Düren: Staatsanwalt verlangt ein hartes Urteil

Düren: Staatsanwalt verlangt ein hartes Urteil

„Was hat sich am 19. November 2010 in Mariaweiler abgespielt?” Diese Frage stand im Dürener Amtsgericht zwei Tage lang im Mittelpunkt einer Schöffengerichtsverhandlung. Auch Oberstaatsanwalt Robert Deller stellte sie an den Beginn seines Plädoyers. Immerhin: Die Angeklagte (62) gab zu, ihrem Opfer (85) an jenem Tag ein Kissen ins Gesicht gedrückt zu haben.

Wirr, unzusammenhängend und widersprüchlich waren allerdings die weiteren Ausführungen der Frau. Hatte sie sich nur gewehrt? Aus ihrer Aussage wurde man nicht schlau. Das Opfer konnte niemand mehr fragen: Der Mann ist etliche Wochen nach der Tat verstorben. Seinen Verwandten hatte er aber berichtet, er sei von der Frau bedroht und verletzt worden, und sie habe ihm viel Geld gestohlen.

Der Rentner litt nach Auskunft eines Gutachters an Demenz im Anfangsstadium. Er hatte in seiner Wohnung an verschiedenen Stellen viel Bargeld versteckt. Die Polizei fand nach der Tat knapp 60.000 Euro. War er im Jahr 2010 noch in der Lage zu beurteilen, wo er genau Geld versteckt hatte und ob er tatsächlich bestohlen wurde?

Verhängnisvolle Beziehung

Tatsache ist wohl, dass zwischen Opfer und Täterin eine verhängnisvolle Beziehung entstanden war, bei der es auch zu Abhängigkeiten gekommen sein kann. Der Staatsanwalt jedenfalls wehrte brüsk alle Versuche der Verteidigers ab, die Sache einzustellen. „Da würde mich der Schlag treffen, das kommt nicht infrage”, so Deller.

Er hielt die Schuld der Frau für erwiesen. Sie habe das Vertrauen des alten Herrn, der ihr Geschenke machte, missbraucht, habe irgendwann sogar vorgehabt ihn zu töten und müsse jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Deller machte nebenbei übrigens keinen Hehl daraus, dass man auch von einem versuchten Tötungsdelikt hätte ausgehen können.

„Nur vom Hörensagen”

Für den Rechtsanwalt der Angeklagten war alles eine Beziehungstat oder hätte eine sein können. Er glaubte seiner Mandantin, die behauptet hatte, das Opfer sei ihr gegenüber gewalttätig geworden. Da aber nicht genau zu ermitteln sei, was vorgefallen ist, müsse der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten” zur Geltung kommen. Von der Tat wisse man jedenfalls nur „vom Hörensagen und von der Angeklagten” und das sei als Grundlage für eine Verurteilung zu wenig.

Richterin Anne Utzelmann und die Laienrichter entschieden nach eingehender Beratung, dass eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten angemessen sei. Die Strafe wird, da keinerlei Vorstrafen vorhanden sind, zur Bewährung ausgesetzt. Die Kosten des Verfahrens trägt allerdings die Angeklagte. Die Richterin betonte, das Gericht habe es sich nicht leichtgemacht, sei aber am Ende davon ausgegangen, dass eine gefährliche Körperverletzung und keine versuchte Tötung stattgefunden hat.

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