Merode: Schloss Merode als Opern-Spielstätte etabliert

Merode : Schloss Merode als Opern-Spielstätte etabliert

Was tun, wenn es beim Open-Air regnet? Prinz Albert-Henri von Merode nahm die hohe Luftfeuchtigkeit gelassen, zumal der Regen rechtzeitig zu Beginn des Opernabends im Schlosspark wieder versiegte.

Georges Bizets „Carmen“ stand auf dem Programm. Doch zunächst galt es, die Bühne bespielbar zu machen. „Die Instrumente der Musiker sind so wertvoll, dass sie eine Abkühlung brauchten“ scherzte Albert-Henri von Merode zur Begrüßung der rund 650 Gäste. Während diese zuvor eigenständig ihre Klappstühle mit Taschentüchern abtrocknen mussten, griff auf der Bühne Michael Vaccaro, Intendant der Opera Classica Europa, zum Abzieher.

Die Opera Classica Europa war im Rahmen der Sommertournee mit Goerges Bizets Oper „Carmen“ zu Gast in Merode. 650 Zuschauer verfolgten die dramatische Handlung. Foto: Stephan Johnen

Theatermenschen mögen sich gerne „Hals und Beinbruch“ zurufen, erleben möchte dies aber niemand. Während Prinz Albert-Henri also den Gästen zur Überbrückung mitteilte, dass ganz im Gegensatz zu Carmen und Don Josés tragischem Ende in Bizets Oper er und seine Ehefrau, Gräfin Marie-Christine von Soden-Fraunhofen, am Freitag glücklich den 15. Hochzeitstag feierten, sorgte der Intendant für Trittsicherheit. Zum dritten Mal wurde der Schlosspark zur Bühne für die Opera Classica Europa. Damit gilt im Rheinland eine Tradition als begründet. Eines vornweg: Der stimmungsvolle Open-Air-Abend ist wahrlich nicht ins Wasser gefallen. Doch beizeiten war auf der Bühne auch noch etwas Luft nach oben.

Die Rhein-Main-Philharmoniker begleiteten das Geschehen auf der Bühne. Sänger der University of Northern Colorado bildeten den Chor. Foto: Stephan Johnen

Intendant Michael Vaccaro, der als Tenor an Häusern wie der Mailänder Scala, der Oper Frankfurt und bei den Bayreuther Festspielen sang, bringt seit dem Jahr 2003 Opern- und Operettenproduktionen auf die (Freiluft-)Bühne. Sein Ziel ist es, klassische Inszenierungen an historische Aufführungsorte wie Schloss Merode zu bringen und jungen Talenten die Chance zu geben, Hauptrollen zu singen.

Dies ist bei der Inszenierung von „Carmen“, begleitet von den Rhein-Main-Philharmonikern, durchaus gelungen. Im Zentrum der Oper steht die Geschichte des Unteroffiziers Don José (Antonio Rivera), der sich in die selbstbewusste Carmen (Gohar Azizyan) verliebt und sich aus Leidenschaft zum Deserteur und Schmuggler entwickelt.

Carmen ist eine Frau, die mit ihrer erotischen Ausstrahlung die Blicke der Männer auf sich zieht und weiß, welche Strippen sie zu ziehen hat, um Männer wie Don José, dessen Vorgesetzten Leutnant Zuniga (William Wilson) oder den berühmten Torero Escamillo (Plamen Dimitrov) für ihr Zwecke zu manipulieren. Dass dies zu Spannungen und Verwerfungen führt, verwundert kaum. Den dramatischen Schlusspunkt der Oper stellt die Szene dar, in der Don José Carmen auf offener Straße ersticht, während im Innern der Stierkampfarena die Menschenmassen Don Josés Nebenbuhler Escamillo bei dessen Triumph zujubeln.

Open-Air ist Open-Air

An diesen frenetischen Jubel der Opernvorlage kam der Beifall der Zuschauer nicht heran. Das lag nicht an der Leistung der Solisten, des Chores und des Orchesters unter Leitung von Nicola Marasco. Open-Air ist Open-Air, ein Schlosspark hat nicht die Akustik eines nur für diesen Zweck gebauten Saales, und eine reisende Bühne kann meist nur mit einem kleineren Orchester und Chor auf die Reise gehen. Als beizeiten irritierend erwies sich jedoch, dass die vor der Bühne aufgestellten Mikrofone nicht nur die Stimmen der Sängerinnen und Sänger verstärkten, sondern beispielsweise auch die sehr ausdauernd von der Dachkonstruktion rinnenden Regentropfen und das Knarzen einzelner Bretter.

Bühnentechnisch wäre mehr Unterstützung möglich gewesen, das gilt auch für die Ausleuchtung. Das Bühnenbild selbst mag als spartanisch beschrieben werden, es ermöglichte aber einen mehr oder weniger unverbauten Blick auf das Wasserschloss.

Dass mit Fortschreiten des Abends die feuchte Wiese beim ein oder anderen Gast für ein klammes Gefühl sorgte, ist kein Manko, sondern gängiges Risiko einer Freiluftveranstaltung. Etwas zügiger hingegen hätte es an der Theke vorangehen können. Alles in allem hat sich Schloss Merode als Spielstätte etabliert.

Die Zuschauer dürfen gespannt sein, was im kommenden Jahr auf die Opernbühne kommt — und welche Änderungen es um die Bühne herum geben wird.

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