Stockheim: Theatergruppe „Bösche Maar“: Opa Hubert will´s noch einmal wissen

Stockheim : Theatergruppe „Bösche Maar“: Opa Hubert will´s noch einmal wissen

Was sich ein Verstorbener zwei lange Wochen schwebend auf seinem Himmelssitz so anschauen muss, ist voller Humor und auch mit einer Prise Schadenfreude gewürzt. Die Stockheimer Theatergruppe „Bösche Maar“ hat das Stück „Das Testament“ auf die Bühne der Alten Kirche gebracht.

Einige Leute haben nach dem Tod des Landwirtes Wilhelm Claßen Briefe bekommen. Der Inhalt bringt sie ins Träumen. Besonders intensiv träumen die älteren Damen Frau Hauf aus Wölleschem (Christel Joentgen) und Billa Ramacher aus Frangem (Iris Dohmen) von der großen Erbschaft. Schon bald lassen sie sich geräuschvoll auf dem Hof nieder, um die Testamentseröffnung nur nicht zu verpassen.

Die Damen haben vor langer Zeit Wilhelm Claßen einen „Korb gegeben“. Doch auch Verwalter Winand (Matthias Meyer), die Tochter Therese (Susanne Joentgen) und Jungknecht Jupp (Marc Dohmen) haben gleichlautende Briefe bekommen mit der Maßgabe, sich zur Testamentseröffnung einzufinden. Die 14 Tage sind eine Tortur. Die beiden Damen setzen alle ihre „Waffen“ ein, sich Verwalter Winand hörig zu machen.

Im Mehrgenerationenhaus

Das zweite Stück „Der Stammhalter“ spielt in einem Mehrgenerationenhaus in Stockheim. In der Familie leben Opa Hubert Kranz (Karl-Josef Fuß), sein Sohn Werner (Stefan Fuß), Schwiegertochter Heidi (Steffi Meyer-Fuß), sowie deren Tochter Petra (Lara Fuß).

Immer wieder zu unangemeldeten Besuchen tauchen auf ihren Raubzügen Willi Kranz (Rudi Linden) und seine Frau Berta (Monika Poll). Berta Kranz ist krankhaft neugierig, lässt nach Begräbnissen Schalen mit Briefchen mitgehen, in denen sie dann nicht ganz zu Unrecht Geld vermutet. Opa Kranz möchte es noch „einmal wissen“. Mit Schwangerschaftsgymnastik versucht er sich für die Begegnung mit der unbekannten Frau am „Decke Boom“ fit zu machen. Lisa aus Ahrweiler (Sabine Joentgen) taucht mit einem Baby auf und identifiziert dessen Erzeuger.

Das letzte kleine Stück heißt „Der verlorene Schlüssel“. Es ist das kürzeste der präsentierten Werke. In einem Akt stellen Billa (Katja Schlösser) und Jupp (Karl-Willy Joentgen) fest, dass ihre Reisepässe fehlen. Immerhin ein großes Hindernis, wenn man nach Hawaii fliegen möchte. Von der alten Geldkassette, in der die Pässe vermutlich liegen, fehlt der Schlüssel. Als letzter hat der verstorbene Opa Franz den Schlüssel der Kassette benutzt. Aufregung und Tohuwabohu sind vorprogrammiert. Alle müssen suchen. Sogar Wahrsagerin Miralda (Gerda Lüttgen) wird eingeschaltet.

Die Schauspieler der Theatergruppe sind aus vielen Gründen besonders. Die Akteure auf der Bühne sprechen das breiteste Dürener Platt, das an vielen Stellen schon nicht mehr von allen Besuchern verstanden wird. Wie viele andere Theatervereine pflegen die Macher die Mundart und erhalten sie damit ein Stück weit am Leben.

Die Lacher der Menschen auf den 120 Stühlen sind den Darstellern sicher. Das oft skurrile Outfit animiert zu weiteren Lachtränen. Zugute kommt den Vorstellungen natürlich auch, dass man sich kennt. Zu „Bösche Maar“ kommen viele Verwandte, Freunde und Bekannte. Allein schon ein Familienmitglied in antiker Nachtkleidung zu sehen, stiftet viele zum Spontanapplaus und zu Lachsalven an.

Die Schauspieltruppe hat keinen Leiter, keinen Regisseur, nur ihren Vorsitzenden Karl-Willi Joentgen.

Sabine Joentgen verrät Einiges über die Arbeit des Ensembles im Vorfeld. „Wir treffen uns“, sagt sie, „suchen Stücke aus und dann kann jeder seine Ideen einbringen.“ Die Texte werden umgeschrieben und so dem Örtchen Stockheim und seinen Gegebenheiten angepasst.