Düren: „Skunk-KG“: Aus Schloss Burgau wird eine „Narren-Heil-Anstalt“

Düren : „Skunk-KG“: Aus Schloss Burgau wird eine „Narren-Heil-Anstalt“

Ute Albert ist eine Rampensau — im positiven Sinn. „Wenn ich eine Bühne sehe“, sagt sie, „habe ich das Gefühl, da rauf gehen zu müssen.“ Seit Donnerstagabend steht Ute Alberts Bühne im Rittersaal von Schloss Burgau — seit sieben Jahren ist die Zahntechnikerin Mitglied der „Skunk KG“. „Ich finde es toll, hier die Möglichkeit zu bekommen, Themen, die in Düren nicht so gut laufen, anzusprechen.“

Die „Skunks“ haben für ihre mittlerweile 17. Karnevalsrevue wieder eine besondere Geschäftsidee entwickelt — in Anbetracht der ganz offensichtlich immer wahnsinniger werdenden Welt haben sie kurzerhand eine „Narren-Heil-Anstalt“ gegründet. Das Publikum wird vom Chefarzt der psychiatrischen Klinik (Kai Meister) in Psycho-Gruppen eingeteilt und bekommt auch gleich sein Fett weg: „Sie sind schließlich hier, weil Sie Bedarf haben. Dafür brauchen Sie sich nicht zu schämen. Man sieht es ja auch.“

„Narren-Heil-Anstalt“: Im 17. Jahr ihres Bestehens versuchen die „Skunks“ zu thearpieren — zu den Patienten gehören Mitglieder des Dürener Steuerausschusses, Museumschefin Renate Goldmann, Depri-Addy und die wiederauferstanden Janis Joplin. Foto: Sandra Kinkel

Die Patienten, die in der „Narren-Heil-Anstalt“ wegen „kognitiven Dissonanzen“, Essstörungen und fehlgeleiteten Persönlichkeitsentwicklungen therapiert werden, sind eine wirklich illustre Runde. Da ist zum Beispiel SPD-Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietan, der auf die „Skunk“-Couch muss, weil er Angst hat, seine Familie nicht mehr versorgen zu können. Warum? Weil er erst rund zehn Stunden nach Schließung der Wahllokale zur Bundestagswahl erfahren hat, dass er es noch einmal in Parlament geschafft hat, und bis dahin fürchtete nur von seiner Vergütung als Bundesschatzmeister leben zu müssen. Oder Renate Goldmann, bis zum Herbst Leiterin des Dürener Museums, die bei den „Skunks“ angesichts des kleingeistigen Dürens unbedingt eine Entschlackung für ihr geniales Hirn braucht. Sie habe aus dem Dürener Museum einen Louvre mit Ableger in Abu Dhabi machen wollen, aber der Bürgermeister sei mit ihrem Tempo einfach nicht mitgekommen. „Ist es denn meine Schuld, dass der Kulturausschuss den Museumszwang abgelehnt hat?“

„Narren-Heil-Anstalt“: Im 17. Jahr ihres Bestehens versuchen die „Skunks“ zu thearpieren — zu den Patienten gehören Mitglieder des Dürener Steuerausschusses, Museumschefin Renate Goldmann, Depri-Addy und die wiederauferstanden Janis Joplin. Foto: Sandra Kinkel

Kleine schwarze Koffer

In der Klapse treffen sich aber auch die Mitglieder des Dürener Steuerausschusses, und endlich wird deutlich, dass bei der Vergabe der Annakirmesplätze kleine schwarze Koffer eine Rolle spielen — der von Raupen-Rita ist größer als der von Scooter-Kalle. Das macht „Huba Buba“ die Entscheidung, wer mit seinem Fahrgeschäft nach Düren kommen darf, ziemlich leicht.

Es geht aber auch um den Dürener Schlachthof („Wozu das Gewissen verrenken, kommen Sie doch gleich zum Schlachthof Frenken“), die „MeToo“-Debatte und weil Adolf Hitler — wegen seiner schweren Depressionen nur „Depri-Addy“ genannt — auch bei den „Skunks“ behandelt wird, bekommen auch die AfD, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan tüchtig ihr Fett weg. Die AfD ist für „Depri-Addy“ ein „lächerlicher Dilettantenverein“ und Alice Weidel eine Frau, die an den Herd und nicht an die Spitze einer Bewegung gehört. Donald Trump bekommt den Titel „inkontinenter Twitterer“, der die Wahl nur gewonnen hat, weil sein Gegner eine Frau war. Besser ist „Depri-Addy“ schon auf Erdogan zu sprechen — ein Angriffskrieg mit deutschen Waffen ist aus seiner Sicht schlicht „hervorragend“. Insgesamt dauert die „kabarettistische Karnevalsrevue“ rund vier Stunden, ohne eine Sekunde langweilig zu sein.

Es war eine kreative, originelle und sehr intelligente Show. Und auch wenn die „Skunks“ wieder herrlich frech und wunderbar bissig sind, den Finger ganz tief in die Wunde legen und genau da hingucken, wo es richtig wehtut — man merkt ihnen trotzdem an, dass sie mit ihrer Heimatstadt Düren eng verbunden sind. Herbert Grönemeyers Hit „Bochum“ bekam einen Dürener Text („Du bist keine Schönheit, auch wenn man noch so viel pflastert.“).

Und Ute Albert? Der liegt auch Düren sehr am Herzen. „Die Nummern mit ganz viel Lokalkolorit sind mir die liebsten“, sagt sie. „Es ist einfach schön, wenn man die Menschen auf humorvolle Art und Weise für kritische Themen sensibilisieren kann.“