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Neue AG am Stiftischen Gymnasium : Schüler werden zu Stadtmauer-Experten

Neue AG am Stiftischen Gymnasium : Schüler werden zu Stadtmauer-Experten

Für Felix Unglaube und Marvin Weß ist die Stadtmauer ein alltäglicher Anblick. Auf dem Schulweg und aus dem Klassenraumfester betrachten sie regelmäßig das alte Mauerwerk — aber erst, seit sie bei der Stadtmauer AG des Stiftischen Gymnasiums mitmachen, haben die beiden Sechst- und Siebtklässler genauer hingeschaut.

Das Ergebnis dieser detaillierten Studie sind 30 Fotografien, die nun unter dem Titel „Stadtmauer-Impressionen“ im Stadtmuseum zu sehen sind. Die 25 Schüler der AG unter der Leitung von Dr. Achim Jäger haben die Aufnahmen im vergangenen Schuljahr eigentlich für die Zusammenstellung einer Stadtmauer-Rallye aufgenommen. „Dann haben wir festgestellt, dass viele Aufnahmen eine ganz neue Perspektive zeigen, die vielleicht nicht direkt für die sachliche Darstellung von Informationen geeignet ist“, erklärt Jäger. „Die Aufnahmen der Schüler zeigten neue Details und Blickwinkel, die wir aber gerne zeigen wollten.“ So entstand die Idee einer Ausstellung. An dem Projekt beteiligten sich außerdem die Stift-Lehrer Anna Kaulen und David Silbernagel sowie Anne Krings vom Stadtmuseum.

Felix Unglaube hat gleich mehrere Fotografien beigesteuert: „Mich fasziniert, dass die Mauer über die vielen Jahre, die es sie schon gibt, teilweise überwachsen ist“, erklärt er. „Eigentlich ist es schade, dass man an vielen Stellen nicht näher an die Mauer herankommt, weil neue Gebäude und Absperrungen im Weg sind.“ Der Elfjährige ist froh, genauer hingeschaut zu haben und viel Neues über ein doch eigentlich so bekanntes Bauwerk zu lernen.

Marvin Weß erkundet bereits seit dem fünften Schuljahr mit Mitschülern aus allen Jahrgangsstufen die Stadtmauer und hat sich dementsprechend schon einiges an Wissen angeeignet: „Wir haben auf dem Schulgelände zwei Türme“, erklärt er anhand einer großen Aufnahme, die den Park des Stiftischen Gymnasiums von oben zeigt. „Der Dicke Turm hat den größten Umfang von allen Stadtmauertürmen, aber der Grönjansturm ist der schmalste und höchste.“ Auch die Namensherkunft des Grönjansturmes kennt der Zwölfjährige: „Der Turm war nämlich früher mit Moos und Efeu bewachsen und wurde daher auf Plattdeutsch als ,grön‘, also ,grün‘, bezeichnet.“

Für die Fotografien trafen sich die Schüler regelmäßig zu mehrstündigen Veranstaltungen, in denen sie dann Stück für Stück die Mauer abgingen. Auf einigen Fotos sind deshalb auch die Mitglieder der AG zu sehen, wie sie Informationen festhalten oder einen Mauerabschnitt begutachten. Es entstanden aber auch aussagekräftige Detailaufnahmen von Stein und Grün, die den Betrachter ganz nah an das Gemäuer heranholen. Weite Bilder, die zum Beispiel vom Dicken Turm aus geschossen wurden, zeigen hingegen ein ausschweifendes Stadtmauer-Panorama. Neben der Ausstellung wurden die etwas sachlicheren Bilder zusammen mit Infos zu einer digitalen Rallye zusammengestellt.

An der Ausstellung außerdem beteiligt: Dr. Achim Jäger (v. l.), Anne Krings vom Stadtmuseum und die Stift-Lehrer Anna Kaulen und David Silbernagel. Foto: Statzner

Mit den (Groß-)Eltern erkunden

Interessierte Schüler und Lehrer können eine App auf ihr Smartphone herunterladen, mit der sie dann an bestimmten Stationen an der Mauer Wissenswertes und Rätsel finden. Historische Aufnahmen, zum Beispiel von den Stadttoren, die heute nicht mehr stehen, werden so vor Ort bereitgestellt. Dort war es für die Schüler besonders schwierig, die Teile der Stadtmauer zu fotografieren, die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind, so wie der Mauerabschnitt auf dem Schulgelände. Um die Perspektive in der App richtig darzustellen, entstanden so Bilder mit ungewöhnlichen Blickwinkeln.

Dass sie diese öffentlich ausstellen können, freut Felix Unglaube und Marvin Weß sehr. „Ich finde es gut, dass sich auch junge Leute mit der alten Stadtmauer beschäftigen“, sagt Marvin. „Mit der Rallye können Jugendliche mit ihren Eltern oder Großeltern zusammen die Mauer erkunden.“

Die Ausstellung ist noch drei Sonntage im Stadtmuseum zu sehen. Daraufhin wandert sie vom 5. bis zum 24. November in die Musikschule und dann vom 14. Januar bis zum 16. Februar in die Stadtbücherei. Zusätzliche Termine sind im Gespräch. Die Stadtmauer AG hat auch für dieses Schuljahr schon wieder neue Pläne: Die Schülerinnen und Schüler werden Lexikoneinträge recherchieren und verfassen. Auch Felix Unglaube und Marvin Weß wollen bei diesem Projekt wieder mit Begeisterung dabei sein, sie wissen ja jetzt, wo drauf es ankommt.

Weitere Infos unter www.stadtmuseumdueren.de.