Berzbuir: St.-Anna-Bruderschaft feiert 125-jähriges Bestehen

Berzbuir : St.-Anna-Bruderschaft feiert 125-jähriges Bestehen

Der kleine Dürener Stadtteil hat rund 500 Einwohner, etwa die Hälfte engagiert sich im örtlichen Schützenverein. Dessen Jugendabteilung ist groß. Jedes Jahr melden sich 20 neue Mitglieder für die Bruderschaft an. Zum Schützenfest kommen 1000 Gäste. Zahlen, von denen viele andere Orte und Bruderschaften nur träumen können. Warum funktioniert das Schützenbrauchtum in Berzbuir noch so gut?

Marita Schleicher, 28, ist seit 22 Jahren Mitglied und muss für eine Antwort nicht lange überlegen: „Ein bisschen bekloppt muss man sein. Dann macht es riesigen Spaß in unserer Bruderschaft.“

Bruderschaft mit Tradition: Das historische Bild (o. links) zeigt die Rückkehr der Schützen aus der Pfarrkirche Lendersdorf. Heute prägen auch das Oktoberfest mit der Meisterschaft im Fingerhakeln (o. rechts) und der Weihnachtsmarkt mit dem Weihnachtsbaum-Weitwurf (u rechts) das Vereinsbild. Foto: Bruderschaft

Die St.-Anna-Schützen feiern am Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen, gleichzeitig wird der 650. Geburtstag von Berzbuir begangen. „Das ist etwas Besonderes“, sagt Angelika Wollseifen, 1. Geschäftsführerin. „Trotzdem haben wir uns entschlossen, bodenständig zu feiern. So wie immer eben.“ Gleichwohl: „So wie immer“ ist in Berzbuir eben doch anders als anderswo.

Bruderschaft mit Tradition: Das historische Bild (o. links) zeigt die Rückkehr der Schützen aus der Pfarrkirche Lendersdorf. Heute prägen auch das Oktoberfest mit der Meisterschaft im Fingerhakeln (o. rechts) und der Weihnachtsmarkt mit dem Weihnachtsbaum-Weitwurf (u rechts) das Vereinsbild. Foto: kin

Weihnachtsmarkt mit Deutscher Meisterschaft im Weihnachtsbaum-Weitwurf, Oktoberfest mit Internationaler Rheinischer Meisterschaft im Fingerhakeln — Schützenwesen bedeutet dort längst mehr als Schießwettbewerbe und Bälle im Zelt. Beides gibt es in Berzbuir auch. „Die Dinge sind uns genau so wichtig wie das Schützen-Motto ‚Glaube, Sitte, Heimat‘. Bei uns wird das gelebt, aber nicht altmodisch und antiquiert.“

BU. Foto: kin

Keine Band aus Köln

Marita Schleicher, Maike Schüßeler, Angelika Wollseifen und Astrid Bauer (von links) engagieren sich im Schützenvorstand. Foto: kin

Häufig ist im Dürener Land zu beobachten, dass die Schützenbruderschaften und die Besucherzahlen der Schützenfeste immer kleiner werden. In Kleinhau beispielsweise wurde vor einem Jahr das letzte Schützenfest der 177 Jahre alten Gesellschaft gefeiert — weil die St-Rochus-Schützenbruderschaft überaltert war und nur noch 61 Mitglieder hatte. „Wir kennen die Schwierigkeiten, die andere Bruderschaften haben“, sagt Maike Schüßeler.

„Wir sehen auch, dass viele mittlerweile bekannte Bands aus Köln engagieren, um ihr Zelt voll zu bekommen. Für uns ist das aber kein Weg.“ Vorstandsfrau Astrid Bauer wird etwas deutlicher: „Eine ‚Kölsche Nacht‘ ist für mich eine Karnevalsveranstaltung und kein Schützenfest. Es bringt nichts, wenn das Zelt an einem Abend voll ist und danach wieder leer.“ In Berzbuir setzt man beim Schützenfest auf eine Mischung. Schleicher: „Die Fete am Freitag zieht junge Leute an. Dafür ist unsere ‚Nacht der Blasmusik‘ eher für die ältere Generation.“

Maike Schüßeler ergänzt, dass vermutlich die Gemeinschaft der Schlüssel zum Erfolg ist. „Jung und Alt arbeiten zusammen, unsere Bruderschaft ist offen für alles“, sagt sie. Schwule oder muslimische Königspaare nicht zuzulassen sei in Berzbuir „nie ein Thema“ gewesen.

„Wir haben im Vorstand darüber diskutiert und uns entschieden, absolut offen zu sein. Das war überhaupt kein Problem.“ Dazu passt, dass sich in der 96 Seiten dicken Festschrift neben dem, was man immer in einer Festschrift findet — also unter anderem Programm, langjährige Mitglieder, Überblick über die Geschichte — auch ein Artikel vom Vereinsvorsitzenden Dietmar Hacky gegen rechtspopulistisches Gedankengut mit der Überschrift „Rechts ist einfach zu einfach“ findet.

Neben Offenheit, generationsübergreifender Zusammenarbeit und vielen Ideen wie dem Weihnachtsbaum-Weitwurf, die selbst Bruderschafts-Geschäftsführerin Wollseifen manchmal „total verrückt“ vorgekommen sind, ist es vor allem die Geselligkeit, die die Berzbuirer Schützen auszeichne. „Wir treffen uns jeden Freitag im Berzberger Haus“, erzählt Vorstandsmitglied Astrid Bauer. „Dann wird geklönt, diskutiert und gespielt. Ich finde es einfach schön, dass wir unsere Freizeit im Dorf verbringen können und nicht irgendwo hinfahren müssen.“

Marita Schleicher nennt noch einen anderen Aspekt: „Es gibt hier eine große Behutsamkeit. Die Älteren achten auf die Jungen und umgekehrt. Es ist kein Problem, seine Kinder bis abends draußen spielen zu lassen. Das ist ein sehr schönes Gefühl.“ Selbst wenn viele Berzbuirer und auch viele Auswärtige mittlerweile bei den Anna-Schützen aktiv sind, glauben die vier Frauen, dass noch lange nicht jeder zu der Bruderschaft passt. „Man muss Blödsinn vertragen und anpacken können“, sagt Astrid Bauer. „Dann ist man bei uns genau richtig.“