Kreuzau/Obermaubach: Schockiert über den Maulwurf im Rat

Kreuzau/Obermaubach: Schockiert über den Maulwurf im Rat

Es rumort mal wieder im Ort am See. Diesmal ist es nicht die umstrittene Biogasanlage. Aktuell treibt die Obermaubacher die Sorge vor einer Asylantenunterkunft um.

So füllten an die 50 Personen den Sitzungssaal im Rathaus Kreuzau zur Gemeinderatssitzung am Mittwoch, obwohl zumindest im öffentlichen Teil nichts zum Thema zu beraten war.

Auf der Tagesordnung im nichtöffentlichen Teil allerdings war unter Punkt 16 „Erwerb der Grundstücke … Bergsteiner Straße 58“ zu finden. Und schon nimmt die Angelegenheit Brisanz an.

Offenbar durch eine Indiskretion war der Inhalt der eineinhalbseitigen Vorlage der Verwaltung in die Öffentlichkeit geraten. Rolf Heidbüchel (SPD), Urgestein der Kreuzauer Kommunalpolitik, schäumte vor Wut: „Kaum hatte die Vorlage das Rathaus verlassen, da gab es schon die wildesten Gerüchte und auch haarsträubende Vorstellungen“. Will heißen, die Obermaubacher fürchten in dem Gebäude des ehemaligen Naturfreundehauses am Waldrand eine Asylbewerberunterkunft. Den „Maulwurf“, so forderte Heidbüchel, „sollte man aus dem Rat schmeißen“. Und auch Bürgermeister Ingo Eßer zeigte sich schockiert. Er behielt sich rechtliche Schritte vor gegen das Ratsmitglied, das aus der nichtöffentlichen Sitzungsvorlage geplaudert hat.

Die Fraktionen einigten sich angesichts der großen Zuhörerzahl darauf, den Punkt 16 aus der nichtöffentlichen Sitzung in den öffentlichen Teil zu verlegen. „Bitte nicht emotional, sondern sachlich diskutieren“, forderte der Bürgermeister. Und die Fraktionen hielten sich daran. „Wir kommen in Bedrängnis und müssen schnell etwas machen“, beschrieb Dezernent Guido Steg die Situation. Weitere fünf Asylbewerber werden erwartet und die drei dezentralen Unterkünfte und sieben Einzelwohnungen sind derzeit mit rund 40 Personen besetzt. Eine marode Unterkunft ist künftig nicht mehr nutzbar. Großen zentralen Unterkünften oder Container-Lagern erteilte Bürgermeister Ingo Eßer eine Absage. „Wir bleiben bei dezentraler Lösung; nur so ist Integration möglich“.

Die fraktionsübergreifende Sichtweise betonten der Bürgermeister sowie Astrid Hohn und Karl-Heinz Kern (Grüne) unisono: „Wir haben eine humanitäre Verpflichtung. Das Asylrecht ist Grundrecht. Die Kriegsflüchtlinge sind arme Menschen“. Astrid Hohn und Dr. Ralf Nolten (CDU) gingen noch einen Schritt weiter. Sie appellierten: „Gebt uns Anregungen und helft uns, denn nur so kann der Balanceakt gelingen“.

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