Buslinie 208: Sicherheit an den Bushaltestellen steht im Vordergrund

Buslinie 208 : Sicherheit an den Bushaltestellen steht im Vordergrund

Vor knapp einem Jahr ist an der B477 im Vettweißer Ortsteil Gladbach ein Junge ums Leben gekommen, weil er beim Überqueren der Landstraße von einem Lastwagen erfasst worden war. Der Junge war aus dem aus Richtung Nörvenich kommenden Bus mit anderen Schülern an der Bundesstraße ausgestiegen.

Nur knapp einen Monat nach dem Unfall wurde die Bushaltestelle in Gladbach von der B477 in den Ort verlegt. Geplant ist, an der Bundesstraße die Haltestellenregelung zu ändern. Die aus nördlicher Richtung kommenden Busse sollen in Höhe Gladbach auf einer neuen Fahrspur nach links auf den parallel zur B477 laufenden Römerweg abbiegen.

Dort gibt es dann eine neue Haltestelle. Bürgermeister Joachim Kunth (CDU): „Wenn es die neue Haltestelle gibt und die Busse nicht mehr durch Gladbach fahren müssen, also nicht mehr so viel Fahrtzeit verlieren, wollen wir die Haltestelle an der B477 in Sievernich verlegen, so dass auf unserem Gemeindegebiet kein Schüler mehr die Bundesstraße überqueren muss.“ Der Umbau der Bushaltestelle in Gladbach kostet rund 94.500 Euro. Die Gemeinde übernimmt die Planungskosten in Höhe von 14.500 Euro, den Rest trägt Straßen.NRW.

Buslinie 208

Es ist die Linie 208 der Dürener Kreisbahn (DKB), die von Düren nach Zülpich und eben auch entlang der B477 fährt. Neben den beiden Haltestellen in Vettweiß gibt es zwei, nämlich in Hochkirchen und Eggersheim, auf dem Gebiet der Gemeinde Nörvenich.

Die dortigen Kommunalpolitiker denken ebenfalls über Maßnahmen nach, wie die Haltestellen sicherer gestaltet werden können. Dabei geht es auch um die Verlegung der Bushaltestellen in den innerörtlichen Bereich, aber nicht nur. Die Kommunalpolitiker haben sich schon für eine bessere Beleuchtung der Haltestelle in Hochkirchen ausgesprochen, die zum Teil auch schon umgesetzt wurde.

Grundsätzlich, erklärt Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU), sei der Landesbetrieb Straßenbau NRW für den Bund tätig, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für sicheren Straßenverkehr zu schaffen. Dort sehe man dies als erfüllt an, wenn alles dem „Stand der Technik“ entspricht.

Czech: „Vor diesem Hintergrund wären wohl mit den vorhandenen Querungshilfen und dem Tempolimit von 70 anstelle von 100 km/h die notwendigen Maßnahmen getroffen. Wenn die Gemeinde dies nicht für ausreichend hält, dann steht es ihr frei weitere Maßnahmen zu beantragen.“ Wenn die genehmigt würden, müsste die Kommune die Kosten für alle Veränderungen außerhalb der Fahrbahn tragen. Czech: „Und das obwohl es sich um eine Bundesstraße handelt, von der die Gefahr ausgeht.“

Macht es Sinn, die Bushaltestelle in Hochkirchen von der B 477 in den Ort zu verlegen? Darüber diskutiert der Nörvenicher Rat. Foto: kin

Nach dem tödlichen Unfall in Gladbach hat es eine „anlassbezogene Verkehrsschau“ mit Vertretern von Straßenverkehrsamt, Polizei, Straßen.NRW und den Gemeinden Nörvenich und Vettweiß gegeben. Anschließen sind bei einem Treffen die Ergebnisse präsentiert und die Vor- und Nachteile verschiedener baulicher Optionen erörtert worden.

Czech: „Dabei hat sich gezeigt, dass es keine Musterlösung gibt, die man an allen Haltestellen umsetzen kann. Die örtlichen Gegebenheiten sind zu unterschiedlich.“ Der Kreis, ergänzt Czech, habe als Auftragsbehörde für die DKB angekündigt, mögliche Maßnahmen, wie eben eine Verlegung der Haltestellen, mitzutragen.

Für die Gemeinde Nörvenich wäre die Verlegung mit hohen Kosten verbunden. Für Hochkirchen rechnet man mit rund 92.000 Euro, in Eggersheim mit bis zu 161.000 Euro. Czech: „Wir haben in Hochkirchen nicht die Möglichkeit wie in Gladbach, dass parallel zur B477 eine Straße durch den Ort verläuft. Sowohl in Hochkirchen als auch in Eggersheim müsste die Gemeinde zunächst Land erwerben und umfangreiche Baumaßnahmen durchführen.“

Eins ist dem Verwaltungschef in diesem Zusammenhang besonders wichtig: „Wir führen diese Diskussion nicht vor dem Hintergrund von Kosten. Wenn es um die Sicherheit von Menschen geht, darf das keine Rolle spielen.“ Gleichwohl spricht Czech von einer „äußerst schwierigen Entscheidung“. Wenn die Bushaltestelle in Hochkirchen in den Ort verlegt würde, erklärt der Bürgermeister, würde dass bedeuten, dass der Bus, der ähnlich schwerfällig wie ein Lkw ist, zusätzlich zweimal die B477 queren beziehungsweise nach dem Anfahren in 70 km/h schnellen Verkehr einfädeln müsste.

„Auch das birgt Risiken und zudem verlängert das Warten auf ausreichend große Verkehrslücken für den Abbiegevorgang die Fahrtzeit nicht unerheblich.“ Würden alle sechs Haltestellen der Linie 208, nämlich in Hochkirchen, Eggersheim, an der Rengershausener Mühle, Gladbach, Mersheim und Sievernich, verlegt, könnte sich die Fahrtzeit des Busses um etwa 18 Minuten (drei Minuten pro Haltestelle) verlängern.

Czech: „Die heutige Fahrzeit von Nörvenich-Bahnhof und Zülpich Adenauerplatz würde dann nicht mehr 27, sondern 45 Minuten betragen.“ Immerhin 68 Kinder und Jugendliche aus Nörvenich gehen in Zülpich zur Schule. Czech: „Auch das müssen wir berücksichtigen.“

Entscheidung im November

Die Mitglieder des Bau- und des Schulausschusses werden sich in ihrer nächsten Sitzung am Dienstag, 9. Oktober, die Situation an den Bushaltestellen vor Ort ansehen und dabei neben den Haltestellen in Hochkirchen und Eggersheim auch die an der L263 gelegenen Haltestellen Birkenhof und Ollesheim sowie die an der L264 gelegene Haltestelle Isweiler betrachten. Eine endgültige Entscheidung wird der Gemeinderat voraussichtlich in seiner Novembersitzung treffen.

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