Düren: Serie „Endlich Frühling“: Licht und viel Wärme machen zufrieden(er)

Düren : Serie „Endlich Frühling“: Licht und viel Wärme machen zufrieden(er)

Den ersten Cappuccino in der Sonne genießen, das erste Bällchen Eis auf der Faust, Erdbeeren mit Sahne auf der Terrasse — so langsam aber sicher kommt der Frühling. Endlich! Aber wie kommt es eigentlich, dass viele Menschen sich im Frühling glücklicher und fitter fühlen als im Herbst?

Und was löst die vielzitierten Frühlingsgefühle aus? Fragen, die Dr. Beret Knittel, Psychiaterin an der LVR-Klinik in Düren, beantwortet hat.

„Im Frühjahr“, erklärt die Medizinerin, „gibt es verschiedene physiologische Vorkommnisse im Körper, die dazu führen, dass viele Menschen sich besser fühlen.“ Der Körper, so die Expertin weiter, würde auf den vermehrten Lichteinfluss reagieren. „Und das wiederum führt zu hormonellen Veränderungen.“ Beispielsweise wird im Frühling weniger Melatonin im Körper produziert.

Knittel: „Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Wird davon weniger produziert, fühlen die Menschen sich fitter, wacher.“ Und warum leiden viele dann unter Frühjahrsmüdigkeit? „Dazu gibt es meines Wissens keine medizinischen Untersuchungen“, sagt Knittel. „Aber es gibt Menschen, deren Immunsystem die Veränderungen im Frühling nicht so gut verkraftet. Allergiker zum Beispiel. Und die können dann unter Umständen unter Frühjahrsmüdigkeit leiden.“

Produziert der Körper im Frühling weniger Melatonin, stellt er auf der anderen Seite aber vermehrt Serotonin her. Knittel: „Serotonin ist ein Glücksbotenstoff. Außerdem wird die Welt im Frühling farbenfroher, was auch zu mehr Wohlbefinden führt. Genau wie die Wärme, die ebenfalls ein ganz wichtiger Faktor ist.“

Nicht zu vernachlässigen sind auch die typischen Gerüche, die es in der aktuellen Jahreszeit gibt. Frühlingsblumen, die blühen, frisch gemähtes Gras — das alles, so die Oberärztin, seien Gerüche, mit denen man durchweg positive Erinnerungen verbinde. „Das führt auch dazu, dass Menschen sich wohler fühlen.“

Licht, Farben und Aromen sind Dinge, die auch in der Therapie von Patienten eingesetzt werden, die unter Depressionen leiden. Beret Knittel: „Natürlich kann man jetzt nicht verallgemeinernd sagen, dass es depressiven Menschen im Frühling bessergeht. Es gibt aber sehr wohl saisonale Depressionen, die häufig in Herbst und Winter auftreten und die im Frühling deutlich besser werden. Patienten, die unter dieser speziellen Form einer Depression leiden, reagieren positiv auf mehr Licht.“

Woher die viel beschworenen Frühlingsgefühle kommen, ist wissenschaftlich nicht wirklich belegt. „Nachgewiesen ist“, sagt Beret Knittel, „dass im Frühling vermehrt Testosteron im Körper gebildet wird. Vermutlich ist es aber der allgemeine Effekt des Sich-Wohlfühlens, der zu den Frühlingsgefühlen führt. Die Menschen sind offener, gehen mehr raus. Dann verliebt man sich schneller, als wenn man immer drinnen ist.“

Leckere Frühlingsgemüse

Übrigens trägt auch die veränderte Ernährung im Frühling zu einem besseren Wohlbefinden bei. Beret Knittel: „Die Küche wird wieder leichter, das Essen auf dem Teller bunter. Wer sich mit saisonalen Produkten ernährt, viele leckere Frühlingsgemüse isst, dem geht es sicherlich auch insgesamt besser.“

Die Medizinerin ist ein großer Freund davon, sich das ganze Jahr über ein Stück Frühling zu schaffen. „Natürlich können wir die Jahreszeiten nicht ignorieren“, sagt sie. „Aber wir können sie uns durch Licht, Wärme und Farben so gestalten, dass wir uns auch in Herbst und Winter wohlfühlen.“

Mehr von Aachener Nachrichten