Düren: Sind die Ladenmieten in der City zu hoch?

Düren: Sind die Ladenmieten in der City zu hoch?

Eine alt eingesessene Kneipe schließt, ein Schuhladen ebenfalls, ein großes Bekleidungsgeschäft steht schon länger leer — die Dürener City ist im Wandel. Liegt es an zu hohen Ladenmieten, dass Geschäftsinhaber aufgeben oder einfach in ein günstigeres Domizil nebenan ziehen?

„Was manche Vermieter in der Innenstadt für ein Ladenlokal an Miete verlangen, ist schon Wahnsinn“, sagt Rolf Delhougne, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung. Und das oft für ältere Häuser, die dringend eine Sanierung nötig hätten. Ähnliche Beobachtungen hat auch Daniel Böttke, Manager des Stadtcenters, gemacht: „Einige Ladenmieten in der City sind nicht mehr marktgerecht.“

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Düren hat die Mietpreise für Ladenlokale zuletzt 2008 ermittelt. Das „teuerste Pflaster“ war demnach die Wirtelstraße. Für ein 200 Quadratmeter großes Ladenlokal waren Mieten zwischen 50 und 80 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche fällig. Im zentrumsnahen Teil der Weierstraße 20 bis 30 Euro, in der Zehnthofstraße 25 bis 35 Euro. Jürgen Fischöder, Vorsitzender des Gutachterausschusses in Düren, bezweifelt allerdings, dass die Mietpreise von 2008 für Düren noch aktuell sind. „Da war die Wirtschaftskrise zwischen.“

Konkrete Zahlen nennt heute niemand, nicht einmal hinter vorgehaltener Hand. Immobilienbesitzer Hans-Dieter Hecker, sagt nur so viel: „Die Ladenmieten in der Dürener City haben sich in den vergangenen Jahren drastisch reduziert, teilweise um die Hälfte.“ Und auch Thomas Bücken, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Immobilienbesitzer in der Innenstadt (IVI), betont: „80 Euro zahlt da keiner mehr.“

Walter Birnbaum, Geschäftsführer des Modehauses Havlicek, geht schon davon aus, dass in guten Lagen in der Innenstadt noch 50 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche an den Vermieter gezahlt werden. Ein stolzer Preis, etwa im Vergleich zur Nachbarstadt Eschweiler. In der Fußgängerzone „Grabenstraße“ fänden heute Vermieter nur dann einen neuen Mieter, wenn sie höchstens zehn Euro je Quadratmeter verlangen, so die Auskunft von Klaus Dieter Bartholomy vom Citymanagementverein. „Wer deutlich mehr verlangt, wird sein Ladenlokal nicht los.“

Doch die hohe Miete allein sei meist nicht schuld daran, dass ein Händler aufgebe, so Birnbaum. „Die Nebenkosten für Strom und Heizung sind inzwischen so gestiegen, dass sie mehrere tausend Euro im Jahr ausmachen. Besonders, wenn lange nicht in die Isolierung der Immobilie investiert wurde.“ Vielen Geschäften mache heute auch das Internet zu schaffen. Birnbaum: „Wir haben einen Umschwung im Einzelhandel. Vor allem die jungen Leute kaufen sich ihre Waren zunehmend über das Internet.

So hat jeder Mitbürger Einfluss darauf, wie die Stadt langfristig aussieht!“ Citymanager Wilhelm Streb hält Streit zwischen Vermieter und Mieter um die Ladenmiete für Einzelfälle. Dass ein Laden schließe oder umziehe, habe manchmal völlig simple Gründe: „Da ist zum Beispiel der Einzelhändler in der Zehnthofstraße, der einfach mehr Platz brauchte. Oder es gab den Anbieter, der einen neuen Laden eröffnete, aber keine Ahnung vom Geschäft hatte. Ständig wechselnde Öffnungszeiten verprellten am Ende auch den letzten Kunden.“

Für Streb bleibt die Stadt Düren, was den Einkauf angeht, ein attraktiver Standort. Die Zentralitätskennziffer 133 zeige, dass mehr Kunden zum Einkauf nach Düren ein- als auspendeln. Allerdings sei deren Kaufkraft gesunken. Das hat auch Walter Birnbaum beobachtet: „Die Leute haben nach dem Einkauf kaum etwas in ihren Tüten.“