Suche nach Areal für "Ende Gelände"-Camp geht weiter

Polizei untersagt Protestcamp in der Ruraue : Braunkohlegegner wollen nicht auf die Merscher Höhe

Von Erleichterung war im Niederzierer Rathaus nichts zu spüren. Zwar hatte das Polizeipräsidium Aachen am Freitagnachmittag das von der Anti-Braunkohlebewegung „Ende Gelände“ vom 25. bis 29. Oktober im Landschaftsschutzgebiet Ruraue bei Huchem-Stammeln beantragte Protestcamp mit mehr als 2000 Teilnehmern abgelehnt und als alternativen Standort ein 30 Hektar großes Areal auf der Merscher Höhe bei Jülich vorgeschlagen.

Doch aus dem Schneider ist die Gemeinde Niederzier damit noch nicht. „Ende-Gelände“-Sprecherin Salma Richter machte auf Nachfrage deutlich, dass die Fläche in Jülich aus Sicht der Bewegung ungeeignet sei. „Wir werden sie nicht nutzen“, kündigte Richter an, ohne dies näher begründen zu wollen. „Wir werden weiterhin das Gespräch mit der Polizei suchen und halten uns aber auch juristische Schritte vor.“

Eric Lauterbach, Allgemeiner Vertreter von Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser (SPD), hielt sich daher auch mit einer Bewertung der Aachener Entscheidung zurück. Am Donnerstagabend noch hatte Heuser deutlich gemacht, dass er generell große Sicherheitsbedenken gegen eine Veranstaltung dieser Größenordnung und Intention im Niederzierer Gemeindegebiet habe. Das gelte insbesondere für die landschaftlich geschützte Ruraue, aber ebenso den Freizeitpark in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes, in dem auch zahlreiche RWE-Beschäftigte wohnen und Konflikte damit programmiert wären. Daher war Heuser eigentlich froh, dass die Bezirksregierung Köln kurzfristig eine Nutzung des zuletzt als Flüchtlingscamp genutzten Areals auf der Merscher Höhe erlaubt hatte. Dort sei ein Großteil der benötigten Infrastruktur vorhanden und die Gefahr von Konflikten minimal.

Ungeachtet der aktuellen Entwicklungen und der weiter ungeklärten Frage, wo das Camp schlussendlich stattfinden wird, ruft das in dieser Woche in Merken gegründete „Bündnis gegen Extremismus und Gewalt“ für den kommenden Freitag, 26. Oktober, 16 Uhr, zu einer Demonstration gegen das Protestcamp in Merken auf. „Hierzu sind alle Bürger eingeladen, die außerhalb des Konfliktes um Klimawandel, Energiewende und RWE die rechtswidrigen Aktionen der extremistischen Strippenzieher im Hintergrund von ‚Ende Gelände‘ nicht unwidersprochen hinnehmen wollen“, erklärt der Merkener Bezirksausschussvorsitzende Horst Knapp. Er spricht von einer überparteilichen Initiative aus der Bürgerschaft heraus, an der sich auch Vertreter umliegender Orte beteiligt haben. Knapp will eine Kundgebung mit 300 bis 500 Teilnehmern anmelden, allerdings hoffen er und seine Mitstreiter auf mehr als 1000 Teilnehmer. Geplant ist ein Demonstrationszug durch den Ort mit einer zentralen Kundgebung.

Ob die Niederzierer SPD ihrerseits zu weiteren Aktionen aufrufen wird, will sie entscheiden, wenn endgültig Klarheit über den Veranstaltungsort herrscht. Die Planungen liefen im Hintergrund auf Hochtouren, betonte Fraktionschef Johannes Komp. Flyer und Banner seien in Vorbereitung.

Mehr von Aachener Nachrichten