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Schwierige Ermittlung von Corona-Kontakten: Soldaten als Hilfe im Dürener Gesundheitsamt

Schwierige Ermittlung von Corona-Kontakten : Soldaten als Hilfe im Dürener Gesundheitsamt

Um die Corona-Infektionsketten zu ermitteln, benötigt der Kreis Düren mehr Personal. Das soll unter anderem von der Bundeswehr kommen, zehn Kräfte sind angekündigt. Unterdessen gibt der aktuelle Wert der 7-Tages-Inzidenz von 197,6 Anlass zu Diskussionen über mögliche weitere Einschränkungen.

Als der Inzidenzwert am Montag über 200 kletterte, nahm der Kreis Düren Platz eins in der NRW-weiten Corona-Statistik ein. Landrat Wolfgang Spelthahn reagierte kurzfristig mit einer Videobotschaft und meinte zum Thema Lockdown: „Soweit sind wir noch nicht.“ Er machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass dies durchaus eine Option bleibt, sollten die Zahlen weiter steigen.

An dieser Sachlage hat sich auch am Dienstag nichts geändert. Außer: Mit einem Wert von 197,6 fiel der Kreis Düren wieder unter der 200-Marke, deren Überschreitung in zwei bayerischen Landkreisen eben zum Lockdown geführt hat. Dass sich Spelthahn als Chef der Kreisverwaltung mit weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens schwer tut, wird in der Videobotschaft deutlich: „Die wahren Ursachen für das Aufflammen der Pandemie liegen bei Familienfeierlichkeiten und privaten Veranstaltungen“, sagt er.

Die Kreisverwaltung stößt bei der Nachverfolgbarkeit schon jetzt an Kapazitätsgrenzen. Das Gesundheitsamt wird mit Bediensteten des Kreises aus verschiedenen Bereichen verstärkt. Vor zehn Tagen wurden darüber hinaus mit einer Anzeige Studierende und Schüler gesucht, die unterstützen. Beantragt ist auf direktem Dienstweg auch eine Hilfe von der Bundeswehr. Zehn Soldaten sollen zum Coronavirus-Team des Kreises stoßen – wann sie kommen, ist ungewiss. Mehr als 120 Personen sind dann im Kreis Düren alleine damit betraut, Infektionsketten zu verfolgen.

Auch die Verwaltung ist nicht gegen Corona-Fälle gefeit. Ein Fall legt derzeit das Bürgerbüro der Stadt Düren lahm. 18 Mitarbeiter sind vorsorglich in Quarantäne. Daher ist bis Dienstag, 3. November, nur ein Notschalter geöffnet, am Samstag besteht gar kein Betrieb. Nach Aussagen von Rechtsdezernentin Christine Käuffer lag die Frequenz bei zwischen 160 und 220 Kunden pro Tag. „In der aktuellen Situation mit den wenigen verfügbaren Mitarbeitern reduziert sich die Zahl deutlich und wir schaffen rund 20 bis 30 Prozent davon“, erläutert Käuffer weiter. Sie geht davon aus, dass der Notfallplan nicht über den 3. November hinausgeht – dann werden alle liegen gebliebenen Fälle abgearbeitet.

Die Telefone im Gesundheitsamt des Kreises Düren stehen in der Corona-Pandemie nicht mehr still. Seit Monaten hilft Personal aus anderen Fachämtern. Foto: MHA/Kreis Düren

Eine kurzfristige Änderung betraf vor gut zwei Wochen die Innenstadt-Streifen des Ordnungsamtes. Damals wurde ein Mitarbeiter tätlich angegriffen, deswegen bilden aus Sicherheitsgründen jetzt drei statt zwei Personen die Streife. Seitdem seien „glücklicherweise keine größeren körperlichen Angriffe mehr zu verzeichnen gewesen“, betont Käuffer. Zu Problemen bei der Koordinierung habe diese Änderung jedoch nicht geführt, sagt die Rechtsdezernentin. Vielmehr bestimmen die Corona-bedingten Zusatzaufgaben (Kontrolle von Maskentragen, Gewerbe, Gaststätten, stichprobenartig bei Quarantänefällen) die „Priorisierung der Kontrollen und Einsätze“.

Mitte des Monats hatte die Stadt geprüft, für „einige Maßnahmen Amtshilfe in Anspruch zu nehmen“, was jedoch nicht geklappt habe, unter anderem wegen der nötigen Ausbildung. Anders als erhofft steht nicht mehr Personal für Außeneinsätze zur Verfügung. Für den Innendienst könnte es anders aussehen, wenn sich die Lage zuspitzt. Helfen Land und Bundeswehr mit Personal aus? Käuffer: „Es gab zwar eine Abfrage des Landes zur Hilfestellung bei der Überprüfung von Quarantänemaßnahmen, auf die wir mit der Bitte um Unterstützung geantwortet haben. Bislang haben wir jedoch eine solche Hilfe nicht erhalten.“

Eine offizielle Inzidenzzahl für die Gemeinde Aldenhoven gibt es nicht, da der Wert für Kommunen von dieser Größe nicht berechnet wird. Rechnet man sie trotzdem auf 100.000 Einwohner hoch, dann liegt das 14.000 Einwohner starke Aldenhoven mit 44 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen bei einem Wert von über 600. Die Gemeinde hat deswegen schon vor dem Wochenende beschlossen, sämtliche Turnhallen für Vereinssport und Veranstaltungen zu schließen. Selbiges gilt für Vereinsheime und Veranstaltungsräume.

Wer die Pandemie stoppen kann? „Wir alle“, sagt Dr. Norbert Schnitzler, der sich als Leiter des Kreisgesundheitsamtes an der Videobotschaft beteiligte. „Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Händedesinfektion und Lüften – alles ganz einfach. Wenn sich alle daran halten würden, hätte das Virus keine Chance.“ Die Einhaltung der Vorgaben soll nun von den Ordnungsämtern im Kreis intensiver kontrolliert werden.