Städtepartnerkonferenz in Düren: Austausch für den Frieden

15 Dolmetscher für komplexe Themen : Mehr als 800 Deutsche und Russen tauschen sich in Düren aus

Am Mittwochmorgen hat ein älteres Ehepaar den Landrat vor dem Kreishaus gefragt, warum denn dort die ganzen deutschen und russischen Flaggen aufgehängt worden sind. Wolfgang Spelthahn (CDU) hat den Leuten erzählt, dass sich in diesen Tagen mehr als 800 Menschen aus Russland und Deutschland zur Städtepartnerkonferenz treffen, dass es um zivilgesellschaftlichen Austausch geht, um Kontakte, um Verständigung.

„Die beiden haben die Zerstörung Dürens miterlebt. Und sie haben mich gebeten, allen Teilnehmern mit auf den Weg zu geben, dass es solche Kriege nie wieder geben darf“, erzählt Spelthahn. Und im Kern gehe es bei der Städtepartnerkonferenz genau darum: „Wer den anderen kennt, in einem Land Freunde findet, der hat auch später keine Lust, aufeinander zu schießen“, ist der Landrat überzeugt.

Natürlich geht es bei der Städtepartnerkonferenz des Deutsch-Russischen Forums, zu der mehr als 300 Russen aus 100 Städten in 19 Regionen angereist sind, auch um komplizierte politische Themen, es wird über die Krim diskutiert, es geht um Visafreiheit, Vorurteile und das Bild, dass viele Deutsche von Russland haben. Dabei soll in der Debatte kein Blatt vor den Mund genommen werden.

„Es gibt hier eine offene Debatte, eine sachlich harte Auseinandersetzung. Aber sie ist von einem guten Geist geprägt“, sagt Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Ministerpräsident von Brandenburg und jetzt Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums – eines Vereins, der sich für einen breiten gesellschaftlichen Dialog zwischen Deutschland und Russland einsetzt.

Dr. Michail Schwydkoj, russischer Sonderbeauftragter für internationale kulturelle Zusammenarbeit im Außenministerium, verwies darauf, dass die Menschen in Russland und Deutschland in ihrem Alltag die gleichen Themen bewegen würden und dass es wichtig sei, die Freundschaften zwischen den Menschen zu pflegen.

So stehen in Düren Arbeitsgruppen im Fokus, die sich mit Digitalisierung, Energieeffizienz, Inklusion und verschiedenen Formen der Zusammenarbeit in den Partnerstädten – beispielsweise im medizinisch und humanitärem Bereich – befassen.

50 Helfer, 15 Dolmetscher

Die Konferenz soll ein Ort des Austausches sein – ein Austausch, hinter dem ein enormer organisatorischer Aufwand steht und der für Düren auch ein Wirtschaftsfaktor darstellt. 50 Helfer – Ehrenamtler und Mitarbeiter des Kreishauses – sind neben den Profiorganisatoren im Einsatz, betreuen Gäste, zeigen wo was ist, holen Teilnehmer vom Flughafen ab. Wer eine Frage hat, braucht nur nach einem blauen T-Shirt Ausschau zu halten. Einige der Helfer sprechen russisch.

Für die offiziellen Veranstaltungen sind 15 Dolmetscher angereist, die simultan auch die kompliziertesten Debatten übersetzen, schließlich gibt es deutsch- und russischsprachige Redner und Zuhörer. Eine Aufgabe, die immense Konzentration erfordert.

Und vielleicht macht die Konferenz Düren ein bisschen in Russland bekannt. Michail Schwydkoj, der Mann aus dem russischen Außenministerium, hat nach eigenen Angaben in seiner wöchentlichen Zeitungskolumne auf die Städtepartnerkonferenz aufmerksam gemacht und dort auch über die Dürener Industrie geschrieben. Auch würden die russischen Medien der teilnehmenden Regionen über diese bisher größte der 15 Konferenzen berichten. Schwydkoj: „Vielleicht wird der ein oder andere neugierig und schaut mal nach, wo genau die Stadt Düren auf der Landkarte eigentlich liegt.“

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