmonatige Grundausbildung. Für jedes Triebfahrzeug ist eine eigene, weitere Schulung erforderlich.

Der Familienvater fährt nicht nur auf den beschaulichen Schienen der Eifel, sondern zwischenzeitlich auch immer mal wieder auf Strecken am Rhein und im Odenwald. Auf diesen Routen ist er dann mit bis zu 160 „Sachen“ unterwegs. Manfred Wedlers Gesicht strahlt, als er sagt: „Als Lokführer habe ich meinen Traumberuf gefunden. Diese Arbeit ist mein Ding.“

Wachsam heftet Manfred Wedler seine Augen während der Fahrt auf die Schienen, die Signale an der Strecke und die Displays in der Führerkabine. Auf den Displays kann er beispielsweise erkennen, ob alle Türen geschlossen sind oder ob jemand aussteigen möchte und den Bedarfsknopf gedrückt hat. Die Tätigkeit erinnert an Autofahren. Nur bewegt sich der Zug eben nicht wie ein Auto in einer Kolonne, sondern in einem meist grün eingerahmten Raum.

Was Manfred Wedler auf die Palme treibt, sind Menschen, die Regeln missachten. Was er erlebte: „Manche Leute wissen anscheinend nicht, was ein Andreaskreuz bedeutet. Die fahren einfach mit ihren Autos durch oder parken sogar an dieser Stelle auf den Schienen. So etwas habe ich alles schon während meines Dienstes erlebt.“ Wenn sich spielende Kinder an oder gar auf den Schienen befinden, wird von Lokführern sofort die Polizei verständigt. Unter dem Strich sind dies alles sehr gefährliche Situationen, denn der Bremsweg eines Zuges ist rund zehn Mal so lang wie der Bremsweg eines normalen Autos.

In seiner Freizeit sorgt Manfred Wedler für körperlichen Ausgleich zu seiner sitzenden Tätigkeit: Er beackert seinen großen Garten und betätigt sich als Heimwerker.