Düren: SPD-Marathon auf Chefsessel in Dürens Rathaus

Düren: SPD-Marathon auf Chefsessel in Dürens Rathaus

Wenn die Dürener Bürger am 13. September 2015 entscheiden, wer denn neuer Bürgermeister werden soll, wird der Name von Liesel Koschorreck mit auf dem Wahlzettel stehen. Neben dem von Amtsinhaber Paul Larue.

„Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat am Montag einstimmig Liesel Koschorreck für das Amt der Bürgermeisterin nominiert“, erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz SPD-Kreisvorsitzender Dietmar Nietan. Und: „Wir sind guten Mutes, mit Liesel Koschorreck die Wahl zu gewinnen“, schob Nietan hinterher.

Dass eine Partei zweieinhalb Jahre vor der Wahl bereits eine Spitzenkandidatin präsentiert, mag überraschen, mache aus Sicht der SPD aber Sinn, so Nietan: „Wir wollen uns nicht auf taktische Spielchen einlassen, sondern deutlich vor der Wahl den Bürgern eine konkrete Alternative zum Amtsinhaber bieten.“ Dass auch deshalb, weil zuvor — nämlich bereits im Mai 2014 — die Kommunalwahlen, also die Wahl des Stadtrates, stattfinden wird.

Schon da wollen die Genossen mit dem Tandem aus Liesel Koschorreck und dem Fraktionsvorsitzenden Henner Schmidt in die Schlacht um die Stimmen der Bürger ziehen. Dazu will die SPD zudem eine neue Strategie verfolgen. So sollen in „intensiven Bürgergesprächen“ die wichtigsten Themen für Düren diskutiert werden. Die lägen, so Nietan, auf der Hand: „In Düren herrscht Stillstand. Düren braucht einen Masterplan für die gesamte Stadt, es bedarf städteplanerischer Akzente und die Wirtschaftsförderung muss angekurbelt werden. Wir brauchen eine Alternative zu dem fehlenden Mut, klare Entscheidungen zu treffen.“

Dass Liesel Koschorreck auch „Lust“ auf den Posten des Chefs der Verwaltung hat, daran lässt die 61-Jährige keinen Zweifel. „Ich bin seit 30 Jahren in der Politik. Ich stehe für den Dialog und ich stehe auch dafür, Bürger frühzeitig in Entscheidungen einzubinden.“ Sie will aber sehr bewusst auch noch für etwas anderes stehen: „Ich will statt der Misstrauenskultur gegenüber der Politik wieder eine Vertrauenskultur schaffen.“ So soll zum Beispiel ein Schwerpunkt im Wahlkampf „die Jugend als wichtiges Thema“ sein.

Wie realistisch sind die Chancen der SPD, Amtsinhaber Paul Larue abzulösen? Die Frage kann die SPD nur indirekt beantworten. Ihre Ziele sind jedenfalls klar definiert: Das Tandem Koschorreck/Schmidt soll zunächst bei der Kommunalwahl eine „politische Gestaltungsmehrheit jenseits der CDU“ organisieren. Also eine rot-grüne Mehrheit oder die Mehrheit für eine Ampel-Koalition. Im zweiten Schritt, der Bürgermeisterwahl, ist das Ziel deutlich vorsichtiger formuliert: Man will Larue in eine Stichwahl zwingen. Dietmar Nietan: „Ich sehe eine große Chance für die politische Kultur. Liesel Koschorreck verfügt über Entscheidungsfreude, Durchsetzungsvermögen und Glaubwürdigkeit.“ Was Nietan damit eigentlich sagen will: Das sind genau die Attribute, die die SPD beim Amtsinhaber vermisst. Henner Schmidt sagt es so: „Wir haben eine echte Chance, Paul Larue unter 50 Prozent zu drücken.“ Sein Beleg: Bei der letzten Landtagswahl konnte die damalige Kandidatin Koschorreck über 45 Prozent erreichen — allerdings gegen Rolf Seel.

Liegt in der frühzeitigen Kandidatur ein Risiko? Zum Beispiel wenn schon die Kommunalwahl anders für die SPD ausgehen sollte, als erhofft? Liesel Koschorreck: „Man kann in der Politik nicht abwägen, was wann wo passieren könnte. Wenn ich Angst vor dieser Aufgabe hätte, wäre ich in der Politik falsch.“ Außerdem habe sie längst die Erfahrung gemacht, nicht immer nur Rückenwind für ihre Positionen zu erleben: „Mir gefällt Politik, auch wenn sie nicht immer Spaß macht.“ Abgesegnet werden muss der Vorschlag des SPD-Stadtverbandes, der mit allen Vorsitzenden der Ortsvereine abgestimmt wurde, noch von den Mitgliedern. Schon in drei Wochen soll das Projekt „Marathonlauf auf den Posten des Bürgermeisters“ auf einer Versammlung allen Mitgliedern vorgestellt werden.

Mehr von Aachener Nachrichten