Nideggen: Ton-Skulpturen im Nideggener Heimatmuseum

Nideggen: Ton-Skulpturen im Nideggener Heimatmuseum

Annelies Anton arbeitet mit Ton, einem der ältesten Materialien, die man für die Kunst verwendet. Sie stellt zur Zeit 14 Arbeiten im Nideggener Heimatmuseum Dürener Tor aus. Ihren minimalistischen Skulpturen stehen hier optimale Räumlichkeiten zur Verfügung, die die Klarheit und Expressivität im rechten Licht erscheinen lassen.

Gabriele C. Berndt, die in ihrer Eigenschaft als Präsidentin des Europäischen Zentralverbands Bildender Künstler und Literaten die Ausstellung eröffnete, wies auf die „Aufbautechnik” hin, die Annelies Anton verwendet; hierbei wird stetig Material hinzugefügt, die komplizierte Statik erfordert Konzentration.

In den Werken der Künstlerin erkennt sie eine Spannung zwischen naturbelassenem und bearbeitetem Ton. „Geglättete und aufgebrochene Oberfläche schließt nicht aus, dass beide Flächen harmonisieren”, meint Gabriele C. Berndt.

Zerrissenheit wird deutlich

Die Besucher der Vernissage ließen sich Zeit, die sorgsam ausgewählten und mit Bedacht aufgestellten Skulpturen zu betrachten. Schon wenn man von der Treppe zum Turm gelangt, fällt der Blick auf den gespaltenen Torso einer Frau: „Innerlich zerrissen” betitelt Annelies Anton diese Plastik.

Die innere Zerrissenheit wird hier in Form und Farbe deutlich: Die Tonfigur, eigentlich ein ästhetisch sehr schön geformter Körper, ist im oberen Teil längs durchgetrennt; die eine Hälfte hat eine glatte Oberfläche und zeigt rote Farbe, die andere Hälfte ist rau und fast schwarz.

Wie bei diesem Werk, so wird auch bei anderen Arbeiten die Stimmung der Künstlerin, ihr persönliches Empfinden in die Figur eingebracht. „Entspannung”, das ist beispielsweise eine sitzende Frau, die ihren Kopf auf das Knie legt, deren ganze Haltung das Entspanntsein zum Ausdruck bringt. Oder „Trotz”: Hier begegnet der Betrachter einem kecken (weiblichen) Wesen, das herausfordernd die Nase hochreckt, die Mundwinkel herunterzieht und mit verschränkten Armen seinen Unwillen ausdrückt.

„Wenn Entspannung und Trotz weiblich sind, dann ist Trost männlich”, meinte eine Besucherin. Tatsächlich ist es ein Mann, der die Frau tröstet: Bei dieser Skulptur sind zwei Wesen nahezu verschmolzen, die Frau lehnt sich an, und der Mann zeigt in seiner ganzen Haltung Hinwendung und Trost. Die weichen Linien des geglätteten Tons laden zum Berühren ein, erst zuletzt erkennt man die feinen Gesichtszüge des Mannes.

Bis Ostersonntag, 12. April, kann man die Ausstellung besuchen, sie ist samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. An den Wochenenden ist Annelies Anton anwesend und gern zum Dialog bereit.

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