Kreuzau: Siegfried Schmühl geht nach fast 50 Jahren in den Ruhestand

Kreuzau : Siegfried Schmühl geht nach fast 50 Jahren in den Ruhestand

Die Gemeinde Kreuzau kennt Siegfried Schmühl wie seine Westentasche. Kein Wunder. In Üdingen ist er geboren, in Üdingen hat er die Volksschule besucht. Und den größten Teil seines Arbeitslebens hat er in der Gemeindeverwaltung Kreuzau verbracht. Viele, viele Jahre als Leiter des Bauamtes, seit 2013 als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters.

Der Blick vom Bereich Schafsbenden oberhalb von Bogheim, knapp 300 Meter über Normalnull, ist für ihn der schönste im Gemeindegebiet.

In Zukunft wird Siegfried Schmühl häufiger diesen Blick über und in das Rurtal und einigen „seiner“ Dörfer genießen. Denn: Der 64-Jährige tritt Ende des Monats in den Ruhestand. Nach 49 Jahren Dienst in zwei Verwaltungen — kurz in Nideggen, lange in Kreuzau. Schmühl geht mit einem Blick der Zufriedenheit in den neuen Lebensabschnitt.

„Ich bin jeden Tag mit Freude zur Arbeit gegangen, weil ich in diesen überschaubaren Verwaltungen immer eine abwechslungsreiche Arbeit erledigen durfte.“ Vom Winterdienst bis zur Bauleitplanung — in seinen Aufgabenbereich im Bauamt fielen viele Bereiche. Die Freude an der Arbeit begann für Schmühl sehr früh: Nach der Mittleren Reife an der Dürener Realschule Wernersstraße begann er seine Ausbildung bei der Nideggener Stadtverwaltung und an der Fachhochschule für Verwaltung in Aachen. In Nideggen lernte er schnell, Verantwortung zu übernehmen: „Als 18-Jähriger habe ich als stellvertretender Bauamtsleiter schon in Ausschüssen und Räten Vorlagen erläutern dürfen.“ Er sagt „dürfen“ und nicht „müssen“.

Schmühl sagt denn auch, dass er immer gerne Verantwortung übernommen hat. „Jede Vorlage, über der mein Name als Sachbearbeiter stand, ist auch meine Vorlage gewesen. Ich habe zu jedem Wort gestanden.“ Wenn die Politik dann seinen Vorlagen nicht folgte: „Gut, dann hat sie halt so entschieden, was ihr gutes Recht ist.“

In Sitzungen wirkte Schmühl manchmal knurrig: „Nach außen sehe ich schon mal aus wie jemand, der nur eine harte Schale hat, doch in meinem Inneren steckt ein weicher Kern“, sagt er. Und so hat er seine Arbeit nicht als Beamter gesehen, der sich an Paragrafen festhält, sondern als jemand, „der im legalen Rahmen pragmatisch versucht, Lösungen für Probleme zu finden.“

Bei allen Problemen, mit der die Gemeinde Kreuzau zu kämpfen hat: Schmühl ist stolz darauf, dass die Kommune für viele Felder schon früh, teilweise in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die „Weichen richtig gestellt hat“. Beispielsweise in der Abwasserversorgung, als die Kommune mit Düren den Vorgänger des Wasserverbandes Eifel-Rur gründete, als sie als erste Gemeinde die Kläranlagen wie auch die Gewässerunterhaltung an den Verband abtrat.

Zufrieden ist Schmühl, dass die verhältnismäßig kleine Kommune ihren Einwohnern schon früh das klassische dreigliedrige Schulsystem bieten konnte, dass immer wieder neue Baugebiete erschlossen wurden, dass die Gemeinde mitgeholfen hat, ihren Bürgern eine breitgefächerte Ärztelandschaft bieten zu können. Und Pionier in Nordrhein-Westfalen war Kreuzau in puncto Interkommunales Gewerbegebiet: „Unsere Zusammenarbeit mit Düren ist als Musterbeispiel gelobt worden“, freut sich Schmühl.

Wie auch über den Umbau der Hauptstraße vor vielen Jahren: „Die Baumallee ist sehr gelobt worden, die ja auch Fußgänger und Radfahrer von den Autofahrern trennt.“ Nur die Straße müsste breiter sein. Das scheiterte damalsaber an den Förderungsvorgaben.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: „Es hat keiner damit gerechnet, dass aus den kleinen Papierfabriken im Rurtal diese großen Firmen wurden.“ Deshalb hat Kreuzau ein Problem: den Lkw-Verkehr im Zentralort. Schmühl ist ernüchtert: „Es gab immer wieder Vorschläge, aber wir werden es nicht lösen können.“

Oder doch? Eine Idee aus dem Masterplan könnte zumindest eine Verbesserung bringen: Aber der Abriss des Edeka und einer Bäckerei mitten im Zentralort erfolgt nur, wenn für beide Betriebe eine wirtschaftlich vernünftige Lösung gefunden wird. „Dass der Eigentümer des Gebäudes eine sichere Zukunft an einem neuen Standort erwartet, ist doch selbstverständlich.“

Stichwort Zukunft: „Die Gemeinde muss sehen, dass sie dem demografischen Wandel entgegenwirkt. Neue Baugebiete müssen kommen, auch um Schulen und Ärzte in der Gemeinde halten zu können“, sagt Schmühl. Die Interkommunale Zusammenarbeit in Sachen Gewerbegebiete müsse erfolgreich fortgesetzt werden. Die kleineren Ortschaften dürften nicht veröden.

Der Privatmann Siegfried Schmühl wird sich anderen Aufgaben widmen, nicht nur dem heimischen Garten: „Ich werde jetzt Zeit haben, wieder Tischtennis zu spielen. Wegen der vielen Sitzungen war dies nicht möglich.“ Apropos Sitzungen: In seinem Berufsleben nahm Schmühl an weit über 1000 teil. Und von den 240 Bauausschusssitzungen hat er nur zwei verpasst. „Insgesamt keine zehn“, sagt er und lächelt: „Jetzt kann ich auch Urlaub nehmen, wann ich will.“