Niederzier: Sozialpädagogische Hilfe schon in der Grundschule

Niederzier: Sozialpädagogische Hilfe schon in der Grundschule

Kinder, die ohne Pausenbrot zur Schule kommen, oder gehänselt werden, weil sie wieder einmal nicht alle Schulbücher im Ranzen haben. Eltern, die nicht nur finanziell, sondern auch bei der Erziehung überfordert sind, die Probleme haben, ihr eigenes Leben zu organisieren und deshalb nicht selten ihre Kinder emotional vernachlässigen.

Auch wenn sie einen akuten Fall von Kindeswohlgefährdung bisher noch nicht feststellen musste, fällt die erste Bilanz von Eva Jaek ernüchternd aus.

Seit knapp einem Jahr betreut die gemeindliche Sozialpädogogin mit ihrem Kollegen Werner Heiderich auch die vier Grundschulen der Gemeinde. Das war ein Anliegen der Schulleiterinnen. Das die Probleme schon in der Grundschule so groß sind, war auch Bürgermeister Hermann Heuser neu. „Alle zwei Wochen sind wir für zwei Schulstunden vor Ort“, erklärt Eva Jaek. Mal ist es ein auffälliges Verhalten, das die Sozialpädagogen hellhörig werden lässt, mal der schwierige soziale Hintergrund der Kinder.

Die Sorgen und Nöte, die Eva Jaek und ihr Kollege festgestellt haben, sind so vielschichtig, dass ihre Arbeit jetzt sogar weiter ausgedehnt werden soll. Denn mit den zwei Stunden, und damit, den Kindern zuzuhören und sie vielleicht auch einmal in den Arm zu nehmen, weil im Elternhaus das Zwischenmenschliche viel zu kurz kommt, ist es in der Regel nicht getan. „Die eigentliche Arbeit fängt nach den Gesprächen an“, betont die 32-Jährige, die gerne eine Metapher benutzt: „Wenn das Fundament nicht stimmt, wackeln irgendwann die Wände.“ Und soweit soll es nicht kommen.

Deshalb suchen Eva Jaek und ihr Kollege über die behutsam aufgebaute Beziehung zum Kind so schnell wie möglich den Kontakt zu den Eltern, um zu erkennen, wo die Ursachen der Probleme liegen. Mal ist es die Unwissenheit über mögliche Transferleistungen, mal die Scheu Hilfe anzunehmen, um nicht ins Gerede zu kommen. Eva Jaek und Werner Heiderich helfen dann beim Ausfüllen von Formularen, um zum Beispiel Wohngeld oder Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen, damit der Sohn oder die Tochter in einem Verein gehen kann. Sie vermitteln Angebote zur Alltags- und Lebensbewältigung und zeigen Freizeitangebote auf.

„Dabei hilft uns als gemeindlichen Sozialpädagogen natürlich, dass wir vor Ort hervorragend vernetzt sind“, betont Eva Jeak. Und dabei denkt sie nicht nur an die kurzen Wege innerhalb der Verwaltung. „Wir kennen das Umfeld der Kinder, ihre Treffpunkte, kennen die Vereine und sehen die meisten Jungs und Mädchen auch bei den regelmäßigen Kindertreffs am Nachmittag in den Bürgerhäusern“, erklärt Eva Jaek. „So können wir sofort nachhören, ob sich etwas verbessert hat und die Eltern gegebenenfalls direkt in die Pflicht nehmen.“ Das sei ein entscheidender Vorteil. „Und wir gehören nicht zum Schulsystem“, spricht die 32-Jährige zwar von einer sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Schulleiterinnen. „Wir dürfen aber vollkommen unabhängig arbeiten.“

Zehn Familien haben die Sozialpädagogen kontinuierlich betreut — ohne Zwang, auf freiwilliger Basis. Das ist ihnen wichtig. Darüber hinaus haben sie eine ganze Reihe von Schülern beraten. Eva Jaek ist überzeugt, dass der Bedarf weiter steigen wird. „Manchmal müsste man bereits in den Kindergärten ansetzen“, weiß sie. Aber das ist auch in der „reichen“ Gemeinde Niederzier noch Zukunftsmusik.

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