SWD Powervolleys: Was machen eigentlich die Frauen der Profisportler?

Leben mit einem Profisportler : Die Spielerfrauen der Powervolleys

Öffentliche Trainerkritik in den sozialen Medien, mit der zuletzt die Ehefrau von Bayern München-Star Thomas Müller auf sich aufmerksam gemacht hatte, käme für Mena Laumann nicht in Frage. „Es gehört sich nicht, öffentlich über den Verein und den Trainer herzuziehen.“ Wie lebt es sich an der Seite eines Profisportlers?

Wird man als Partnerin eines Mittelblockers automatisch zur Volleyball-Expertin? Fragen, die die wir Mena Laumann, Alessandra Panciera-Andrei, Inna Sausa und Christiane Falkenbach gestellt haben.

Die Heimspiele in der Arena Kreis Düren sind für die Partnerinnen der Powervolleys Pflichtprogramm. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Alessandra Panciera-Andrei (30) ist seit viereinhalb Jahren mit Powervolleys-Kapitän Michael Andrei zusammen, seit zwei Jahren ist das Paar verheiratet. Inna Sausa (29) ist seit 2013 die Ehefrau von Außenangreifer Romans Sauss. Die beiden kommen aus Litauen und sind seit zwei Jahren in Düren. Christiane Falkenbach (33) ist seit August 2018 mit Zuspieler Tomáš Kocian verheiratet, das Paar hat eine kleine Tochter (20 Monate).

Inna Sausa hat ihren Mann beim Volleyball kennengelernt hat, weil ihr Bruder eine Zeit lang in der gleichen Mannschaft wie Romans Sauss gespielt hat. Michael Andrei und Alessandra Panciera-Andrei waren Nachbarskinder in Nideggen, Tomáš Kocian hat an der Schule, an der Christiane Falkenbach Mathematik, Physik und Kunst unterrichtet hat, eine Ballsport-AG geleitet und Mena Laumann, die selbst aktiv Volleyball spielt, hat Sebastian Gevert vor sieben Jahren kennengelernt, als er schon einmal in Düren gespielt hat. „Aus Freundschaft“, sagt sie, „ist Liebe geworden.“

Ungewöhnliche Arbeitszeiten

Dass das Leben mit einem Profi-Sportler anders ist, zeigt sich schon allein an den ungewöhnlichen Arbeitszeiten. Vormittags und am späten Abend ist Training, alle zwei Wochen gibt es in der Regel eine Reise zu einem Auswärtsspiel. „Auf der anderen Seite“, sagt Christiane Falkenbach, „ist es im Augenblick für unsere Tochter sehr schön, dass der Papa bis nachmittags zu Hause ist und Zeit zum Spielen hat.“

Mena Laumann ergänzt: „Schwierig ist es natürlich, wenn der Partner im Ausland oder überhaupt weiter weg spielt. Das macht das Leben unbeständig und bedeutet auch eine gewisse Unsicherheit.“ Für sie und Gevert sei relativ schnell klar gewesen, dass Düren ihre Heimatbasis sei. „Das hat auch gut funktioniert.“

Für Inna Sausa ist es auf der einen Seite die Ungewissheit, die das Leben mit einem Volleyball-Bundesligisten charakterisiert, und auf der anderen Seite die vielen Chancen, die es ihr bietet. „Mein Mann hat im Augenblick zum ersten Mal einen Zwei-Jahres-Vertrag. Vorher war es immer nur ein Jahr. Das war schwer, weil wir immer erst relativ spät wussten, wie es weitergeht.“ Düren sei mittlerweile für sie wie ein zweites Zuhause. „So wunderbare Orte wie Nideggen und Monschau hätte ich nie kennengelernt, wenn Romans nicht in Düren spielen würde. Manchmal habe ich das Gefühl, zwei Leben zu haben, eins zu Hause und eins in Litauen. Das ist ein Geschenk.“

Alessandra Panciera-Andrei nennt noch einen anderen Aspekt: „Ehefrau eines Profi-Sportlers zu sein, der in der eigenen Stadt schon ziemlich bekannt ist, bedeutet auch ein gewisses Maß an Öffentlichkeit.“ Sehr häufig würde sie gerade nach Heimspieltagen in ihrem Café von Gästen auf das Spiel angesprochen. „Nach gewonnen Spielen jubeln alle, aber sobald ein Spiel verloren wird, fangen alle an, die Mannschaft zu kritisieren. Das finde ich nicht gut“, sagt die 30-Jährige. „Für mich ist Michael an allererster Stelle mein Mann und eben nicht der Volleyball-Profi.“

Überhaupt ist eine Karriere als Profi-Sportler immer endlich, das wissen die vier Frauen auch. „Wir sind alle selbstständig und haben einen Beruf, der uns ausfüllt“, sagt Mena Laumann. „Das gibt mir ein gutes, sicheres Gefühl und meinem Mann die Möglichkeit, die Zeit nach seiner Karriere in Ruhe zu planen.“

Sorgen mache sie sich deswegen keine. „Ich bin sicher, dass sich eine gute Lösung finden wird. Aber natürlich wird das nochmal eine sehr spannende Zeit.“ Klar, dass die Frauen immer bei den Heimspielen in der Arena dabei sein, auch klar, dass ihre Männer nach Niederlagen manchmal enttäuscht sind. „Dass mein Mann deswegen schlecht gelaunt nach Hause gekommen ist, ist erst sehr selten vorgekommen. Und Dank unserer Tochter haben sich die Prioritäten schon verschoben.“ Als Ehefrau eines Zuspielers, so Falkenbach weiter, würde man nicht plötzlich zur Volleyball-Expertin. „Aber im Laufe der Zeit fallen einem schon immer mehr Dinge auf. Mir geht das jedenfalls so.“

Anfeuern, Daumen drücken und ab und zu ein bisschen Lampenfieber, so beschreiben die vier Frauen die Zeit, wenn sie auf der Tribüne sitzen – übrigens jede mit ihrem Freundeskreis und meistens immer an derselben Stelle in der Arena. „Es gibt Spiele“, sagt Panciera-Andrei, „da bin ich richtig nervös. Meistens kann ich gar nicht genau erklären, warum.“ Keine der vier, und das ist nicht wirklich verwunderlich, möchte tauschen. „Ich bin sehr stolz auf meinen Mann“, sagt Inna Sausa. „Und ich bin gerne mit einem Profisportler verheiratet.“

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