Düren: Senioren-Union fordert die Dürener CDU zu einem Verjüngungsprozess auf

Düren : Senioren-Union fordert die Dürener CDU zu einem Verjüngungsprozess auf

Noch ist die CDU stärkste Kraft im Dürener Stadtrat. Angesichts des bundesweiten Umfrageabsturzes auf unter 30 Prozent aber scheint es mehr als unwahrscheinlich, dass die Christdemokraten bei der Kommunalwahl im Herbst 2020 noch einmal knapp 41 Prozent der Stimmen gewinnen können.

Dies war schon 2014 ein historischer Tiefpunkt und ein Minus von elf Prozentpunkten binnen zehn Jahren. „Damit die Kommunalwahl nicht zum Desaster wird, muss sich dringend etwas ändern“, ist der Vorsitzende der Dürener Senioren-Union (SU) und langjährige Stadtverbandsvorsitzende Robert Halstein (71) überzeugt.

Aus Sicht des Senioren-Vorstands benötigt die CDU ein Image, das für Aufbruch und neues Selbstbewusstsein steht. „Nur wenn sich das Erscheinungsbild der Partei nach Außen verändert, können wir Nicht-Wähler für uns gewinnen“, ist der SU-Chef überzeugt. Doch genau darin liegt der Knackpunkt.

Trotz des von Parteichef Thomas Floßdorf und Fraktionschef Stefan Weschke bereits eingeleiteten Verjüngungsprozesses würden bei der CDU noch immer zu viele Altvordere an ihren Pöstchen kleben. „Wer heute als junger Mensch unter 30 Jahren in die Dürener Kommunalpolitik geht, kommt seinem Empfinden nach in einen Altenclub“, betont Halstein. Und das müsse sich schnellstmöglich ändern — nicht nur, aber eben auch in der CDU.

Paradebeispiel ist für den Vorstand des SU-Stadtverbands der Erfolg der Jugendpartei „Peto“ in Monheim, die bei der Kommunalwahl 2014 ihr Stimmenergebnis auf über 65 Prozent mehr als verdoppelt hat und einen heute 35-jährigen Bürgermeister in ihren Reihen weiß, der sensationelle 94,6 Prozent der Stimmen erhalten hat. Der Erfolg der „Peto“ bestätige ein Umfrageergebnis des Meinungsforschungsinstituts Emnid, nach dem immer mehr Jugendliche in Deutschland politisches Interesse zeigen. DiesenTrend müsse die CDU aus Sicht von Halstein & Co. parteiintern aufgreifen, bevor es zu spät ist und sich wie in Monheim eigene Strukturen bilden.

Außenstehende begeistern

Dazu müsse man nicht nur dem eigenen Nachwuchs das erforderliche Rüstzeug für Diskussionen und Debatten an die Hand geben, sondern auch über den Tellerrand hinausblicken, raus „aus der Dunstglocke von Partei und Fraktion“, bringt es Halstein auf den Punkt. „Und ich bin mir sicher, dass wir mit ein wenig Engagement auch genügend junge Leute begeistern können“, fügt das CDU-Urgestein hinzu. Dies werde allerdings nur gelingen, wenn sie auch die Möglichkeit erhalten, aktiv mitzugestalten. „Mit der Aussicht, Plakate kleben zu dürfen, werden wir niemanden begeistern.“

Ziel der Dürener CDU müsse es sein, fordern die Partei-Senioren mit Blick auf die Kommunalwahl 2020, eine neue Mannschaft aufzustellen, die auf die Arrivierten im Hintergrund zurückgreifen kann. Dabei geht es Halstein & Co. nicht darum, die komplette Fraktion mit Mitgliedern der Jungen Union zu ersetzen. „Wir werden die Erfahrung und die Kontakte der Älteren auch weiterhin brauchen, aber die müssen nicht zwingend alle weiter in der ersten Reihe sitzen.“

Dem SU-Vorstand ist bewusst, dass sein Vorstoß in weiten Teilen der Partei, insbesondere bei vielen langjährigen Stadtverordneten, die mit einer neuerlichen Kandidatur liebäugeln, nicht unbedingt Jubelstürme auslösen wird. Aber auch darauf sind Halstein & Co. vorbereitet. Sie haben die sogenannte „Initiative 100+“ gestartet. Bis der CDU-Stadtverband seine Stadtratskandidaten nominiert, wollen die Parteisenioren mindestens 100 Parteimitglieder von dem aus ihrer Sicht notwendigen Generationenwechsel überzeugen, die dann — wenn notwendig — geschlossen für den einen oder anderen Newcomer und gegen einen Arrivierten stimmen würden. Rund 70 Mitstreiter habe man bereits, versichert Halstein. Unbedingt aus auf Kampfabstimmungen aber sei er nicht.

Der SU-Vorstand, der sich im steten Austausch mit der Jungen Union und der Schüler Union befinde, setzt vielmehr auf die Einsicht, dass die Partei ohne Generationenwechsel und Imagewandel im Herbst 2020 keine Chance haben werde, ihr Ergebnis zu halten. „Uns geht es darum, dass die jungen Menschen einen eigenen, einen selbstbewussten Weg finden, den gesellschaftlichen Veränderungen in Düren Rechnung zu tragen und die Union wieder zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, die oberhalb von 40 Prozent liegt mit der Chance, wieder Verantwortung für Düren zu übernehmen.“