Düren: Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil zaubert ein Lächeln in die Mundwinkel

Düren : Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil zaubert ein Lächeln in die Mundwinkel

Vier Personen aus dem öffentlichen Leben rund um die evangelische Christuskirche schickten angesichts des gut gefüllten Auditoriums Grußworte voraus.

Jeder der vier Redner — Bürgermeister Paul Larue (CDU), der Vorsitzende des Kreisdürener Kulturvereins Dr. Hans Joachim Güttler, Erhard Raschke-Rank, Vorsitzender des Presbyteriums, sowie Professor Dr. Michael Braun — wusste, dass es eigentlich — und so drückten sie sich auch aus — dieser Vorworte nicht bedurft hätte, denn Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil ist in Düren kein Unbekannter. „Mit Abstand sind die Lesungen mit Hanns-Josef Ortheil in Düren die am besten besuchten“, machte Hans-Joachim Güttler schon in seiner Begrüßung die Männer und Frauen im Halbrund der Christuskirche neugierig.

Hinter dem Altartisch, in der Mitte des Raumes sitzend, plauderte der Schriftsteller, Professor für Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim und gelernter Pianist locker aus seinem Leben. Von der Gegenwart, von dem Augenscheinlichen hin zu Lebensschichten, die tiefer liegen, von Gefühlen und Gedanken bewohnt. „Meine Arbeiten sind im Wesentlichen biografisch“, erläuterte der in Köln geborene Schriftsteller, „und nur über meine Biografie gelingt das Werk.“ Seine Geschichten seien nicht ausgedacht, sondern sie seien ihm auf seinen Reisen irgendwo irgendwann mal so oder so ähnlich mit anderen Namen und Daten geschehen.

Vorstellen brauche er sich ja nicht, konstatierte Ortheil, weil die Dürener und er sich ja schon kennen. So konnte die Lesung locker werden, versetzt mit Humor und Witz, immer darauf bedacht, nicht zu verletzen.

Der Restaurator

„Der Typ ist da!“ ist eines der jüngsten Werke des Schriftstellers. Spielort ist Köln, die Protagonisten sind aus Köln und Venedig. Im Mittelpunkt steht Matteo, Restaurator aus der Lagunenstadt. Ortheil, der diesen jungen Mann in Venedig tatsächlich kennengelernt hat, lässt ihn unter dem Namen Matteo in der WG dreier junger Frauen aufkreuzen. Dazu muss man wissen, dass Kölner und Rheinländer oft alle möglichen Leute zu einem Besuch einladen. Sie sind dann aber verwundert, dass jemand sie beim Wort nimmt. Kunststudentin Mia, viele Monate in Venedig als Studierende unterwegs, erkennt den jungen Mann auf der Treppe vor ihrer Wohnung nicht mehr.

Doch dann tauchen Bilder aus der Vergangenheit auf. Sie nimmt den scheuen Venezianer auf. Ihre Mitbewohner Xenia, Inhaberin eines Cafés am Dom, sowie Lisa, die als Kunststudentin — wie ihr Schöpfer Hanns-Josef Ortheil — nach Paris ins Quartier Latin und ins Quartier Paris Saint-Germain einlädt, müssen die Regelübertretung „Kein Mann am Frühstückstisch!“ in Kauf nehmen. Ortheil präsentiert mit Lisa in „Paris, links der Seine“ lukullische und künstlerische Genüsse erster Güte. Diese Straßen und Gässchen in ein paar Tagen kennen zu lernen, ist für den Schriftsteller unmöglich.

Immer wieder kommt Ortheil auf Matteo zurück. Der Italiener ist zurückhaltend, hilfsbereit, schüchtern, scheinbar schon introvertiert. Ortheil lässt ihn auftreten als Menschen, „der immer bei sich bleibt“. Matteo ist nicht viel gereist. Heimat ist für ihn der Ort, wo die Kontakte zu den Mitmenschen nicht flüchtig sind. Matteo besucht mit seinen Zeichenutensilien täglich den Dom, schaut geduldig, bevor er gewissenhaft seine Striche setzt. Die drei Frauen, seine Gastgeber, voll im Stress, ändern sich, sie werden durch Matteo nachdenklich. „Matteo ist untergründig“, charakterisiert Ortheil seine Hauptfigur in „Der Typ ist da“.

Ortheils Lesung war eine hervorragende Mischung aus erzählerischem Können, Schilderungen nachvollziehbarer Situationen, die den Besuchern immer ein Lächeln in die Mundwinkel zauberte, sowie Anekdoten eines Autors, mit denen sich die Hörer identifizieren konnten.

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