Morschenich: Tagebau: Verlust der Heimat ist schmerzlich

Morschenich: Tagebau: Verlust der Heimat ist schmerzlich

Vermutlich im Jahr 2024 wird der kleine Ort Morschenich buchstäblich vom Erdboden verschwinden. Lange vorher schon verlassen die jetzigen Bewohner das Dorf, um sich eine neue Heimat zu schaffen. Die meisten werden in das „neue” Morschenich umsiedeln, das östlich von Merzenich im Bereich „Zwischen den Höfen” entsteht.

Mitte nächsten Jahres werden dort die ersten Häuser gebaut. Wir lebt es sich in einem sterbenden Dorf? Welche Erwartungen haben Umsiedler? Die „DN” sprachen darüber mit drei betroffenen Ur-Morschenichern: Bernd Servos (41 Jahre), dessen Mutter Trudemie (64) und dem Vetter Joachim Welsch (33).

„Der Gedanke, die Heimat verlassen zu müssen, tut schon weh”, sagt Bernd Servos, der in Morschenich aufgewachsen ist, und jetzt (wieder) im Elternhaus lebt, das er vor Jahren aufwändig saniert hat. „Bei jedem Fest im Ort denkt man: Es ist eines der letzten in der gewohnten Umgebung”.

Trudemie Servos, die mit ihrem Ehemann ein Stück weiter in einem kleineren Haus lebt: „Der Verlust der Heimat wird schmerzlich. Das ist so endgültig. Ich werde in ein paar Jahren nie wieder zurückkehren können an den Ort, in dem ich aufgewachsen bin und eine schöne Kindheit hatte. Das ist schon etwas ganz anderes als freiwillig wegzuziehen”.

Joachim Welsch ist der Sohn von Trudemie Servos Bruder. Er wohnt im Haus neben dem Elternhaus von Bernd Servos. Auch er lebt seit seiner Kindheit in Morschenich und würde hier bleiben, wenn das möglich wäre. Der 33-Jährige: „Seit ich denken kann, weiß ich natürlich, welches Schicksal meinem Heimatort bestimmt ist. Erst seit die konkreten Planungen für die Umsiedlung begonnen haben, denke ich darüber häufiger nach. Es geht jetzt halt schnell auf den Tag X zu.”

Die Drei aus einer Familie schätzen die dörfliche Struktur von Morschenich. Trudemie Servos: „Hier halten die Menschen mehr zusammen als in der Stadt.” Es gibt viele Vereine in dem kleinen Ort. Alleine in der Schützenbruderschaft sind rund 130 der etwa über 500 Dorfbewohner Mitglied. Man kennt sich und man schätzt sich.

„Für die Hinzugezogenen gilt das natürlich weniger”, sagt Bernd Servos, der hofft, dass sich im „neuen” Morschenich viel von dem bisherigen Gemeinschaftsgeist wiederfindet. „Das ist natürlich nur bei einer möglichst geschlossenen Umsiedlung zu erwarten. Vieles deutet zum Glück darauf hin, dass dies gelingt. Bisher sind entsprechende Aussagen natürlich noch unverbindlich”.

Die Familien Servos und Welsch sind in jedem Fall dabei. Im Kleinen wollen sie ebenfalls geschlossen umsiedeln - in nebeneinander liegende Häuser mit schönen Gärten. Trudemie Servos: „Der familiäre Zusammenhalt ist für mich sehr wichtig. Wir sind nicht mehr die Jüngsten und alleine können wir denNeuanfang kaum schafffen.” Im „alten” Morschenich gibt es viel Grün - hinter den Häusern und ringsum. Das soll am Umsiedlungsstandort genau so sein.

Mit dem bisherigen Ablauf der Planung und insbesondere mit der Bürgerbeteiligung zeigen sich die Gesprächspartner zufrieden. Bernd Servos, der dem im Zusammenhang mit der Umsiedlung ins Leben gerufenen Bürgerbeirat angehört: „Das ganze Verfahren ist sehr transparent. Über jeden einzelnen Schritt werden die Morschenicher eingehend informiert und die Mitsprachemöglichkeiten sind vielfältig.”

Wird die Umsiedlung auch Vorteile mit sich bringen? Bernd Servos: „Es ist schon schön, dass wir neue Häuser mit moderner Technik bekommen. Und auch in Sachen Infrastruktur wird sich sicher einiges verbessern”. Zwischen dem Umsiedlungsstandort und dem Zentralort Merzenich soll am Ürlingsweg ein Projekt mit betreutem Wohnen und einem Geschäftszentrum verwirklicht werden. Vor allem Letzteres freut Trudemie Servos: „Dann haben wir es nicht mehr so weit zum Einkaufen”.

Mehr von Aachener Nachrichten