Düren: Schulleiter Jürgen Pfaff freut sich auf ein Leben ohne Termindruck

Düren: Schulleiter Jürgen Pfaff freut sich auf ein Leben ohne Termindruck

Auf seinem Schreibtisch liegt ein Zeitungsartikel über den Kreuzauer Fußballer Yannick Gerhardt, der mit dem 1. FC Köln gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Gerhardt war ein Schüler von Jürgen Pfaff am Stiftischen Gymnasium. 15 Jahre lang war Pfaff Schulleiter am „Stift“, zum Schuljahresende geht er in Ruhestand.

Im Gespräch mit „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel erzählt der 65-jährige Vater einer Tochter (24), warum er Lehrer geworden ist und wie Schule sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Sind Sie Kölner oder warum liegt der Artikel über Yannick Gerhard auf Ihrem Schreibtisch?

Jürgen Pfaff: Yannick war Schüler bei uns, und ich musste für ihn manche Beurlaubungen unterschreiben, wenn er mit dem FC unterwegs war. Ich bin in Köln aufgewachsen und habe auch lange dort gewohnt, bin aber kein leidenschaftlicher Fan. Aber ich fühle schon mit dem 1. FC Köln.

Warum sind Sie Lehrer geworden?

Pfaff: Eigentlich wollte ich Tierarzt werden. Aber nach einem Praktikum bei einem Landtierarzt habe ich gemerkt, dass das nicht der richtige Beruf für mich ist. Mein Großvater und mein Onkel waren Schulleiter, so dass ich von zu Hause schon den Blick in diese Richtung hatte. Außerdem haben mich einige Negativbeispiele von Lehrern, die ich selbst im Unterricht hatte, bewegt, diesen Beruf zu ergreifen.

Sie wollten es besser machen?

Pfaff: Ja. Diese Lehrer waren kriegstraumatisiert und sehr autoritär aufgestellt. Und ich habe 1968 Abitur gemacht. Das sagt doch alles.

Wie wollten Sie als Lehrer sein?

Pfaff: Offen gegenüber den Schülern, die ich auch immer zu einer konstruktiven Kritik ermuntert und an solidarisches, eigenverantwortliches Handeln herangeführt habe.

Wie hat Schule sich verändert? Pfaff: In den 70er Jahren ist Schule durch stürmische Zeiten gegangen, was auch mit den gesellschaftlichen Veränderungen nach 1968 zu tun hatte. In Köln gab es damals zum Beispiel Abiturfeiern. Die Schüler haben sich ihr Zeugnis im Sekretariat abgeholt. Das war es. Nach der Einführung der differenzierten Oberstufe mit dem Kurssystem hat sich die Lage allmählich wieder beruhigt. In den 90er Jahren gab es zahlreiche neue bildungspolitische Themen, die letztlich in der Schulzeitverkürzung und G 8 gemündet sind.

Und wie haben sich Lehrer, Eltern und Schüler verändert?

Pfaff: Die Lehrer haben heute eine viel größere Offenheit ihren Schülern gegenüber. Die Unterrichtsmethoden sind auch sehr an den Schülern orientiert. Lehrer sind nicht mehr nur alleinige Wissensvermittler, sondern immer mehr auch Moderatoren. Eltern und Schüler sind schwieriger geworden. . Der gesellschaftliche Wandel zeigt sich hier sehr deutlich. Die Erziehungsprinzipien sind vielfältiger und nicht mehr so einheitlich wie früher Das Stiftische Gymnasium ist an dieser Stelle noch recht konsensfähig, was wohl mit der Wahrnehmung der Schule in der Öffentlichkeit zu tun hat.

Wie meinen Sie das?

Pfaff: wir werden immer noch als Traditionsgymnasium wahrgenommen. Und Tradition ist uns auch wichtig. Aber nicht in dem Sinne, die Asche zu bewahren, sondern die Glut darunter, weiter zu befeuern.

Wie bewerten Sie Düren als Schulstadt?

Pfaff: Fünf Gymnasien sind für ein Mittelzentrum mit 90.000 Einwohnern sehr ungewöhnlich. Düren ist ohne Frage eine Schulstadt. Die Sogwirkung ins Umland ist sehr groß. Wir haben in unseren 5. Klassen Kinder aus 32 Grundschulen. Die Zahl der Gymnasien bietet den Vorteil, miteinander kooperieren zu können.

Bedeutet es aber nicht auch viel Konkurrenz?

Pfaff: Die Schulleiter der Dürener Gymnasien stehen in einem sehr kollegialen Verhältnis. Wir sehen uns in keinem Wettbewerb.

Der Wettbewerb ist aber doch längst da.

Pfaff: Ja, natürlich sieht jeder auch zuerst das Wohl der eigenen Schule. Aber wir werben uns beispielsweise nicht gegenseitig unsere Schüler ab.

Wagen Sie bitte eine Prognose: Wie lange wird es in Düren noch fünf Gymnasien geben?

Pfaff: Das hängt neben den Auswirkungen des demografischen Wandels auch von der Schulentwicklungsplanung des Schulträgers ab. Grundsätzlich wage ich zu bezweifeln, dass es auf Dauer weiterhin fünf Gymnasien geben wird. Ich denke, man muss abwarten, wie sich die neue Mehrheit im Dürener Stadtrat festlegt. Sehr wichtig ist auch, ob in Düren Sekundarschulen eingerichtet werden oder nicht.

Was werden Sie vermissen?

Pfaff: Die Schüler! Ich freue mich aber darauf, in Zukunft keinen Termindruck mehr zu haben, und frei über meine Zeit entscheiden zu können. Außerdem werde ich es genießen, außerhalb der Schulferien reisen zu können.