Düren: Schimmel im Depot des Dürener Hoeschmuseums ist unzumutbar

Düren : Schimmel im Depot des Dürener Hoeschmuseums ist unzumutbar

Jochen Hils schreibt ein Buch. Es ist nicht sein erstes. Hils lebt in Sievernich, ist Experte für die archäologischen Bodenfunde in seinem Heimatort. Für seine neue Dokumentation wollte er die Funde neu fotografieren. Die Lagern in Teilen in einem externen Depot des Dürener Hoeschmuseums — unter nicht haltbaren Zuständen, wie Hils findet.

Dass die Funde aus Sievernich, die zwischen 1954 und 1959 geborgen wurden, überhaupt im Hoeschmuseum gelandet sind, ist eher einem Zufall zu verdanken, schließlich gehören archäologische Grabungsfunde nicht unbedingt zur Kernkompetenz des Museums. „Der damalige Kreisbodendenkmalpfleger hat Teile der Sammlung damals nach Meckenheim gegeben, und eben auch ins Hoeschmuseum. Vielleicht wollte er, dass sie auch im Kreis Düren bleibt“, mutmaßt Hils.

In einer der gesuchten Urnen, die nicht verpackt waren, befinden sich Knochenreste. Foto: Hils

Bereits im Dezember 2017 hatte sich der Sievernicher erstmals mit der Bitte an das Museum gewandt, für seine neue Chronik die Urnen und Beigefäße fotografieren zu dürfen. „Die haben versucht micht abzuwimmeln“, sagt Hils. Erst als er sich im Februar mit seiner Bitte an Dürens Bürgermeister Paul Larue (CDU) gewandt hat, durfte er das Depot besichtigen.

Hils musste weitere fünf Monate warten und auf eigene Kosten den Bonner Archäologen Peter Manstein bezahlen, um endlich Zugang zum Depot zu erhalten. Ohne Manstein hätte er das Deport gar nicht betreten dürfen. „Die Funde aus Sievernich konnten nur teilweise entdeckt werden. Urnen waren nicht mehr eingepackt und gekennzeichnet und lagen offen auf einer Kiste. Sonderbar fand ich auch, dass mehrere Gegenstände aus einem Grabfundort nicht mehr zusammenhängend, sondern in mehreren Kisten verteilt aufbewahrt wurden“, fasst Hils seine Eindrücke von dem Depot zusammen.

Das befindet sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude. Hils: „Das Depot befand sich zunächst in Parterre, ist dann in den Keller verlagert worden.“ Dort tropft Wasser von der Decke, Hils meint, an Urnen und Beigefäßen Ansätze von Schimmel und Pilzen entdeckt zu haben.

Problematik bekannt

Der Stadt Düren ist diese Problematik durchaus bekannt. allerdings auch schon seit Jahren, ohne bisher etwas getan zu haben. „Da es sich um ein umgewidmetes Industriebauwerk handelt, das nachträglich ertüchtigt worden ist (teilweise Beheizung, Alarmsicherung, Hochregaleinbauten, Container), ist die Aufbewahrungssituation verbesserungswürdig“, antwortet die Stadt auf eine entsprechende Anfrage.

Deshalb seien auch nur „installative Arbeiten, großformatige Außenskulpturen, archäologische Funde und historische Maschinen“ in diesem Depot untergebracht. Dass diese Unterbringung keine Dauerlösung sein kann, weiß man bei der Stadt: „In der Tat gibt es in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Düren und dessen Leiter Hans-Helmut Krebs bereits eine Initiative für einen kommunalen Depotneubau auf der grünen Wiese“, betont die Stadt.

Und: „Die mittel- bis langfristige Klärung der Depotsituation beziehungsweise ein Depotneubau, der in unterschiedliche Segmente unterteilt ist und gemeinsam mit dem Stadtarchiv genutzt wird, gehört zu den prioritären Projekten des Museums.“ Das ist bereits ein Widerspruch in sich. Ob eine „mittel- bis langfristige Lösung“ ausreicht, auch daran kann man Zweifel haben. Hans-Helmut Krebs spricht davon, dass die Art der Unterbringung „unzumutbar“ sei. Krebs: „In Depot schimmelt es, da traut sich kaum noch jemand rein.“

Kataloge eingelagert

Peter Manstein, der vor Jahren im Auftrag des Museums eine „versicherungstechnische Schnellinventur“ erstellt hat, sieht — anders als Hils — das Problem nicht so sehr in der Räumlichkeit: „Es ist erst mal kein großes Problem, wenn da Sachen offen herumstehen. Auf eine romanische Scherbe könnte es draufregnen wie es will — dadurch verschwindet sie nicht“, sagt er etwas flapsig. Für archäologische Funde mag das zutreffen. Archivleiter Helmut Krebs sagt aber, dass im Depot „auch jede Menge schriftliche Unterlagen, beispielsweise Kataloge“ eingelagert seien.

Dass es überhaupt ein externes Depot gibt, hängt laut Stadt damit zusammen, dass „die beiden Inhouse-Depots klimatechnisch als ein Gemälde- und Objektdepot sowie als ein Grafikdepot ausgelegt“ sind. Auch zur Frage, warum die Funde teilweise nicht zusammenhängend gelagert werden, äußert sich die Stadt: „Die Grabungsfunde wurden so belassen, wie sie zu uns gekommen sind. Eine Sortierung würde einer wissenschaftlichen Erfassung gleichkommen, wozu es Fachpersonals bedarf. Andere Bestände sind erfasst.“

Das ergibt nur begrenzt Sinn, weil das Beispiel Hils zeigt, dass nicht nur zu wissenschaftlichen Zwecken ein Wiederfinden der Objekte hilfreich ist. Erst recht, wenn in einem von Hils beschriebenen Fall bei einer Graburne drei Beigefäße fehlen.

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