Düren: Statt der roten Karte die rote Tasche rausgekramt

Düren: Statt der roten Karte die rote Tasche rausgekramt

Wer aufgepasst hat, konnte am Samstag in der Dürener Innenstadt viele Frauen mit roten Taschen durch die Straßen bummeln sehen. Grund dafür war die Aktion zum „Equal Pay Day”, organisiert vom Frauenbüro der Stadt Düren, dem Dürener Frauenforum, der Projektentwicklungs- und Forschungsstelle für Chancengleichheit des Kreises Düren und der DGB-Region NRW Süd-West.

Der Tag wurde andernorts schon tags zuvor begangen, allerdings erhofften sich die Veranstalterinnen vom Samstagmittag einen größeren Zulauf - zurecht. Es herrschte „ein Rieseninteresse”, wie die Frauenbeauftragte der Stadt Düren, Gilla Knorr, bestätigte.

Der „Gleiche-Bezahlung-Tag”, wie es auf Deutsch heißen müsste, will auf die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen, der hierzulande bei durchschnittlich 23 Prozent liegt. In Führungsebenen beträgt der Unterschied sogar 33 Prozent. Somit ist Deutschland im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter. Damit das nicht so bleibt, wurde der Aktionstag letztes Jahr bundesweit und dieses Jahr auch zum ersten Mal in Düren durchgeführt.

Die Idee zum Equal Pay Day stammt ursprünglich aus den USA, wo er bereits seit Mitte der 90er Jahre etabliert ist. Er steht für den Tag, an dem Frauen erst genau soviel Geld in der Tasche haben wie ihre männlichen Kollegen schon am Ende des Vorjahres, dieses Jahr war es der 20. März. Im letzten Jahr war es der 8. April, es geht also langsam bergauf - vor allem weil das Bewusstsein sich ändert.

„Das Interesse der Öffentlichkeit ist mittlerweile wesentlich höher, die Aktion bringt was”, so Elke Ricken-Melchert, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Düren. „Es ist wichtig, dass diese Dinge populär werden”, meinte auch Iris Papst, CDU-Vorsitzende des Frauenforums, und berichtete von einer Passantin, die ihr erzählte, der Equal Pay Day sei in ihrer aus Amerika stammenden Firma richtig gefeiert worden. „Man merkt einfach, dass der Aktionstag hier in Deutschland noch nicht etabliert ist.”

Doch das wird bald anders sein, denn der Stand der Veranstalterinnen war ein voller Erfolg: Jede Frau mit roter Tasche - als Zeichen dafür, dass Frauen sprichwörtlich weniger „in der Tasche” haben - bekam jede einen Gutschein mit zehn Prozent Rabatt auf eine Tasse Kaffe oder Tee in vielen Cafés rund um Markt und Kaiserplatz.

Außerdem hatten die Frauen, ganz gemäß dem Motto „Frauen sind mehr wert!” eine Tafel aufgestellt, auf der Berufe und Einkommen von Männern zu sehen waren. Das entsprechende Einkommen einer Frau in diesem Beruf konnten interessierte Passanten schätzen und bekamen dann auch gleich die zum Teil erschreckende Auflösung: mit Differenzen zwischen 60 und 600 Euro. Wer selbst einmal nachschauen möchte, kann dies im Internet auf http://www.frauenlohnspiegel.de tun.