Düren: Trauerspaziergang: Neues Angebot für Trauernde

Düren: Trauerspaziergang: Neues Angebot für Trauernde

Trauer ist ein Thema, das Silke Strunk (48) und Edeltrud Behr (46) schon lange begleitet. Eigentlich ein Leben lang. „Im ganz persönlichen Bereich“, sagt Silke Strunk. „Und das war auch einer der Gründe, warum ich eine Zusatzausbildung zur Trauerbegleiterin gemacht hat.“

Eigentlich ist Silke Strunk von Beruf Sozialarbeiterin, Edeltrud Behr ist Sozialpädagogin und ebenfalls ausgebildete Trauerbegleiterin. Silke Strunk arbeitet bei der Evangelischen Gemeinde in Düren, Edeltrud Behr in der Jugendberufshilfe. Jetzt haben die beiden Frauen in ihrer Freizeit ein neues Angebot für trauernde Menschen in Düren entwickelt: den Trauerspaziergang.

„Ich wandere selbst gerne“, sagt Silke Strunk, „bin gerne in der Natur unterwegs. Und so ist die Idee zu dem Trauerspaziergang entstanden.“ Schnell war der Gedanke da, dass neue Angebot gemeinsam mit Edeltrud Behr umzusetzen. Darüber hinaus hat Strunk auch Kontakt zu Pfarrer Toni Straeten vom Verein Lebens- und Trauerhilfe aufgenommen. „Wenn es ein ähnliches Angebot schon gegeben hätte, hätten wir es nicht gemacht“, sagt Silke Strunk. „Aber der Trauerspaziergang ist für Düren absolut neu.“

Ziel ist es, Menschen, die trauern, weil sie eine wichtige Person verloren haben, ein unverbindliches und freiwilliges Angebot zu machen. „Wir sind keine feste Gruppe“, sagt Edeltrud Behr. „Und wir geben auch keine Themen vor, über die während des Spaziergangs gesprochen wird. Die Gesprächsthemen kommen vielmehr von unseren Teilnehmern.“ Trauern, sind sich die beiden Expertinnen einig, ist ein individueller Prozess, der bei jedem Menschen anderes verläuft. „Kinder“, sagt Edeltrud Behr, „trauern völlig anders als Erwachsene. Aber auch bei Erwachsenen verläuft die Zeit des Trauerns ganz verschieden.“ Manche würden schneller mit ihrer Trauer fertig, bei anderen sei der Verlustschmerz auch nach drei Jahren immer noch enorm hoch. Silke Strunk: „Und bei einigen bedeutet Trauer auch Wut. Zum Beispiel, weil der Partner plötzlich gestorben ist und seine Angelegenheiten nicht geregelt hat. Aber auch das ist in Ordnung.“ Alle diese Gefühle seien völlig normal. Und alle diese Gefühle können auch bei den Trauerspaziergängen zur Sprache kommen.

„Wir haben eigentlich nur drei Regeln“, sagt Edeltrud Behr: „Freiwilligkeit, Verschwiegenheit und Respekt gegenüber den anderen Menschen, die an dem Spaziergang teilnehmen.“ Im November hat der Trauerspaziergang schon einmal stattgefunden. Vier Frauen und ein Mann haben teilgenommen, die Resonanz für die beiden Trauerbegleiterinnen war durchaus positiv. Silke Strunk: „Die Menschen haben das Gefühl, dass sie mit ihren Gefühlen, ihren Sorgen und Ängsten nicht allein sind, sondern dass es andere gibt, die genauso denken und fühlen.“ Männer, dass wissen die beiden Frauen aus ihrer Arbeit in einem Trauercafé in Alsdorf und dem Verein „TrauBe“ in Köln, sind sehr häufig in solchen Gruppen unterrepräsentiert. Silke Strunk: „Ich glaube aber, dass es so ein unverbindliches und niederschwelligeres Angebot auch Männern einfacher macht,

Silke Strunk und Edeltrud Behr sehen sich nicht als Hauptansprechpartnerinnen für die Trauernden, die an dem Spaziergang teilnehmen. „Natürlich sind wir da“, sagt Edeltrud Behr. „Und wir sind auch jederzeit für die Menschen ansprechbar. Aber die Leute unterhalten sich natürlich auch untereinander. Und wer das Bedürfnis hat, kurz alleine zu sein, hat auch dazu während des Spazierengehens die Möglichkeit.“

Natürlich, auch das ist den beiden Frauen sehr wichtig, darf während des Spazierengehens auch gelacht werden. „Aber auch Tränen dürfen sein“, sagt Silke Strunk. „Es kommt auch darauf an, den Menschen zu zeigen, dass Trauer etwas vollkommen Normales ist. Und auf keinen Fall etwas, für das man sich schämen muss.“

Zu Beginn und zum Abschluss eines jeden Trauerspaziergangs gibt es ein Ritual. Silke Stunk: „Zum Beispiel eine Wahrnehmungsübung oder eine Meditation. Es ist einfach wichtig, dass die Leute erst einmal ankommen und ein bisschen Ruhe finden.“

Es ist Silke Strunk und Edeltrud Behr ein Anliegen, Menschen, die in Trauer sind, zu helfen. „Und ihnen ein bisschen Unterstützung zu geben“, so Silke Strunk. Für die beiden Trauerbegleiterinnen selbst ist ihre Arbeit „sehr berührend“. Silke Strunk: „Es gibt schon wirklich sehr schlimme Schicksale. Und manche Sachen nimmt man auch mit nach Hause. Aber es ist auch ein sehr schönes Gefühl, Menschen helfen zu können.“