Theatergruppe "Ernas Erben" zeigt "Bretter, die den Tod bedeuten"

„Bretter, die den Tod bedeuten“ : „Ernas Erben“ bringen einen Mordsspaß auf die Bühne

Alexander Strong ist ein wichtigtuerischer Lackaffe, der sich selbst für den größten Schauspieler aller Zeiten hält. Eine Einschätzung, die seine Theaterkollegen nicht unbedingt teilen. Kaum verwunderlich, dass es nur wenig Bestürzung auslöst, als bei einer Probe der Pullover des Zampanos in einer Blutlache gefunden wird und Hauptdarsteller Strong (gespielt von Julius Stockheim) fortan als vermisst gilt.

Geprobt wird weiter, die Zweitbesetzung (Patrick Fenske) springt ein. Kurzum: The show must go on. Der Premiere des neuen Sherlock-Holmes-Stücks steht eigentlich nur noch die Ermittlung des verplanten Inspektors Golly (Caspar Gottschalk) und seiner zum Glück wesentlich aufgeweckteren Assistentin Katy (Mira Cristoffels) im Weg. „Bühne frei!“ für „Ernas Erben“ im Schloss Burgau.

Die Premiere von „Bretter, die den Tod bedeuten“ am Sonntagabend war ein Mordsspaß, der vor allem von der temporeichen Dramaturgie des Stücks und der ungebremsten Spielfreude der jungen Darsteller lebte. Der Jugendclub des Theaters Düren unter Leitung der Theaterpädagogin Marion Kaeseler hatte sich eine Kriminalkomödie von Jessica Casties ausgesucht und seit Anfang des Jahres eifrig geprobt. Zu „Ernas Erben“ zählen theaterbegeisterte Schüler ebenso wie ehemalige Dürener Schüler, die mittlerweile in Aachen oder Bonn studieren und zu den Proben regelmäßig nach Düren reisen. Der Name des aktuell fast 20-köpfigen Ensembles ist eine Hommage an die letzte Intendantin des alten Dürener Stadttheaters, Erna Schiefenbusch.

„Bretter, die den Tod bedeuten“ inszeniert eine Bühnenprobe, es ist ein Stück im Stück mit Schauspielern, die alle eine Rolle haben und deren wahre Gesichter und Beweggründe nur schwer zu durchschauen sind. Szene für Szene, Probe für Probe entwickeln sich beide Handlungen weiter: Die des Sherlock-Holmes-Stückes ebenso wie die Mordermittlung der Polizei.

Abgerundet wird alles von einer kräftigen Portion Situationskomik und einem chaotischen Schauspielertrupp, bei dem alle Charaktere ihre kapriziösen Angewohnheiten ohne Rücksicht auf Verluste ausleben. Es bleibt spannend – von der ersten bis zur letzten Sekunde. Mordverdächtige gibt es jedenfalls genug: Sei es die von der Unzuverlässigkeit des Hauptdarstellers genervte Regisseurin, die schon im Eifer des Gefechts die Kaffeemaschine mit einer Tasse erschlagen hat, oder die Ex-Geliebte des Opfers, die ihrerseits auf der Bühne nur noch eine hinterrücks ermordete Leiche spielt.

Die Auflösung beider Handlungsstränge wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel sei verraten: Auch auf den letzten Metern gibt es noch einige spannende Wendungen. Am besten ist es, sich das Stück gleich selbst anzuschauen. Am Sonntag, 7. Juli, Dienstag, 9. Juli, und Mittwoch, 10. Juli, besteht dazu jeweils ab 20 Uhr auf Schloss Burgau die Möglichkeit. Karten kosten sechs Euro (ermäßigt drei Euro). Es darf gelacht werden. Bei der Premiere am Sonntag jedenfalls war die Stimmung heiter bis mörderisch, eine reife Leistung für ein noch junges Ensemble.

(sj)
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