Düren: Stadt Düren reagiert auf gesammelte Drogenspritzen am Langemarckpark

Düren: Stadt Düren reagiert auf gesammelte Drogenspritzen am Langemarckpark

Ein engagierter Bürger hatte im Internet für Aufsehen gesorgt, weil er nach eigenen Angaben an zwei Tagen mehr als 300 Spritzen von Drogenabhängigen am Langemarckpark gefunden hatte. Nun reagiert die Stadt mit ersten Maßnahmen — und eine Expertin der Caritas warnt davor, einen Hype um den Fund aufzubauen.

Was war passiert? Ein zweifacher Familienvater hatte sich in Eigeninitiative im Bahnhofsviertel auf die Suche nach herumliegenden Spritzen gemacht. Er ist besonders in der Böschung zwischen der Bahntrasse und dem angrenzenden Langemarckpark fündig geworden. Die Spritzen hat er fotografiert, bei Facebook veröffentlicht und Kritik geäußert, da sich bei der Stadt niemand verantwortlich fühle. Der Beitrag beschäftigte Tausende in dem Sozialen Netzwerk.

Dankbar für Bürgerhinweis: Thomas Hissel. Foto: Abels

Thomas Hissel, 1. Beigeordneter der Stadt Düren, betonte am Donnerstag auf Anfrage, dass die Stadt nun kurzfristig handeln werde. Auch stellte Hissel klar, dass sich das Problem auf die Böschung beziehe — nicht aber auf die Parkfläche selbst und die kleine Kinderspielanlage: „Der Dürener Service Betrieb reinigt den Park täglich. Die Chance, dort eine Spritze zu finden, ist sehr gering.“ Dass die besagte Böschung zugemüllt ist, liege daran, dass das Terrain der Deutschen Bahn gehört.

Der DSB dürfe das Gelände nicht eigenhändig säubern. „Das ist auch eine Frage der Haftung. Mal angenommen, ein Mitarbeiter verletzt sich in dem abschüssigen Gelände“, betont Hissel. Ein Bahnsprecher sagte am Donnerstag auf Anfrage, dass dem Unternehmen der verwahrloste Zustand des Terrains nicht bewusst gewesen sei. In der kommenden Woche werde die Fläche gereinigt. Bahn und Stadt beraten nun darüber, wer sich künftig um die Pflege kümmert oder ob die Böschung abgesperrt werde.

„Kein falsches Bild zeichnen“

Die Stadt wird laut Hissel an dem für die Drogenszene berüchtigten Platz eine Box für gebrauchte Spritzen aufstellen. Außerdem wird die Stadt — was der besagte Bürger bemängelt hatte — ab jetzt gefundene Spritzen annehmen und entsorgen. Der aktuelle Anlass habe das Thema Straßensozialarbeit, die die Stadt mit dem neuen Haushaltsplan verstärken will, noch einmal in den Fokus gerückt. „Wir setzen viel auf Prävention und wollen noch mehr auf die drogenabhängigen Menschen zu gehen“, sagt Hissel. Für ihn sei auch ein Konsumraum, also eine Anlaufstelle, in der Abhängige unter Aufsicht Drogen nehmen und Spritzen dort entsorgen, „immer eine Diskussion wert“. In Städten wie Hamburg gibt es davon mehrere. Nötiges Personal und Öffnungszeiten wären jedoch zwei hohe Hürden, sagt Hissel — und der Erfolg einer solchen Einrichtung sei fraglich.

Das sieht auch Inge Heymann so. Sie leitet das Sozialpädagogische Zentrum (SPZ) in Düren, eine Drogen- und Suchtberatung der Caritas. „In Aachen wurde so eine Einrichtung geschlossen, weil sie keinen Effekt erzielt hat“, sagt Heymann. In Düren sei die Zielgruppe, nämlich die langzeit-chronisch Abhängigen, klein. Mit seinen Angeboten habe das SPZ im vergangenen Jahr 292 Opiatabhängige (zu denen Heroinsüchtige zählen) erreicht. 287 davon seien in der sogenannten Substitution, sie konsumieren Methadon als Ersatzstoff. „Die meisten nutzen auch keine Spritze mehr, sondern rauchen die Stoffe“, betont Heymann.

„Kein falsches Bild zeichnen“

Mit Blick auf den Spritzenfund im Langemarckpark will Heymann den „Hype“, wie sie sagt, bremsen. „Die Spritzen können sich dort seit Jahren angesammelt haben. Ich bin eher erstaunt, dass es nicht mehr waren“, sagt sie. Würde man die 240 Spritzen, die der engagierte Bürger alleine an einem Tag gefunden haben soll, auf einen Monat herunterrechnen, wären es acht pro Tag. „Das wären wirklich wenige“, betont Heymann. „In Düren wird in der Prävention eine Menge getan. Der aktuelle Anlass soll kein falsches Bild zeichnen.“

Thomas Floßdorf, Chef der Dürener CDU, sieht das SPZ jedoch noch mehr in der Pflicht. Das Zentrum wird mit 80.000 Euro jährlich von der Stadt und zusätzlich mit einem sechsstelligen Betrag vom Kreis Düren bezuschusst. „Es muss grundsätzlich ein neues Konzept her bei dem Thema. Die Berater müssen mehr vor Ort sein und nicht nur darauf warten, dass jemand zu ihnen kommt“, betont Floßdorf.

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