Tagebau Hambach: L264 fünf Stunden lang blockiert

Streit um Braunkohleabbau : RWEler blockieren die Zufahrt zum Tagebau Hambach

Lautes Sirenengeheul, immer wieder unterbrochen vom Schlachtruf „Der Hambi muss weg“: Auf der Zufahrt zum Tagebau Hambach geht am frühen Montagmorgen nichts mehr. Hunderte Beschäftigte von RWE Power haben zwischen 5 und 10 Uhr die Tagebaurandstraße (L264) und mehrere Verbindungsstraßen blockiert.

Seit das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) vor zehn Tagen den Rodungsstopp im Rest des Hambacher Forstes verhängt hat, geht unter den Bergleuten die nackte Angst um. Angst um den Arbeitsplatz, die am Wochenende von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz noch geschürt wurde. Weil die Kohleförderung im Tagebau Hambach infolge des OVG-Urteils nun um zehn bis 15 Millionen Tonnen im Jahr gesenkt werden soll, seien selbst betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr auszuschließen, hatte Schmitz auch gegenüber dieser Zeitung betont.

Heftige Kritik richteten die Bergleute an die Grünen, unter anderem an den Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer. Foto: zva/Jörg Abels

„Ursprünglich wollten wir nur mit einer Mahnwache auf dem Betriebsgelände auf unsere Situation aufmerksam machen“, berichtete Bernd Pfennings, Betriebsrat im Tagebau Hambach. Weil aber am Wochenende erneut Aktivisten in den Tagebau eingedrungen waren, entschlossen sich die RWEler spontan, ein deutlich sichtbareres Zeichen zu setzen. „Wir erwarten, dass die Politik und auch die Gerichte endlich die Leitentscheidung akzeptieren und uns unsere Arbeit machen lassen“, betonte Pfennings.

Im Fokus der Kritik der RWE-Beschäftigten stehen die Grünen, die 2016 als Teil der NRW-Landesregierung in der sogenannten Leitentscheidung noch für die Beibehaltung des Tagebaus Hambach votiert hatten, davon in den Augen der RWEler jetzt aber nichts mehr wissen wollen. Unter anderem erinnerten die Beschäftigten den Dürener Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer an den eigentlichen Namen der Kohlekommission, die offiziell Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung heißt, und daran, dass RWE im Hambacher Forst keine Fakten haben schaffen, sondern nur geltendes Rechts umsetzen wollen.

 Die Bergleute sagten aber auch Danke an die Polizei „für euren Einsatz im und um den Hambacher Forst“ und untermauerten, dass sie „die Schnauze voll von den Ökoterroristen“ haben.

An dem Protest vor dem Tagebau Hambach beteiligten sich nach Angaben des Betriebsrates  mehr als 500 Beschäftigte, die Polizei sprach von 150 Teilnehmern. Sie will nun prüfen, ob sich der Protest tatsächlich spontan auf die Straße verlagert hat, oder ob dies geplant war. Dann läge ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vor.

Bereits am Dienstag, 16. Oktober, will die IG BCE den Protest von 6 bis 15 Uhr mit einer Mahnwache in der „Neuen Mitte“ in Niederzier fortsetzen.