Düren: Stefan Weschke: „Düren hat zu wenig Zuschüsse erhalten“

Düren: Stefan Weschke: „Düren hat zu wenig Zuschüsse erhalten“

Stimmt es, dass Düren zu wenig innovative Unternehmen anzieht? Ist die Wirtschaftsförderung der Stadt zukunftssicher aufgestellt oder fehlt es an personeller Ausstattung, wie es das Wirtschaftsgutachten feststellt. Hat die Dürener Politik in der Vergangenheit schwerwiegende Fehler gemacht?

Darüber sprach DN-Redakteur Ingo Latotzki mit dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Stefan Weschke (50).

Sie haben fehlerhafte Zahlen im Gutachten beklagt. Zum Beispiel würde die Zahl der derzeit Beschäftigten in der Industrie nicht stimmen, überdies die Einwohnerzahl Dürens. Sie haben damit die Qualität des Gutachtens an sich in Frage gestellt. Ist es damit für Sie wertlos?

Stefan Weschke: Zunächst erwarte ich von einem wissenschaftlich fundierten Gutachten, dass Zahlen, die man aus einer anderen Statistik übernimmt oder die unvollständig sind, auf ihre Plausibilität hin überprüft werden. Dies ist offenbar nicht geschehen, zum Teil wurden veraltete Zahlen übernommen und damit kommt man auch zu falschen Schlüssen. Insofern ist die aktuelle Zustandsbeschreibung des Wirtschaftsstandortes Düren, die die beiden Gutachter vorgenommen haben, keine realistische. Umgekehrt weist das Gutachten sehr wohl in seinem zweiten Teil auf Tendenzen hin, in die sich Düren in Zukunft positiv entwickeln sollte. Dabei geht es neben der Logistik-Branche, die wir alle schon länger auf dem Schirm haben, sicher auch um den Versuch, sich sehr viel stärker als in der Vergangenheit um technologieorientierte Unternehmen und Unternehmensgründungen in Düren zu bemühen.

Das Gutachten stellt fest, dass Düren zu wenig qualifizierte Arbeitsplätze und zu wenig innovative Unternehmen bietet.

Weschke: Diese Ansicht ist in Teilen richtig. Vor allem ist die Gründerszene leider sehr auf die Kernregion Aachen beschränkt. Das hat zum einen mit der Förderkulisse in der Vergangenheit zu tun, deren Bestandteil Düren nie war, zum anderen auch damit, dass diese Aufgabe in den letzten Jahren nicht im Zentrum des Bemühens stand. Genau hier müssen wir die Wirtschaftsförderung stärken — durch eine effiziente Gründungs- und Technologieberatung.

Wenn Sie sagen, „man“ habe sich nicht ausreichen befasst: Wer ist damit gemeint?

Weschke: Da sehe ich die Wirtschaftsförderung von Stadt und Kreis gemeinsam in der Verantwortung. Die Zahlen zeigen, dass im Hinblick auf die Ansiedlung von technologieorientierten Unternehmen mehr möglich sein kann.

Die Effizienz einer Wirtschaftsförderung hängt von ihrer Ausstattung ab, vor allem personell. Für diese Rahmenbedingungen ist die Politik verantwortlich.

Weschke: Das stimmt. Eine weitere personelle Aufstockung ist notwendig.

Also ist mit „man“ auch die Politik gemeint.

Weschke: Wir werden den Antrag einbringen, die Wirtschaftsförderung der Stadt Düren um eine weitere Stelle zu erweitern, die sich ausschließlich um die Ansiedlung von Technologie-Unternehmen kümmert.

Das wäre alles?

Weschke: In diesem Bereich müssen wir aktuell am Schnellsten aktiv werden. Tendenziell muss eine Strategie entwickelt werden, um Ziele für den Standort zu formulieren. Danach ist zu entscheiden, wie viel Personal die Wirtschaftsförderung benötigt. Aber wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen.

Die Gutachter sagen auch, dass Düren nicht ausreichend auf den Strukturwandel reagiert habe. Als Arbeitsplätze in der Industrie wegbrachen, hätten Politik und Verwaltung nicht dafür gesorgt, dass anderweitig qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden. Trifft der Vorwurf zu?

Weschke: Das trifft allenfalls in Teilen zu. Fakt ist, dass es in Düren so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt wie noch nie zuvor. Die Delle, die Ende der 1990er Jahre entstand, weil einige große Betriebe geschlossen haben, etwa Peill & Putzler oder Eberhard Hoesch & Söhne, hat die Stadt viele gut qualifizierte Jobs gekostet. Aber die wurden woanders auch wieder aufgebaut, vor allem im Maschinenbau.

Der Vorwurf der Gutachter geht dahin, dass nicht genügend qualifizierte Jobs entstanden sind.

Weschke: Das sehe ich nicht. Aber die gesamte Situation hat auch damit zu tun, dass Ende des Jahrtausends durch die Schließung der Steinkohlezechen die finanzielle Förderung des Landes NRW an Düren vorbeigegangen ist. Der Nordkreis hat profitiert und deshalb gab es eben dort viele Unternehmensneugründungen.

Warum ging Düren leer aus?

Weschke: Weil die Verantwortlichen in Düsseldorf die Probleme anderswo höher eingestuft haben als in Düren. Das hängt auch damit zusammen, dass sich der Strukturwandel nicht auf eine Branche, sondern auf mehrere Bereiche wie Textil- und Metallindustrie oder den Maschinenbau erstreckt hat.

Hat die Stadt Düren genug getan, um an Fördergelder zu kommen?

Weschke: Als wir am Ruder waren, hat es ja selbst für den Nordkreis nichts mehr gegeben. Die Gelder sind ins Ruhrgebiet und den Raum Heinsberg geflossen. Wir hatten trotz Bemühungen keine Chancen, in die Förderprogramme zu kommen.

Laut den Gutachtern würde es sich für Düren immer noch lohnen, auf die Logistikbranche zu setzen. Es gab ja mal Pläne, bei Arnoldsweiler ein großes Güterterminal zu bauen. Das scheiterte am Protest von Anwohnern. Sollte das Gemeinwohl nicht über dem Einzelwohl stehen?

Weschke: Das sollte es immer. Das Projekt ist nicht weiter verfolgt worden, weil es keinen Investor gab. Es hat ja Gespräche gegeben. Der Hafen Antwerpen etwa hat signalisiert, dass er sich finanziell an der Projektentwicklung nicht beteiligen wolle. Dennoch: Das Thema wollen wir verfolgen. Ein attraktiver Standort wäre das Gewerbegebiet Talbenden/Rurbenden. Aber auch hier gilt: Wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze, denn wir wollen nicht die verlängerte Werkbank Asiens sein.

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