Düren: Teppichhersteller Anker steht vor weiterem Stellenabbau

Düren: Teppichhersteller Anker steht vor weiterem Stellenabbau

Beim traditionsreichen Dürener Teppichbodenhersteller Anker Gebr. Schoeller GmbH + Co. KG droht weiterer Stellenabbau. Nachdem sich das Unternehmen bereits im November von 29 Mitarbeitern trennen musste, stehen nun weitere der aktuell noch 250 Arbeitsplätze im Dürener Stammwerk zur Disposition.

Anker-Teppiche hat immer noch mit den Folgen des Verlusts des wichtigsten Kunden im Luftfahrtgeschäft zu kämpfen, dem zweiten großen Standbein des Teppichbodenherstellers neben der Ausstattung von Großimmobilien.

„Der Verlust der Airline hat uns durchgerüttelt und vor allem unsere Weberei hart getroffen“, räumte Geschäftsführer Gerd Hoffe auf Nachfrage ohne Umschweife ein. Nicht nur, dass der Umsatz 2017 mit 48 Millionen Euro hinter dem gesteckten Ziel blieb, das Unternehmen rutschte auch tief in die roten Zahlen, ohne dass Hoffe konkrete Angaben nennen will.

Umsatz liegt 2018 im Plan

Klare Vorgabe des Unternehmensbeirates an die Geschäftsführung für 2018 ist eine schwarze Null. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Restrukturierung nun konsequent fortgesetzt werden, betonte Hoffe, auch wenn der Umsatz im laufenden Jahr im Plan, das Objektgeschäft im Inland sogar leicht im Plus liege. Auch habe man drei neue Fluggesellschaften gewonnen, die aber bei Weitem nicht den verlorenen Großkunden ersetzen könnten.

Der Geschäftsführer bedauert, dass eine mit dem Betriebsrat und der IG Metall in monatelangen Gesprächen erarbeitete Sanierungsvereinbarung Ende Mai am Votum der Gewerkschaftsmitglieder in Reihen der Belegschaft denkbar knapp mit einer Stimme gescheitert sei.

Wie Gewerkschaftssekretär Volker Kohlisch gegenüber unserer Zeitung erklärte, hätte die Vereinbarung finanzielle Einbußen bei Sonderzahlungen beinhaltet, im Gegenzug aber auch eine Beschäftigungssicherung.

„Wir müssen nun die notwendigen Kostensenkungen mit weiteren Personaleinsparungen und Effizienzsteigerungen umsetzen, kündigte Hoffe an. Ohne personelle Anpassungen sei die schwarze Null nicht zu schaffen. In welchem Umfang Stellen abgebaut werden und in welchen Bereichen, stehe aber noch nicht fest, versicherte der Geschäftsführer. Fakt ist lediglich: Im Sommer werden keine Auszubildenden übernommen. „Auch werden wir alle außertariflichen Betriebsvereinbarungen auf den Prüfstand stellen“, gab Hoffe bekannt.

An den Verhandlungstisch zurückkehren

„Wir haben seit Ende Mai nichts mehr gehört und warten jetzt auf Vorschläge der Geschäftsführung“, betonte Kohlisch. Dabei machte er deutlich, dass die IG Metall auch bereit sei, noch einmal an den Verhandlungstisch zurückzukehren und über eine neue „Sanierungsvereinbarung zu sprechen“, die dann allerdings anders aussehen müsse, als die vor gut zwei Wochen „sicherlich auch aus emotionalen Gründen“ abgelehnte.

„Für die Wettbewerbsfähigkeit von Anker ist es wesentlich, dass wir den Spagat hinbekommen zwischen kostensenkenden Maßnahmen und der gleichzeitigen wachstumsorientierten Ausrichtung des Unternehmens“, unterstrich Gerd Hoffe. „Der Prozess wird uns viel abverlangen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das Unternehmen wieder auf einen profitablen Wachstumskurs bekommen.“

Der Geschäftsführer setzt große Hoffnungen in neue Produkte, die nach „erfreulichen Marktreaktionen in der kommenden Woche europaweit eingeführt werden“. Dabei handelt es sich um neue, modulare Teppichfliesen-Kollektionen. Die Anker-Klassiker Perlons Rips und Aera können nun mit einem neuen Verfahren so genau geschnitten werden, dass bei farbgleicher Verlegung keine Nahtstellen mehr erkennbar sind. Allein in dieses sogenannte Microcut-Verfahren hat Anker im vergangenen Jahr rund eine Million Euro investiert. Angesichts dreier verschiedener Maße, zahlreicher Farbvarianten und einem möglichen Mix der Oberflächenstrukturen können die Fliesen auch individuell kombiniert werden.

Mit dem zweiten Produkt will Anker den Kampf gegen die boomenden Bodenfliesen aus PVC aufnehmen, die Naturmaterialien wie Holz und Stein nachahmen. Die ebenfalls in drei Größen angebotenen Fliesen haben eine 100 Prozent textile Oberfläche, erklärte Hoffe, sie seien komplett recyclingfähig, frei von PVC, Weichmachern, Latex und Bitumen. Ursprünglich für die Luftfahrt konzipiert, hat Anker den Bodenbelag jetzt für das Immobiliengeschäft weiterentwickelt.