Düren: Suche nach den Millionenerben

Düren: Suche nach den Millionenerben

Dr. Dieter Riemer hat ein bisschen etwas von Sherlock Holmes. Detektivischer Spürsinn ist in seinem Metier gefragt. Das Problem: Sein Mandant ist tot. Aber Riemer sucht nicht den Täter, sondern potenzielle Erben.

Riemer ist Notar in Bremerhaven und verwaltet das Vermögen seines verstorbenen Mandanten Robert Tietz - drei Millionen Euro, wie Riemer sagt. Seine Suche nach gesetzlichen Erben für das Vermögen hat Riemer nun auch auf Düren ausgeweitet.

Robert Tietz ist kurz vor Heiligabend in Bremerhaven verstorben und hat unter anderem mehrere Mehrfamilienhäuser hinterlassen. Kinder und Geschwister gibt es nicht. Bei seinen Recherchen nach möglichen Erben ist Riemer nun auf einen Onkel väterlicherseits gestoßen: „1956 starb in Niederau in der Teichstraße 60 der Seemaschinist Rudolf Tietz, der nach dem Krieg aus Danzig nach Niederau gekommen war.” Das ist der besagte Onkel von Robert Tietz.

Rudolf Tietz hatte im Oktober 1941 in Danzig Therese Scharmach geheiratet. Ob es Kinder oder Enkel aus dieser Verbindung gibt - genau das will Riemer nun klären. In Kreuzau hat der Notar zwar die Todesurkunde ausfindig machen können - mehr Unterlagen waren aber nicht mehr vorhanden. Kein Wunder, denn mit der kommunalen Neugliederung 1972 wurden die Unterlagen an die Stadt Düren weitergereicht. Mit detektivischem Spürsinn rollt Riemer nun die komplette Familiengeschichte auf. Ein paar Erben hat er auch schon aufgetan.

So hat sich herausgestellt, dass die Familie Tietz ursprünglich aus dem Fischerdorf Agilla im Kreis Labiau (Ostpreußen) stammt. Agilla liegt heute in Rußland und heißt Krasnoje. Während der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg war Agilla in Haffwerder umbenannt worden. Riemer: „Die männlichen Mitglieder der Familie sind seit Generationen Fischer, Kapitäne und Schiffsingenieure.” Auch der in Niederau verstorbene Rudolf Tietz war Seemaschinist.

Riemer hat jetzt die Stadt Düren um Mithilfe gebeten. Hans-Jörg Feltes, Leiter des Bürgerbüros, hat ebenfalls eine Anfrage des Notars erhalten. Die Suche wird aber schwierig. Feltes: „Mit der elektronischen Datenverarbeitung ist erst Mitte der 1960er Jahre begonnen worden. Wir werden da über unser Archiv suchen müssen.” Eine Suche, die sich für Nachkommen von Rudolf Tietz aber lohnen könnte. Immerhin noch rund 375.000 der insgesamt drei Millionen Euro, so der Notar, warten auf diese Nachkommen.

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