SPD: Reaktionen auf den Rücktritt von Andrea Nahles

Zum Rücktritt von Andrea Nahles : Was sagen Sozialdemokraten aus dem Kreis Düren?

Wie bewerten die Sozialdemokraten Dietmar Nietan, Liesel Koschorreck, Peter Münstermann und Jürgen Otto den Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionsvorsitzende? Eine Umfrage.

„Die, die jetzt Schnellschüsse wollen, erinnern mich an Menschen, die aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen. Wir müssen uns jetzt unterhaken und es gemeinsam schaffen, die älteste und schönste Partei Deutschlands wieder nach vorne zu bringen.“ Dietmar Nietan, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Düren sowie Bundesschatzmeister und damit Präsidiumsmitglied seiner Partei, hat sich am Sonntag auf den Weg nach Berlin gemacht, um mit der Parteiführung über die Zukunft der SPD nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionsvorsitzende zu beraten. „Es muss uns gelingen“, betonte Nietan, „dass wir unser eigenes Profil formen und ihm dann auch folgen. Damit haben wir auch schon begonnen. Diesen Weg müssen wir fortsetzen. Die Inhalte unserer Partei sind immer noch gut, aber dass Bild, das wir öffentlich abgeben, ist ein Desaster.“ Eine Partei, die sich den Zusammenhalt der Gesellschaft auf die Fahnen geschrieben habe, muss auch selbst Zusammenhalt demonstrieren. „Sonst fehlt ihr jede Glaubwürdigkeit.“

Über mögliche Nachfolger von Andrea Nahles wollte Nietan am Sonntag nicht spekulieren. „Am Spiel mit Namen werde ich mich nicht beteiligen. Ich sage nochmal: Schnellschüsse nützen jetzt niemandem. Die Partei muss gemeinsam nach vorne gehen. Und ich hoffe, dass sich daran möglichst viele beteiligen: Ortsverbandsvorsitzende genauso wie Präsidiumsmitglieder.“

Liesel Koschorreck, erste stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Düren, hält den Rücktritt von Andrea Nahles für richtig. „Immer wieder ist nach dem katastrophalen Ergebnis der Europawahl von den Menschen auf der Straße gesagt worden ‚Die Nahles muss weg’. Inhaltliche Argumente haben nicht mehr gezählt. Und ich glaube, auch Andrea Nahles selbst hätte nur verlieren können.“ Auch Koschorreck will sich an Spekulationen über einen möglichen Nachfolger nicht beteiligen. Nur so viel: „Wir brauchen jemanden, der ruhig und besonnen ist, aber auch klar sagt, in welche Richtung es geht.“

Auch Peter Münstermann, von 2012 bis 2017 SPD-Landtagsabgeordneter, Mitglied des Kreistages und Fraktionsvorsitzender in Langerwehe, hält den Rücktritt von Andrea Nahles für richtig. „Sie kommt bei den Menschen nicht gut an“, erklärt Münstermann. „Wir brauchen einen Vorsitzenden, der jung und moderat ist,. und es schafft, die Partei neu aufzustellen.“

Kühnert oder Schwesig

Münstermann kann sich Juso-Chef Kevin Kühnert und Manuela Schwesig, Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern als mögliche Kandidaten vorstellen. „Die inhaltliche Orientierung der Partei hängt doch eng mit den handelnden Personen zusammen“, sagt Münstermann. „Wir müssen über Personen und Inhalte reden. Und wir müssen so schnell wie möglich raus aus der Großen Koalition.“

Jürgen Otto, Sozialdemokrat aus Vettweiß, hält nichts von Nahles’ Rückzug. „Ich war schon nach unserem schlechten Abschneiden bei der Europawahl entsetzt, dass wieder nur über Personal und nicht über Inhalte diskutiert wurde. Das ist der falsche Weg und schlimm für die Partei.“ Auch wenn er Martin Schulz beide Ämter, also Fraktions- und Parteivorsitzvorsitz, zutrauen würde, sehe er im Augenblick niemanden, der diese Aufgaben übernehmen wolle. „Ich glaube auch nicht, dass die Große Koalition zerbricht“, sagt Otto. „Dazu hängen einfach zu viele an ihren Stühlen.“

(kin)