Tafeln im Kreis Düren suchen händeringend junge Helfer

Immer mehr Bedürftige : Tafeln im Kreis Düren suchen händeringend junge Helfer

Die Zahl der Bedürftigen steigt und die zumeist älteren ehrenamtlichen Mitarbeiter stoßen an ihre Belastungsgrenze. Den Tafeln im Kreis Düren droht eine Überalterung der Helfer.

An den Tischen sortieren die Ehrenamtler die Waren nach Qualität und Sorte, in den Auslagen liegen bereits Gemüse, Obst und Brot. Milch, Käse, Fisch und Fleisch sind in zwei Kühlschränken zu finden, und an der Wand stapeln sich neben zwei Kühlhäusern die Konservendosen. Als sich die Türen in den Räumen der Dürener Tafel an der Bücklersstraße 6 öffnen, kommt die erste Gruppe Bedürftiger herein und lässt sich nach Vorzeigen der Kundenkarte die Einkaufstüte füllen.

An diesem Montagnachmittag sind zwölf Ehrenamtler da, was dem täglichen Durchschnitt entspreche, wie Edith Becker berichtet. Die Vorsitzende des Vereins Dürener Tafel sieht für ihren Zuständigkeitsbereich mit Blick auf einen Anstieg der bedürftigen Personen oder einer Überforderung der Ehrenamtler keine Probleme. 100 aktive Vereinsmitglieder versorgen ihren Angaben nach circa 1.500 bis 2.000 Personen mit Lebensmitteln. Zwar meldeten sich jede Woche zwischen fünf und 15 Haushalte neu an, „das ist aber immer schon so gewesen“, sagt Becker.

Sie kann sich, was die Dürener Tafel betrifft, den Äußerungen des Vorsitzenden des Vereins Die Tafel Deutschland, Jochen Brühl, nicht anschließen. Brühl sprach gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe von einem deutlichen Anstieg der Zahl derjenigen, die die Tafeln nutzen. Außerdem warnte er aufgrund einer abnehmenden Zahl der Ehrenamtler vor einer Überforderung und forderte finanzielle Unterstützung vom Staat.

Nach Angaben von Brühl seien 60.000 Ehrenamtliche in Deutschland in mehr als 940 Tafeln dem Dachverband angeschlossen, und die Zahl der Menschen, die sich Waren bei der Tafel holen, sei innerhalb eines Jahrs um zehn Prozent auf 1,65 Millionen gestiegen. Bei den Senioren sei die Zahl um 20 Prozent gestiegen.

Das Thema Altersarmut spricht auch Ursula Schober an: „Wir merken, dass mehr ältere Leute zu uns kommen“, sagt die erste Vorsitzende der Langerweher Tafel. Geld, wie der Bundesvorsitzende Brühl für die Tafeln fordert, will Schober nicht: „Ich würde kein Geld annehmen wollen, denn wir machen alle dieselbe wichtige Arbeit“, sagt sie und sieht somit keinen Unterschied darin, dass sie als Vereinsvorsitzende eventuell mehr Arbeit leistet als andere Ehrenamtler. Die Zahl der Langerweher Ehrenamtler hält sie für ausreichend, aber die Altersstruktur bereitet ihr Sorgen: „Viele sind älter als 70 Jahre und fallen dementsprechend krankheitsbedingt öfter aus“, sagt Schober. Schwere Kisten zu schleppen, gehe ebenfalls nicht mehr ab einem gewissen Alter, sei aber ein essenzieller Teil des Ehrenamts bei den Tafeln.

Schwere Arbeit unbeliebt

Das sieht Manuel Millkorb ebenfalls so: Der Leiter des Aldenhovener Tischs stellt fest, dass fast niemand zu finden sei, der solch schwere Arbeit ehrenamtlich machen möchte. „Wir suchen händeringend“, sagt er zur aktuellen Lage der Ehrenamtler in Aldenhoven.

Die Gemeinde wird durch die Evangelische Kirchengemeinde Aldenhoven versorgt, weswegen der Aldenhovener Tisch den Vorteil hat, von der Kirchengemeinde einen Fahrer gestellt zu bekommen.

Davon kann der Vettweißer Tisch, der unabhängig von den Tafeln gegründet wurde und somit auch nicht dem Bundesverband angehört, nur träumen: In Vettweiß sei die Zahl der Bedürftigen zurzeit wieder angestiegen, sagt Kassierer Hubert Nix, und die zweite Vereinsvorsitzende Irmgard Rosbroy ergänzt, dass noch dringend Fahrer gesucht werden. Der Tisch stand mit Finanzproblemen sogar kurz vor dem Aus, nur mit „Müh und Not“, wie Rosbroy sagt, hätten die Ehrenamtler dank Spenden ein neues Fahrzeug, mit dem Lebensmittel zu den nicht mobilen Bedürftigen gebracht werden, anschaffen können.

Fehlende Ehrenamtler beklagt auch Edelgard Heidelberg: „Es ist ein Glück, dass wir Bundesfreiwillige haben, denn nur die gleichen das aus“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Jülicher Tafel. Letztere ist nicht nur für Jülich, sondern auch für Linnich sowie für die Gemeinden Titz, Niederzier und Inden zuständig.

Auch wenn die Situation in jeder Tafel anders ist, in einem Punkt sind sich alle einig: Es werden dringend junge Nachwuchskräfte benötigt.