Vettweiß: Stolpersteine: Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Vettweiß: Stolpersteine: Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus

Es war ein unerwarteter Rückschlag, aber Harald Krugs Blick geht schon wieder nach vorne: Mit den Worten „bis hoffentlich nächstes Jahr dann“ verabschiedet er Gunter Demnig. Der war mit seiner Arbeit in der Gemeinde Vettweiß schneller fertig geworden als geplant.

So sollte der Künstler Demnig ursprünglich insgesamt elf Stolpersteine in Vettweiß und Lüxheim verlegen, um so an die, während der NS-Zeit ermordeten, jüdischen Bürger der Gemeinde zu erinnern. Letztendlich verlegt hat Demnig aber nur vier der elf kleinen Mahnmale: Vor dem Haus in der Gereonstraße 13 erinnern nun Stolpersteine an Josef, Gudula, Jeanette und Rosalie Berlin. Die Familie Berlin war dort seit 1831 ansässig. Josef Berlin wurde 1941 gedemütigt und entrechtet und starb in einem jüdischen Krankenhaus in Köln. Die übrigen Familienmitglieder wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und ermordet.

Sieben weitere Stolpersteine sollten in Lüxheim an Karl, Sara, Josef, Gustav, Jetta, Berta und Leopold Schwarz erinnern. Hier zogen die jetzigen Bewohner die bereits gegebene Zustimmung für eine Verlegung jedoch kurzfristig zurück. Für den Vettweißer Jugendbeauftragten Harald Krug und Bernd Blümmert, den Vorsitzenden des Vereins „VettCult“, ist es ein Rückschlag, von dem sie sich allerdings nicht entmutigen lassen wollen. Kämpft man doch schon seit mehr als einem Jahr für die Verlegung von Stolpersteinen in Vettweiß. „Jetzt liegen die ersten Stolpersteine in der Gemeinde. Das ist ein Erfolg, die Steine fallen auf und mit ihnen wird die Geschichte wieder in die Mitte der Bevölkerung geholt,“ so Bernd Blümmert.

Verantwortlich dafür, dass nun die ersten Stolpersteine in Vettweiß verlegt werden konnten, waren auch sechs Jugendliche, die unter der Federführung von Harald Krug nach den ehemaligen jüdischen Bürgern von Vettweiß geforscht und im Gemeinderat Überzeugungsarbeit geleistet haben. Zwei von ihnen, Mathis Lövenich und Julian Blatzheim, begleiteten die Verlegung mit kurzen Vorträgen über die ermordeten jüdischen Mitbürger. „Das ist der Höhepunkt unserer Arbeit,“ befand der 18-jährige Julian Blatzheim über die Verlegung in der Gereonstraße. Gleichzeitig sieht er die Arbeit noch nicht beendet: Auch in Kelz, Gladbach und Müddersheim könnten noch Stolpersteine verlegt werden. Harald Krug blickt voraus: „Wir wollen versuchen im nächsten Jahr weitere Stolpersteine zu verlegen.“

(ab)
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