Merzenich: „Take off reloaded“: Big-Band-Feeling vom Allerfeinsten

Merzenich : „Take off reloaded“: Big-Band-Feeling vom Allerfeinsten

Es war das Jahr, als Helmut Kohl zum ersten Mal Bundeskanzler wurde, als Tausende in Bonn gegen den Nato-Doppelbeschluss demonstrierten, der Hamburger Sportverein Deutscher Fußballmeister wurde — und das Jahr, in dem in Düren eine Big Band gegründet wurde, die ziemlich lange von sich reden machen sollte: „Take off“.

Am Samstagabend — zum 35. Band-Geburtstag und 18 Jahre nach ihrer Auflösung — standen Orchestergründer Renold Quade und 24 „seiner“ Musiker von einst erneut auf der Bühne. „Take off reloaded“ war der Abend überschrieben, das Konzert war innerhalb von vier Tagen ausverkauft. Und 500 Menschen aller Altersgruppen erlebten in der Merzenicher Weinberghalle zweieinhalb Stunden Big-Band-Feeling vom Allerfeinsten. „Die Band ist glücklich“, sagte Renold Quade nach dem Konzert. „Unsere Erwartungen wurden weit mehr als erfüllt. Es war einfach toll.“

Trompeter Jochen Robertz hatte die Idee zu einem Revival der Band, und es ist ihm nicht schwergefallen, Quade und seine Musikerkollegen von einst zum Mitmachen zu bewegen. Die „Take offler“ leben heute in der ganzen Welt verstreut, etliche sind Profimusiker geworden, andere haben aber auch ganz normale Berufe, sind Lehrer, Radioredakteur und Bürgermeister. Trotzdem haben fast alle spontan zugesagt, mitzumachen.

Und dass sogar Wolfgang Undorf, der heute in Schweden lebt, und Richard Hellenthal, der mit Künstlern wie „Fanta 4“, Heino und Tom Gaebel auf der Bühne steht, trotz weiter Anreise und überfülltem Terminkalender am Samstag in Merzenich waren, zeigt, welchen Stellenwert „Take off“ damals wie heute für die Musiker hat. Aber nicht nur auf der Bühne gab es offensichtlich eine Art Familientreffen, auch im Publikum war eine Menge Wiedersehensfreude zu spüren. Um es kurz zu machen: Die „Take off“-Familie hat sich wiedergetroffen — auf und vor der Bühne.

Große Bandbreite

Natürlich stand die Musik am Samstag im Mittelpunkt und die ließ — wie immer bei „Take off“ — eigentlich keine Wünsche offen. Die Bandbreite der Band ist groß, und das war sie immer schon. Wer heute an die Hochzeit von „Take off“ denkt, der denkt gleichermaßen an Auftritte auf dem Dürener Stadtfest und höchst anspruchsvolle Konzerte in der Stadthalle. Mit Titeln wie „The Queen Bee“ und „Switch in Time“ begab sich die Band in die swingende Welt von Count Basie, mit „Spain“ und „Meditation“ gab es lateinamerikanische Klänge, und richtig rockig wurde es mit „Honesty“, „Sister“ und „I Am What I Am“.

Irgendwie hatte man das Gefühl, als sei „Take off“ nie weg gewesen. Jedenfalls klappte das Zusammenspiel auf musikalisch sehr hohem Niveau tadellos. Und die Freude an ihrem Bandrevival war den Musikern deutlich anzumerken. Schön, dass auch die „Take off-Voices“, also die Stimmen der Band mit Claudia Maintz, Birgit Dopichay, Dorit Horch und Manfred Billmann mit von der Partie waren und noch einmal für eine ganz besondere Stimmung sorgten. Apropos Stimmung: Befürchtungen, dass die doch sehr nichtssagende und vor allen Dingen zweckmäßige Weinberghalle vielleicht nicht der geeignete Rahmen für ein Big Band-Konzert war, waren ziemlich schnell aus der Welt geräumt.

Die Musik war so mitreißend und stimmungsgeladen, dass der Konzertsaal absolut zur Nebensache wurde. Für die Band war der Saal perfekt, und warum „Take off reloaded“ ausgerechnet in Merzenich stattfand, ist auch schnell erklärt: Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) ist „Take off“-Trompeter und die Größe der Halle war einfach ideal. Jochen Robertz: „Ein Club wäre zu klein gewesen, weil die Band schon so groß ist. Und an die Köln Arena haben wir uns nicht rangetraut.“

Zwei Zugaben

Am Ende eines tollen Konzertes gab es bei den Zuschauern kein Halten mehr: Kaum war der letzte Ton von „John Browns Other Body“ verklungen, gab es tosenden Beifall von 500 Menschen, von denen keiner mehr auf seinem Stuhl saß. Klar, dass „Take off“ sich mit zwei echten Big-Band-Klassikern, nämlich „New York, New York“ und „In The Mood“ verabschiedete. Hoffentlich bis zum nächsten Mal. Angemerkt

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