SPD und Grüne fordern Gesamtkonzept für Bahnhofsumfeld in Düren

Dürener Bahnhofsgebäude : SPD und Grüne fordern Gesamtkonzept

Anfang Januar soll sich entscheiden, was mit dem Dürener Bahnhofsgebäude passiert. Der Kreis würde das Gebäude gerne übernehmen. Weil die Stadt sowieso das Bahnhofsumfeld aufwerten will, fordern SPD und Grüne ein Gesamtkonzept.

Dass der Dürener SPD-Fraktionsvorsitzende Henner Schmidt seine politischen Karten ganz auf CDU-Landrat Wolfgang Spelthahn setzt, kommt nicht so oft vor. Bei der Entwicklung des gesamten Areals am Dürener Bahnhof treffen sich jedoch die Interessen von Stadt und Kreis.

Wenn also Anfang Januar der Kreis, die Bahn und die Wirtschaftsförderung der Stadt in trauter Runde zusammensitzen, um unter anderem darüber zu verhandeln, unter welchen Bedingungen die Bahn bereit ist, dem Kreis das Bahnhofsgebäude zu überlassen, setzt Schmidt ganz auf das Verhandlungsgeschick des Landrates. „Eine symbolhafte Entwicklung des gesamten Bahnhofsumfeldes ist nur möglich, wenn wir das Bahnhofsgebäude in den Fokus nehmen. Der Bahnhof strahlt als Solitär aus“, sagt Schmidt.

Seit einem halben Jahr arbeitet Spelthahn intensiv daran, die Bahn davon zu überzeugen, dass der Kreis viel besser als die Bahn bisher das Bahnhofsgebäude als Eingangsportal für die Region präsentieren kann. Seine Idee: Die Rurtalbahn übernimmt das Gebäude als neuen Verwaltungssitz. Zudem soll es modernisiert werden. Im Erdgeschoss könnten dann Flächen für Gastronomie oder Läden geschaffen werden. Und wenn man den Bahnhof als Eingangsportal in die Region versteht, könnte auch ein touristischer Anlaufpunkt dort gut untergebracht sein.

Bei den Gesprächen mit der Bahn geht es aber auch noch um einen anderen Punkt: Damit wie geplant der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) nördlich des Bahnhofs bebaut werden kann, ist es zwingend notwendig, dass die Bahn auf das Areal des sich anschließenden Parkplatzes verzichtet.

Nahversorgungszentrum

Die Umwandlung dieses Bereiches zu einem Nahversorgungszentrum ist Teil des Masterplans. Mit der Firma Ten Brinke steht zudem ein Investor bereit, dieses Nahversorgungszentrum samt Parkhaus und direkter Anbindung an den Bahnhof – zum Beispiel mit einer Brücke – zu realisieren. Henner Schmidt: „Entscheidend ist, dass zur Josef-Schregel-Straße hin eine Ladenzeile entsteht und auf dem Areal ein hochwertiger Vollsortimenter angesiedelt wird, weil wir an dieser Stelle für eine Belebung sorgen wollen.“

Für Bruno Voß von den Grünen steht bei diesem Projekt zudem noch die Hoffnung im Vordergrund, dass so der Stadtteil Düren-Nord stärker an das Zentrum angebunden werden kann. Ein weiterer Teil des Masterplans ist die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes, der dann die Funktion des ZOB einnehmen soll – mit überdachter Mittelinsel und barrierefreiem Einstieg in die Busse.

Zudem gibt es die Idee, den Platz mit einem Lichtkonzept und Projektionen auf die Mauern zu illuminieren. Südlich der Bahn gibt es zwei weitere Großprojekte. So arbeitet die Stadt mit Hochdruck daran, das Areal rund um den Fritz-Keller-Weg zu entwickeln. Auch hier steht im Vordergrund, die Josef-Schregel-Straße zu beleben und eine direkte Anbindung des Bahnhofs an die Innenstadt zu ermöglichen. Zudem will die Wirtschaftsförderungsgesellschaft in diesem Bereich das als Strukturwandel-Projekt geplante Gründerzentrum ansiedeln.

Der Fritz-Keller-Weg: Die Stadt kauft hier Grundstücke auf, um ein neues Quartier zwischen Josef-Schregel-Straße und Lagerstraße entwickeln zu können. Foto: Burkhard Giesen

Ebenfalls geplant ist der Bau eines Technischen Rathauses. Das zweite Großprojekt bezieht sich auf den Bereich an der Lagerstraße. Dort stehen ebenfalls mit dem Unternehmen Ten Brinke und Projektentwickler Dirk Schlun zwei Investoren bereit, die das Areal entwickeln wollen. Entstehen sollen ein Ärztehaus, ein Wohngebäude mit Ein-Zimmer-Appartements (Henner Schmidt: „Die sind in Düren absolute Mangelware.“), ein Zwei-Sterne-Hotel und als besonderer Clou ein Kindergarten als Ersatz für die Kita in der Arnoldsweilerstraße.

Bruno Voß: „Die Idee ist, hier eine Kita-Gruppe speziell für Pendler anzubieten.“ Die könnten auf dem Weg zur Arbeit nach Köln oder Aachen ihr Kind in der Kita abgeben, auf dem Rückweg auch noch im neuen Nahversorgungszentrum einkaufen und das Kind dann wieder abholen.  Voß: „Es gibt die Zusage des Investors, dass die Kita bei diesem Projekt eine hohe Priorität hat.“

Die Idee von Schlun ist nicht neu und wurde bereits 2017 auf der Expo Real in München präsentiert. Sie stieß allerdings auf wenig Gegenliebe bei der Stadt. Baudezernent Paul Zündorf erteilte ihr damals umgehend eine Absage. Henner Schmidt und Bruno Voß bewerten das allerdings deutlich anders. Schmidt: „Wenn man eine Aufwertung des gesamten Bahnhofsumfeldes will, dann macht es keinen Sinn, nur einzelne Projekte zu entwickeln. Schmidt bezeichnet es gar als Fehler, dass sich die Stadt in den vergangenen vier Jahren nur auf die Projekte konzentriert habe, die sie selbst entwickeln konnte.

Bruno Voß: „Wenn Anfang Januar tatsächlich eine Einigung mit der Bahn gelingen sollte, müssen wir unverzüglich Baurecht schaffen. Die Investoren stehen bereit und die Bauverwaltung hat nicht die Kapazitäten, alles selbst zu realisieren.“

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