„tanzwärts“ geht in die vierte Runde: Tanztheater, das unter die Haut geht

„tanzwärts“ geht in die vierte Runde : Tanztheater, das unter die Haut geht

Es geht ums Älterwerden, um Zeit und Vergänglichkeit. Vor allem geht es aber darum, Menschen zusammen zu bringen, die sich sonst vermutlich nie getroffen hätten. Es geht um Gemeinschaft, ein gemeinsames Ziel, Disziplin und Einsatz. Und ganz nebenbei ist „tanzwärts“, das „Community-Tanzprojekt“, das vor vier Jahren in Düren begonnen hat, auch noch integrativ, inklusiv und intergenerativ.

Junge, Alte, Behinerte, Nicht-Behinderte, Flüchtlinge und alt-eingesessene Dürener sind mit von der Partie. Vor allem macht „tanzwärts“ aber Teilnehmern wie Publikum einfach jede Menge Spaß. Das Prinzip von „tanzwärts“ ist schnell erklärt: 80 Dürener zwischen acht und 80 Jahren trainieren mit ausgebildeten Tänzern und Choreographen sieben Wochen lang, fünfmal in der Woche. Sie wollen ein Stück Kunst schaffen, setzen sich tänzerisch mit dem Thema „As time goes by“ (Wie die Zeit vergeht) auseinander und präsentieren am Ende an drei Abenden im Haus der Stadt in Düren Tanztheater, das unter die Haut geht.

Natürlich sieht man bei der Aufführung sofort, dass da keine Profi-Tänzer auf der Bühne stehen. Und es ist auch richtig, dass sich viele Bewegungen immer wiederholen. Aber es waren eben vor allem nicht tänzerische Höchstleistungen, sondern die vielen berührenden Momente, die „tanzwärts“ ausgemacht haben. Momente, wie der, als ein kleines Mädchen einer alten Dame liebevoll über den Kopf streicht, oder der, als ein älterer Mann mit einem überdimensionalen Teddybär tanzt.

Es ist dem künstlerischen Leiter von „tanzwärts“, Dirk Kazmierczak, und den Choreographen Ronja Nadler und Hsuan Cheng Floth gelungen, die Teilnehmer an ihre Grenzen zu führen, und mit vielen, zum Teil sehr emotionalen Bildern das Thema Vergänglichkeit tänzerisch umzusetzen – immer unterstützt von einer Videoprojektion und der passenden Musik. Rieselnder Sand am Rande der Bühne sorgte zusätzlich dafür, dass man niemals vergessen konnte, was das Thema des Abends ist.

Vergeuden wir Zeit?

Was ist Zeit und wie gehen wir mit ihr um? Sparen wir Zeit oder vergeuden wir sie? Vergeht sie langsamer, wenn man noch ganz jung ist? Können wir die Zeit anhalten? Diese und andere Fragen haben die Tänzer versucht zu beantworten. Und auch, wenn es auf keine dieser Fragen die eine richtige Antwort gibt, ist es den „tanzwärts“-Teilnehmern doch gelungen, zumindest einen Denkanstoß zu geben.

Besonders begeistert haben die Jungen und Mädchen der Grundschule St. Joachim in Nord-Düren. Von Anfang an ist die Schule Kooperationspartner von „tanzwärts“, und es war schön zu sehen, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Disziplin, aber vor allem auch mit viel Freunde aus den Dritt- und Viertklässlern Tänzer wurden. Nach 70 Minuten Tanztheater gab es für die Teilnehmer des Projektes, genau wie für die Choreographen, aber auch für Kostüm- und Bühnenbildner André Buch, sowie Stefanie und Dieter Powitz und Givara Osman, ohne die die Organisation von „tanzwärts“ nicht möglich wäre, jede Menge Applaus – und einen letzten berührenden Moment für diesen Abend: Stolz, Freude und ein Stückchen Dankbarkeit in den Augen der Tänzer.

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