Merzenich: Skurril-launische Bestbesetzung: Uwe Ochsenknecht in Merzenich

Merzenich: Skurril-launische Bestbesetzung: Uwe Ochsenknecht in Merzenich

Uwe Ochsenknecht fackelt nicht lange herum: Eher unauffällig in Turnschuhen, Jeans und mit offenem Hemd bekleidet bahnt er sich seinen Weg durch das Publikum in der Alten Kirche, nimmt auf der Bühne Platz, um sodann einen Einblick in die Gefühlswelt eines Auftragskillers zu geben: „Wenn zwischen zwei Schüssen mehr als drei Monate vergehen, werde ich unausstehlich.”

Keine Begrüßung, kein kurzes Hallo, nein, den rund 200 Anwesenden werden sofort solcherart pechschwarz-humorige Sätze um die Ohren gehauen.

Man merkt, dass Ochsenknecht Schauspieler ist. Geht der Vorhang auf, ist der Mime in seiner Rolle. Und auch wenn er auf Einladung des Vereins „Merzenich Event” zur Lesung nach Merzenich gekommen ist, so ist das, was er aus dem Roman „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen” des isländischen Autors Hallgrimur Helgason macht, doch weit mehr als bloßes Vorlesen: Gestenreich und mit starker Mimik verleiht Ochsenknecht den Romanfiguren Leben.

Für den skurril-schwarzhumorigen Roman des Isländers ist der Schauspieler die Bestbesetzung: Lakonisch-launisch gibt er den Kroaten Tomislav Boksic, genannt „Toxic”, der als Auftragskiller in New York arbeitet. Weil sein letztes Opfer ein FBI-Agent war, muss er fliehen. Auf der Flucht tötet er einen Priester, der auf dem Weg nach Island war. Der Killer nimmt also die Identität von Reverend Father Friendly an und reist an seiner Stelle in dieses unwirtliche „Mondland”.

Dort beginnen die Komplikationen natürlich erst richtig, denn „Toxic” mutiert gezwungenermaßen vom Saulus zum Paulus, wird er doch von der isländischen Gemeinde sehnlichst erwartet. Der skurrile Humor des Autors bietet Ochsenknecht dabei die eine und andere Steilvorlage, die beim Zwerchfell des Publikums ins Schwarze treffen. Doch es werden auch ernste Töne angeschlagen, hinter dem schwarzem Humor der Geschichte verbirgt sich ein Anti-Kriegsroman.

Als die Lesung zu Ende ist, geht Ochsenknecht so wie er kam - wortlos. Im nahegelegenen Heimatmuseum zeigt sich der Mime dann aber doch gesprächig und gibt fleißig Autogramme.

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