Nörvenich: Streit um Erdbeerhof in Pingsheim findet kein Ende

Nörvenich: Streit um Erdbeerhof in Pingsheim findet kein Ende

Der Streit zwischen dem Obsthof Levenig in Pingsheim und seinen Anwohnern geht in die nächste Runde. Während die Nachbarn eine Auslagerung des stetig wachsenden Betriebes fordern, hat das Unternehmen bei der Kreisverwaltung als Baubehörde die Genehmigung für die Errichtung weiterer Unterkünfte für die Erntehelfer beantragt.

Die Erdbeersaison steht bevor. Von Pingsheim gehen dann zahlreiche Lkw-Ladungen der leckeren Früchte an Abnehmer in ganz Europa. „50 Erntehelfer sind schon da”, hat Rita Jülich registriert, die in Sicht- und Hörweite zum großen Obsthof wohnt.

In der Saison beschäftige das Unternehmen mehr als 500 Helfer, vor allem aus Polen, Rumänien und Bulgarien. „Es ist eine Zumutung, was wir hier dann mitmachen”, beschwert sich Rita Jülich. „Um 4 Uhr morgens geht es los. Da radeln 500 Menschen lautstark palavernd durch den Ort, um zu den Erdbeerfeldern zu kommen. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken!” Nicht nur auf dem Obsthof selber, sondern auch auf anderen Grundstücken würden zig Klein-Lkw mit der Ernte beladen, so Jülich. Und das natürlich mit Lärm. Damit das Obst nicht schlecht werde, müsse es jeden Tag geerntet werden. Auch samstags und sonntags finde man deshalb in dem 800-Seelen-Dorf keine Ruhe. Selbst abends nicht, wenn sich die Erntehelfer vor ihren beengten Wohncontainern auf dem Hof unterhielten und den Grill bedienten.

„Der Erdbeerhof hat inzwischen eine Größe erreicht, dass er aus dem Ort ausgelagert werden muss”, kennen Rita Jülich und etliche andere Nachbarn eigentlich nur eine Lösung. Doch Bernhard Levenig, Inhaber des Erdbeerhofes, reichte unlängst im Rathaus Pläne für die Errichtung von weiteren Wohncontainern, Gewächshäusern und Pkw-Stellplätzen am Standort in der Ortsmitte ein. Und der Hauptausschuss gab Grünes Licht. Ebenso die übergeordnete Kreisbehörde.

Hauptgrund: Da es sich hier um einen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, gilt ein besonderes Baurecht. Während ein Privatmann im Außenbereich der Ortslage längst nicht errichten darf, was er will, haben Landwirte hier besondere Privilegien. Dies teilte Landrat Wolfgang Spelthahn den Anwohnern denn auch in einer Antwort auf ihr Protestschreiben mit. „Wir machen nichts Ungesetzliches”, betonte Bernhard Levenig am Montag auf Anfrage.

„Wir können uns aber nicht in Luft auflösen.” Er sei stets zu Kompromissen bereit, so der Hofbesitzer. Etwa dazu, dass die Helfer den Hof nachts über eine rückwärtige Tür verlassen. 1977 habe er schon einmal die Aussiedlung des Hofes geplant. Das sei damals am Veto der Gemeinde gescheitert. Levenig: „Jetzt haben wir schon so viel in den Hof investiert, dass es nicht mehr geht.”

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