Düren: Schüler in Brüssel beim „Europäischen Jugendseminar“

Düren : Schüler in Brüssel beim „Europäischen Jugendseminar“

Viele neue Eindrücke, spannende Diskussionen und die Erkenntnis, doch ziemlich gut Französisch zu sprechen — das haben knapp 40 Schüler des Dürener Burgau-Gymnasiums von einem Tag in Brüssel wieder mit nach Hause gebracht.

Die Jugendlichen haben an einem Projekttag des Programms „Europäisches Jugendseminar“ teilgenommen. Nach einer Besichtigung des EU-Parlamentes in der belgischen Hauptstadt haben die Schüler aus Düren mit französischen und rumänischen Studenten sowie den beiden EU-Abgeordneten Hugues Bayet (Sozialdemokrat aus Belgien) und Edouard Martin (Sozialdemokrat aus Frankreich) über aktuelle gesellschaftspolitische Themen diskutiert.

Louis Ulrich war einer der Burgau-Schüler, die in Brüssel mit dabei waren. Foto: kin

„Demokratieerziehung“, sagt Burgau-Schulleiter Dr. Arno Schneider, „ist ein wichtiger Teil unseres Schulprogramms. Deswegen waren wir sehr froh, dass unsere Schule für das ‚Europäische Jugendseminar‘ ausgesucht worden ist.“ Darüber hinaus gehört das Burgau-Gymnasium zu den ersten Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen mit bilingualem deutsch-französischem Zweig.

Schneider: „Die bilinguale Klasse ist sehr beliebt. Die Anmeldezahlen steigen sogar. Auch deswegen wollen wir unseren Schülern möglichst häufig die Möglichkeit geben, auch mit Muttersprachlern Französisch zu sprechen.“ Gleichzeitig diente der Tag in Brüssel auch als Vorbereitung auf das deutsch-französische Schülertreffen mit Jugendlichen von 90 deutschen und 90 französischen Schulen, das im nächsten Jahr am Burgau-Gymnasium stattfinden wird.

Die knapp 40 Schüler, die mit den beiden Französisch-Lehrerinnen Martina Mäsch-Donike und Saskia Glund nach Brüssel gefahren sind, besuchen die Jahrgangsstufen neun, zehn und elf — alle im bilingualen Zweig. Saskia Glund: „Die Teilnahme an der Fahrt war freiwillig, und es haben sich mehr Schüler gemeldet, als wir mitnehmen konnten.“

Einer, der bei der Fahrt dabei war, war Louis Ulrich (16), der auch Chefredakteur der digitalen Schülerzeitung „Burgau-Blog“ ist. „Wir sind schon mit sehr gemischten Gefühlen nach Brüssel gefahren“, sagt Louis. „Die Jugendlichen aus Rumänien und Frankreich waren viel älter als wir und zum Teil sogar schon Studenten. Wir hatten ein bisschen Sorge, ob wir wirklich gut genug Französisch können, um mit denen und den beiden Abgeordneten zu diskutieren.“

Eine Sorge, die sich am Ende als vollkommen unbegründet herausgestellt hat. „Unsere Schüler“, sagt Saskia Glund, „haben ihre Aufgabe wirklich souverän und mit Bravour gemeistert. Das war auch für uns Lehrer sehr schön zu sehen.“

Themen, die die deutschen, französischen und rumänischen Jugendlichen mit den beiden Profi-Politikern diskutiert haben, waren unter anderem Armut, die Arbeitsbedingungen in Europa, Mutterschutz und Rente. „Unsere Aufgabe war“, erklärt Louis Ulrich, „konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie Europa noch lebenswerter werden kann.“

Wichtig sei gewesen, dass die ausgewählten Themen in allen drei Ländern derzeit noch völlig unterschiedlich gehandhabt würden. „In Deutschland“, nennt Louis Ulrich ein Beispiel, „gibt es die Möglichkeit, drei Jahre in Elternzeit zu gehen. In Frankreich und Rumänien gibt es diese Option nicht.“ Ihm und seinen Mitschülern, ergänzt der 16-Jährige, sei klargeworden, dass Europa eben nicht überall gleich sei. „Mein Eindruck ist, dass es im Bereich Europapolitik noch wichtiger ist, Kompromisse zu finden, als sonst in der Politik.“

Sehr ernst genommen

Die Zusammenarbeit mit den anderen Schülern und den Abgeordneten hat den Jugendlichen des Burgau-Gymnasiums sehr viel Spaß gemacht. Louis Ulrich: „Ich fand es schön, dass die beiden Abgeordneten aus Frankreich und Belgien sich mehr als eine Stunde Zeit für unsere Diskussion genommen haben. Wir haben uns sehr ernst genommen gefühlt.“

Von den Berufspolitikern habe es zudem ein sehr positives Feedback gegeben. „Wir waren bei vielen Themen auf der gleichen Wellenlänge“, sagt Louis. „Hugues Bayet hat uns sogar erzählt, dass es zu einem unserer Vorschläge von ihm schon einmal einen Gesetzesentwurf gegeben hat. Das fand ich sehr spannend.“

Live-Ticker

Für ihre Mitschüler, die nicht mit nach Brüssel fahren konnten, haben Louis Ulrich und die anderen „Parlamentarier auf Zeit“ live über die Homepage der Schule von ihren Erfahrungen in Brüssel berichtet. „Es gab einen Live-Ticker mit Fotos und Texten“, erzählt Louis. „Und der ist auch von den Leuten unserer Schule sehr gut angenommen worden.“

Saskia Glund ist davon überzeugt, dass der Tag in Brüssel das Europa-Verständnis der Jugendlichen sehr stark gefördert hat. „Ich denke, dass die Schüler die europäische Politik und Kultur noch einmal völlig anders wahrgenommen haben“, sagt die Lehrerin. „Und sie wissen jetzt, wie gut sie Französisch sprechen.“

(kin)