Kreuzau: „Tillmann-Gottschalk-Orden”: Platt ist auch ein Stück Zuhause

Kreuzau: „Tillmann-Gottschalk-Orden”: Platt ist auch ein Stück Zuhause

„Unsere Muttersprache ist ein Stück unserer Geschichte, das soll man nicht vergessen. Wenn das verloren geht, geht auch unsere eigene Identität ein Stück weit verloren.” Kreuzaus Bürgermeister Walter Ramm liegt das kulturelle Leben in seiner Gemeinde und vor allem die Pflege der heimischen Mundart besonders am Herzen.

Als erster Bürger Kreuzaus scheut er sich nicht, da wo es angebracht ist, so manche Rede ganz oder teilweise in Muttersprache vorzutragen. Auch das eine oder andere Gedicht hat er in Mundart und mit viel Lokalkolorit verfasst.

Nicht zu vergessen seine Verdienste um die Pflege des Brauchtums Karneval: Seit 1999 ist die Schlüsselübergabe an den Kreuzauer Karnevalsprinzen im Rathaus alljährliche Tradition, bei den Veranstaltungen der KG „Ahle Schlupp” ist Ramm Stammgast, gehört dem Karnevalsverein seit 1990 als Mitglied an. Als Walter I. regierte der Bürgermeister die Kreuzauer Jecken unter dem Motto „De Welt dat es e Zirkuszelt - av höck, de Clown es ose Held” in der Session 2002/2003.

Bei all den Verdiensten Ramms ist es da fast schon verwunderlich, dass er bisher noch nicht zu den Trägern des Tillmann-Gottschalk Verdienstordens zählte. Elf mal war Ramm bereits bei der Ordensverleihung zum Zuschauen verdammt, bei der 12. Auflage fiel die Wahl des Ordenskuratoriums nun aber doch auf den Bürgermeister, eine folgerichtige Wahl wie Schluppe-Präsident Peter Kaptain nach Aufzählung der zahlreichen Verdienste Ramms um Mundart und Brauchtum befand.

Nur eine Sache legte Kaptain dem neuen Ordensträger nahe: „Macht doch mal ne Ratssitzung in Mundart”, forderte Kaptain den Bürgermeister sehr zur Belustigung des gut gefüllten Sitzungssaals auf, nachdem Ramm ihm quasi eine Steilvorlage geliefert hatte: „Wenn mir Platt kalle, jeht de Dür op on mir sin doheem”, hatte Ramm seine Erfahrungen im Kontakt mit den Bürgern seiner Gemeinde geschildert.

Kreuzaus Bürgermeister beerbt als Ordensträger Hans-Peter Acker, der im vergangenen Jahr den Wanderorden erhalten hatte und sich sichtbar schwer damit tat, diesen nun wieder abzugeben.

Walter Ramm weiß wieso: „Das ist ein Orden, der einfach ans Herz geht.” Als ihm die Entscheidung des Ordenskuratoriums mitgeteilt wurde, dass er neuer Träger des Tillmann-Gottschalk-Verdienstordens sein sollte, war er zunächst „richtig platt”. „Die Wahl hat mich sehr gefreut. Es ist eine Ehre für mich und erfüllt mich mit Stolz”, so Ramm. Schließlich sei der Tillmann-Gottschalk-Verdienstorden ja auch international bekannt: „Warum sonst sollten die Franzosen einen Zug nach ihm mit TGV benennen?”

Die Laudatio auf den neuen Ordensträger hielt „Ahle Schlupp”- Vizepräsident und Ehrensenator Willi Wink. „Os Brauchtum, Kultur, dat sehn me janz richtig, es Walter, Jott sei Dank, emme siehr wichtig”, führte Wink in Reimform aus. „Er kömmert sich öm vell hee em Land aan de Rur, wat ze dohn hät met Mundart, Brauchtum, Kultur.” Frei nach Heimatdichter Tillmann Gottschalk beendete Wink seine Laudatio mit den Worten: „Su es et - on doröm song ich hee dat Chanson - vive Walter on Krözau - de Grang Nation.

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