Düren: Sein 100. Konzert führt Michael Hirte in die frühere Heimat

Düren: Sein 100. Konzert führt Michael Hirte in die frühere Heimat

Seit 2009 touren Michael Hirte, der „Mann mit der Mundharmonika“, und seine Musikpartnerin Simone Oberstein durch Deutschland. Ihr 100. gemeinsames Konzert gaben sie in der Arena Kreis Düren während der Seniorenweihnachtsveranstaltung, die Landrat Wolfgang Spelthahn nun schon zum dritten Mal in Folge initiiert hatte.

1100 Gäste hatten sich eingefunden, um bei Kaffee und Kuchen eine bunte Programmmischung zu genießen. Josef Kreutzer, der Pressesprecher des Landrats, erklärte, dass immer auf eine „gute Mischung“ aus Laien und professionell arbeitenden Künstlern geachtet werde.

Im vergangenen Jahr trat beim Seniorennachmittag der Kölner „King Size Dick“ auf. Diesmal machte der Mundartspielkreis St. Kilian aus Lechenich den Aufschlag. Diese Gruppe widmet sich dem Erhalt der kölschen Sprache. Es folgten der Dürener Männergesangsverein Voith (ehemals Dörries) und auch die 25 Aktiven der Dürener Tanzschule von Brigitte Pahlke, zwischen drei und 50 Jahre alt, erhielten für die Interpretation eines Ausschnitts aus dem Ballett „Das hässliche Entlein“, geschrieben vom Komponisten Friedrich Rademacher, herzlichen Applaus und viel Anerkennung.

Höhepunkt war allerdings zweifellos der Auftritt von Michael Hirte und Simone Oberstein. In der Arena Kreis Düren präsentierte der Musiker mit der bewegten Lebensgeschichte zunächst einige Titel alleine. Er spielte Evergreens mit seiner Mundharmonika wie „Rot, rot, rot sind die Rosen“ und „Hoch auf dem gelben Wagen“. Das Publikum benötigte nur wenige Takte, um die Titel zu erkennen und mit zu summen oder mitzusingen. Simone Oberstein trat ebenfalls zunächst als Solistin auf und erhielt viel Beifall für „Lieb mich so wie noch nie“ und „I will always love you“. Als beide gemeinsam das Lied „Danny Boy“ anschlugen, war die Zuhörerschaft vollends begeistert. Plötzlich sprangen einige der Zuhörer auf, flink wurde eine Kamera oder ein Handy gezückt und der beliebte Künstler, der während seines Auftritts immer wieder gerne durch die Zuschauerreihen schlendert, abgelichtet. Geduldig und freundlich ließ sich Michael Hirte fotografieren und verteilte Autogramme. Obwohl er gerade erst vor wenigen Tagen eine Zahn-Operation hinter sich gebracht hatte, wie er seinen 1100 Gästen berichtete, trat er in Düren auf, denn fast war es für ihn wie ein Heimspiel.

Bewegende Lebensgeschichte

Viele Senioren kannten die Lebensgeschichte von Michael Hirte bereits. Der ehemalige Lkw-Fahrer stammt aus dem Spreewald und lebte bis 2011 in Merken. 1991 verunglückte er schwer. Er lag zwei Monate im Koma, verlor ein Augenlicht und ein Bein blieb steif. Da er nebenher immer als Straßenmusiker gearbeitet hatte, setzte er nach dem Unfall ganz auf die Musik, obwohl er wie Simone Oberstein keine einzige Note lesen kann. 2008 wurde er nach seinem Auftritt beim Fernsehsender RTL mit dem Titel „Ave Maria“ mit über 72 Prozent der Stimmen zum „Supertalent“ gewählt. Danach ging seine Karriere steil nach oben. Er veröffentlichte inzwischen unzählige Platten, erhielt Preise und von der Mundharmonika-Firma Hohner einen Werbevertrag.

Simone Oberstein, 35-jährige Straßenmusikerin, stammt aus Birkesdorf. Als Michael Hirte in Merken lebte, suchte sie Kontakt zu ihm. „Ich wusste, in welchen Grill er gerne einkehrt und sprach ihn dort an“, erinnerte sich Simone Oberstein. Kurz darauf meldete sich Michael Hirte bei Simone Oberstein telefonisch und bot ihr an, mit ihm auf Tournee zu gehen. „Mir blieb damals vor Aufregung die Stimme weg“, betonte die 35-Jährige.